Theologie bei Aufarbeitung des Missbrauchsskandals gefragt

Kritische Fragen stellen

Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals ist seit Wochen bestimmendes Thema in der katholischen Kirche. Nach Einschätzung des Erfurter Liturgiewissenschaftlers Benedikt Kranemann spielt dabei auch die wissenschaftliche Theologie eine wichtige Rolle.  

Liturgiewissenschaftler Kranemann sieht Theologie gefragt / © Harald Oppitz (KNA)
Liturgiewissenschaftler Kranemann sieht Theologie gefragt / © Harald Oppitz ( KNA )

Sie sei als "kritische Instanz mehr denn je gefordert", sagte Kranemann am Donnerstag beim Patronatsfest der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Erfurt.

Der Wissenschaftler erläuterte, die Theologie müsse "zum einen die kritische Reflexion in der öffentlichen Debatte mitbetreiben, zum anderen innerhalb der Kirche das kritische Fragen als Dienstleistung anbieten". Das sei in diesem Fall nicht einfach: "Denn gerade bei diesem Skandal haben viele, auch Theologinnen und Theologen, auch in der Wissenschaft, heute den Eindruck, ein Stück Heimat verloren zu haben."

"Unübersichtliche Zeiten für die Theologie"

Der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche habe "insbesondere mit Blick auf die Opfer alles in den Schatten gestellt, was man sich in einer Glaubensgemeinschaft an Skandalen vorstellen konnte", sagte Kranemann. "Es sind unübersichtliche Zeiten und dies insbesondere für eine Disziplin wie die Theologie, die sich ja nicht nur innerhalb der Wissenschaften bewegt und von solchem Skandal unberührt bleibt, sondern eben auch mit und auf die Kirche hin arbeitet", so Kranemann, der Vizepräsident der Universität Erfurt ist.

Einer im September veröffentlichten Studie im Auftrag der katholischen deutschen Bischöfe zufolge wurden zwischen 1946 und 2014 bundesweit 3.677 Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Übergriffe von mindestens 1.670 beschuldigten Geistlichen.

 


Prof. Benedikt Kranemann / © Harald Oppitz (KNA)
Prof. Benedikt Kranemann / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA