Katholische Kirche stellt Missbrauchsstudie vor
Symbolbild Missbrauch in der katholischen Kirche
Bischof Stephan Ackermann
Bischof Stephan Ackermann
Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer
Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer

14.11.2018

Saarland schafft Anlaufstelle für kirchliche Missbrauchsopfer "Ein wichtiger Baustein"

Opfer sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche können im Saarland künftig auch bei einer staatlichen Stelle eine Entschädigung beantragen. Das kündigte Ministerpräsident Tobias Hans nach einem Treffen mit den Bistümern Speyer und Trier an. 

Die Landesregierung habe "die Möglichkeit geschaffen, dass sich Missbrauchsopfer, die sich nicht an kirchliche Stellen wenden wollen, bei einer staatlichen Stelle melden können", heißt es aus der Staatskanzlei. Damit greife man "die Kooperationsbitte" des Bistums Trier gerne auf.

Regierungssprecherin Anne Funk erläuterte auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), die staatliche Anlaufstelle für Opfer sexuellen Missbrauchs auch innerhalb der katholischen Kirche sei im Saarland das Landesamt für Soziales. Dort würden "Anträge und Verfahren nach dem Opferentschädigungsrecht zentral bearbeitet".

Der Staat gewähre "Opfern von Gewalttaten grundsätzlich auf Antrag Versorgung nach dem Opferentschädigungsgesetz". Eine "Gewalttat" sei ein vorsätzlicher, rechtswidriger tätlicher Angriff gegen einen Menschen. Hierzu zählten auch alle Sexualdelikte, auch der ohne Anwendung körperlicher Gewalt erfolgte sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen.

Hohe Dunkelziffer

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann sagte, die jüngste bundesweite Missbrauchsstudie habe "das Ausmaß des Verbrechens im Raum der katholischen Kirche erneut vor Augen gestellt, auch wenn wir davon ausgehen müssen, dass die Dunkelziffer der Betroffenen höher ist".

Die Bischöfe hätten die Studie auch deshalb gewollt, "um Auskunft zu bekommen über 'katholische Spezifika', die Missbrauch begünstigen". Die Aufarbeitung müsse nun mit unabhängigen Partnern und Experten geschehen, unter Einbeziehung von Betroffenen. Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann ergänzte, die Zusammenarbeit mit den staatlichen Ermittlungsbehörden sei "für uns ein wichtiger Baustein". Die Bischöfe sicherten dabei "volle Kooperation" zu.

"Grundversorgung" aufrechterhalten

Bei dem Treffen zwischen Ministerpräsident Hans und den Bistümern ging es auch um die geplante Bilsung von Großpfarrereien. Hans mahnte die Kirche zum umsichtigen Vorgehen. "Grundsätzlich erwarten die Menschen im Saarland eine sichere und nachhaltige Form spiritueller Angebote in ihrer Gemeinde durch die Katholische Kirche", sagte Hans. Zur "Grundversorgung" gehöre ein funktionierendes kirchliches Gemeindeleben, so Hans.

Das gelte insbesondere für den ländlichen Raum. Die Kirchen seien in den meisten saarländischen Dörfern nach wie vor das Zentrum des Ortes. Gottesdienste stifteten Gemeinschaft und trügen zum Zusammenhalt bei, so Hans.

Ehrenämter weiter wichtig

Gerade im ländlichen Raum spiele zudem ehrenamtliches Engagement, das an kirchlichen Strukturen anknüpfe, nach wie vor eine wichtige Rolle. Ohne lokale Verwurzelung drohe die Gefahr, dass Ehrenämter nicht mehr übernommen und bestehende Ehrenämter niedergelegt würden.

"Eine Auflösung dieser zivilgesellschaftlichen Qualität würde den Zusammenhalt und die Lebensfähigkeit unserer Dörfer deutlich schwäche", betonte der Ministerpräsident. Die Bistums-Pläne seien "durchaus vereinbar mit dem Wunsch der Menschen nach Nähe, wenn Seelsorger von Verwaltungsaufgaben entlastet werden und wieder mehr Zeit für die Menschen, die Rat suchen, finden", konstatierte Hans.

"Bleibt die Kirche im Dorf?"

Bislang ist das kirchliche Leben im Bistum Trier in 887 Pfarreien organisiert, die zu 172 Pfarreiengemeinschaften zusammengefasst sind. Ab 2020 soll es 35 "Pfarreien der Zukunft" geben. Damit sollen die Beschlüsse der 2016 beendeten Bistumssynode umgesetzt werden. Der überwiegende Teil des Saarlandes gehört zum Bistum Trier, lediglich der Saarpfalz-Kreis ist Teil des Bistums Speyer.

Der Trierer Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg sieht in der Gründung der neuen Pfarreien einen herausfordernden Prozess. "Das führt zu Verunsicherung und Angst. Viele Menschen fragen, ob die Kirche im Dorf bleibt. Das können wir klar bejahen." Dem Bistum sei es "wichtig, dass es ein verlässliches Seelsorge-Angebot gibt, mit Gottesdiensten und Sakramentenspendung".

(KNA)

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