Bundestag hat über rechtliche Regelung zur Suizidbeihilfe entschieden
Beratung und Suizidprävention

13.10.2018

Junge Menschen informieren über Selbsttötung bei Jugendlichen Sonderzug für das Leben

Fast jeder weiß von einem Menschen, der sich das Leben genommen hat oder zeitweise nicht mehr leben wollte. Darüber geredet wird so gut wie nie. Dabei könnte gerade Jugendlichen auf unkompliziertem Weg geholfen werden.

S-Bahn-Fahren hat in der Regel eine ganz eigene Dynamik: einsteigen, einen freien Platz suchen, Handy raus und bitte möglichst wenig Interaktion mit Mitfahrern. Ganz anders ist die Lage am Samstagmittag im "Sonderzug für das Leben": Ehrenamtliche Helfer der Online-Beratung [U25] begleiten die Berliner Ringbahn, sprechen Fahrgäste im Zug und am Bahnsteig direkt an - und machen auf Suizide von Jugendlichen aufmerksam.

"Das Thema Suizid ist nach wie vor ein gesellschaftliches Tabu", erklärt [U25]-Mitarbeiterin Christina Obermüller. Viele Menschen trauten sich nicht, über ihre Ängste, Depressionen und Selbsttötungsgedanken zu sprechen - weder mit professionellen Beratern noch mit Freunden oder Verwandten. Mit dem Aktionstag will die Caritas für das Thema sensibilisieren und jeden Einzelnen motivieren, im eigenen Umfeld genauer hinzuschauen. Denn mancher Betroffene entscheide sich gegen das Leben, weil er oder sie mit Problemen alleine gelassen worden sei.

Einsamkeit, Mobbing, Leistungsdruck

"Ein Gespräch kann Leben retten", lautet das Motto von [U25]. Das Online-Angebot der Caritas richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die nicht mehr weiter wissen, eine Krise durchmachen und mit dem Gedanken spielen, sich das Leben zu nehmen. Sie können anonym per E-Mail mit den Beratern Kontakt aufnehmen. [U25] will einen Austausch auf Augenhöhe ermöglichen: Die Ehrenamtlichen sind selbst junge Menschen im Alter von 16 bis 25 Jahren. Deutschlandweit stehen 196 Berater an zehn Standorten hilfesuchenden Jugendlichen zur Seite.

Für die Jugendlichen da sein, zuhören und sie ernst nehmen – das seien die wichtigsten Aufgaben, erklärt die ehrenamtliche Beraterin Lea (Name geändert). Die Jugendlichen meldeten sich aus unterschiedlichsten Gründen: Einsamkeit, Mobbing, Leistungsdruck in der Schule, Probleme mit den Eltern, das Gefühl von Sinnlosigkeit, Selbsttötungsgedanken. "Wir versuchen herauszufinden, was derjenige gerade am dringendsten braucht und suchen dann gemeinsam einen Weg", sagt die 22-Jährige. Manch einer wolle sich die Sorgen von der Seele schreiben, ein anderer suche einen langfristigen Kontakt und Hilfe. Wichtig sei, den Hilfesuchenden Mut zu machen und sehr genau auf die Mails einzugehen.

Eine "Brücke ins Hilfenetz"

Die Zahlen erschrecken: Zwanzigmal am Tag ist laut Caritas ein junger Mensch in Deutschland so verzweifelt, dass er versucht, sich das Leben zu nehmen. Zwei Versuche enden demnach tödlich. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts nehmen sich jährlich rund 500 Jugendliche im Alter zwischen 10 und 25 Jahren das Leben. Suizid ist damit nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen.

Etwa 80 Prozent der Suizide würden angekündigt, gibt Sozialpädagogin Obermüller zu bedenken. Oft erkenne das Umfeld die Alarmzeichen aber nicht oder nehme Andeutungen nicht Ernst. Die Online-Beratung sei für die Jugendlichen oft eine "erste Brücke ins Hilfenetz". Wie es dann weitergehe, liege ganz in der Hand der Betroffenen: Manch einer fängt sich von selbst, ein anderer entscheidet sich für eine professionelle Therapie.

"Viele Menschen suchen Hilfe"

Mit zwei weiteren Hauptamtlichen begleitet Obermüller die jugendlichen Berater in Berlin, steht als Ansprechpartnerin bei Fragen oder Problemen zur Seite, liest Mails gegen und leitet die regelmäßig stattfindenden Reflexionstreffen.

Denn der Beraterjob ist fordernd. Schwierig werde es dann, wenn Suizidgedanken konkreter würden, gibt Fabian* zu bedenken. Wenn der andere nicht mehr antworte, "kann man nur abwarten und hoffen, dass er das Bedürfnis hat, sich zu melden", sagt der 17-Jährige. Als Ehrenamtlicher habe er lernen müssen, eine professionelle Distanz zu wahren und nicht alles an sich heran zu lassen. Durch die Arbeit habe er schaue er aber auch im eigenen Umfeld genauer hin. Denn: "Viele Menschen suchen Hilfe."

Genau dieser Gedanke soll mit dem Aktionstag in der Öffentlichkeit angekommen. Die Ehrenamtlichen in der S-Bahn stoßen auf positive Resonanz: Die Tüten mit Infomaterial leeren sich. Viele Fahrgäste reagieren erstaunt auf die Fakten. Häufig ist zu hören: dass Suizid bei Jugendlichen so oft vorkommt – "das wusste ich nicht."

Anna Fries
(KNA)

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