Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), neben Bischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD-Synode
Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), neben Bischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD-Synode

12.11.2018

Wie die evangelische Kirche gegen sexuellen Missbrauch vorgeht Den eigenen Weg finden

An diesem Dienstag beschäftigt sich die Synode der EKD mit dem Thema sexueller Missbrauch. Präses Irmgard Schwaetzer erklärt im Interview, wie die Prävention läuft und warum die Herangehensweise anders ist als in der katholischen Kirche.

DOMRADIO.DE: In der Öffentlichkeit gibt es Stimmen, die behaupten, wenn beim Thema Missbrauch sowieso alle auf die katholische Kirche schauen, halte die evangelische Kirche lieber still und ignoriere das so lange wie möglich. Widersprechen Sie dem?

Irmgard Schwaetzer (FDP-Politikerin und Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland): Zweifellos hätte in den früheren Jahren mehr gemacht werden können. Aber es ist nicht so, als sei gar nichts passiert. Ganz im Gegenteil. In allen Landeskirchen sind präventive Maßnahmen hochgefahren worden. Auch da muss man hingucken und sehr sorgfältig prüfen, wo noch weiter verbessert werden kann. Aber richtig ist eben auch, dass eine sehr hohe Aufmerksamkeit für dieses Problem besteht und dass alle Mitarbeitenden in den Landeskirchen der Evangelischen Kirche eine spezifische Ausbildung machen müssen und eine Anleitungen bekommen, damit hingesehen wird.

DOMRADIO.DE: Es gibt eine relativ große Dunkelziffer. Im Moment sind 480 Fälle von sexuellem Missbrauch aktenkundig. Von der katholischen Kirche wurde eine Studie zum Missbrauch vorgelegt. Bei Ihnen soll es das aber in der Form nicht geben. Warum eigentlich nicht?

Schwaetzer: Weil die Strukturen bei uns anders sind, können wir das, was die katholische Kirche gemacht hat, nicht eins zu eins kopieren. Wir müssen unser eigenes Design finden. Hier am Rande der Synode hat die Kirchenkonferenz getagt und festgelegt, dass zwei Studien gemacht werden sollen, ergänzend zu den Studien, die schon in den Landeskirchen angelaufen sind. Die eine Studie soll über alle Landeskirchen hinweg zur Aufklärung der Dunkelziffer dienen. Denn wir haben keine Ahnung, wie groß die Ziffer ist, ob sie groß ist, ob sie klein ist. Wir müssen darüber einfach mehr wissen. Die andere Studie soll zeigen, wo in der Struktur der Evangelischen Kirche die Gefahren der Übergriffe besonders groß sind.

DOMRADIO.DE: In der katholischen Kirche gibt es auch den Missbrauchsbeauftragten, den Trierer Bischof Stephan Ackermann. Braucht es so etwas auch auf evangelischer Seite?

Schwaetzer: Wir machen es anders. Es ist zum einen klar, dass eine ganz eindeutig identifizierbare und leicht zugängliche Anlaufstelle geschaffen werden muss. Die Entscheidung ist schon getroffen und die Vorbereitungen für die Einrichtung einer wirklich unabhängigen Ansprechstelle laufen schon.

Und es wurde bereits ein Beauftragtenrat mit fünf kirchenleitenden Persönlichkeiten eingesetzt, der alle Maßnahmen begleitet, die jetzt angedacht sind. Der Rat wird den Kontakt mit Betroffenen suchen und er wird sich auch darüber verständigen, dass die Fälle in den Landeskirchen nach möglichst gleichen Standards behandelt werden. Ich glaube, dass das die Art gemäß der evangelischen Kirche ist, um mit diesen Themen umzugehen. Wir haben einfach eine sehr viel dezentralere Struktur. Wir sind eine Kirche, die sehr unabhängig in den einzelnen Regionen arbeitet.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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