Eine junge Frau betet für die Opfer von Missbrauch durch Kirchenmitglieder
Eine junge Frau betet für die Opfer von Missbrauch durch Kirchenmitglieder
Simon Lochbrunner SJ
Simon Lochbrunner SJ

12.09.2018

Über einen besonderen Gebetsaufruf des Papstes "Der Leib Christi ist verwundet"

Erschüttert vom Missbrauchsskandal ruft der Papst zu Gebet und Fasten auf – um Heilung aller, die von der Kirche verletzt wurden und für die Kirche selbst. In diesem Anliegen gibt es auch eine Novene. Initiator Pater Simon Lochbrunner stellt sie vor.

DOMRADIO.DE: Sie haben eine Novene erstellt, also neun Gebete für die kommenden neun Tage. Was steht in ihren Gebeten?

Pater Simon Lochbrunner, SJ (Nationaler Direktor des Weltweiten Gebetsnetzwerks des Papstes): Die Novene soll die Wut, die Enttäuschung und den Schmerz aufgreifen, den viele Menschen in diesen Tagen spüren – mich eingeschlossen. Wir möchten Fragen und Zweifel an die Kirche und an die kirchlichen Vertreter ernstnehmen und ihnen Raum geben.

Die Novene soll eine Antwort darauf geben, was der Missbrauchsskandal für mich als gläubigen Christen bedeutet. Mit der Novene möchten wir auch Papst Franziskus in seinem Versprechen ernst nehmen, dass sich grundlegend etwas ändern muss in der Kirche. Sie soll gleichzeitig Mut machen, im Vertrauen und der Rückbindung an Gott, in diese Richtung entschlossen weiter zu gehen und weiterzudenken.

DOMRADIO.DE: Der Umgang mit Schmerz und Leid ist etwas sehr Persönliches. Auch das Beten ist oft ein Moment, in dem man sich nach innen kehrt und besinnt. Die Internetseite für die Novene heißt aber "Stimme erheben". Wie passt das zusammen?

Lochbrunner: In Notsituationen möchte man am liebsten aufschreien. Es gibt einen intuitiven Impuls, die Stimme zu erheben – auch wenn es nur ein Schrei ist. Man möchte dem, was in einem ist Ausdruck verleihen, oftmals auch verbal oder zumindest vocal. Ich habe selbst während meiner Ausbildung zum Personal Counsellor als Therapeut in einem Zentrum für traumatisierte Kinder und Jugendliche gearbeitet. Ich kenne den Schmerz der Opfer, das Bedürfnis, aufzuschreien und aufzuschreiben. Deswegen habe ich diesen provokativen, aufrüttelnden Titel für die Novene gewählt. Ich möchte die Leute dazu ermutigen, ihren inneren Frust und Schmerz Ausdruck zu verleihen und die Stimme zu erheben – in erster Linie zu Gott, aber auch in ihren Gemeinden und Gremien, in denen sie sich engagieren.

DOMRADIO.DE: Wie genau kann man an der Novene teilnehmen?

Lochbrunner: Da gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Ich bin der Nationale Direktor des weltweiten Gebetsnetzwerks des Papstes für Deutschland. Der Papst hat eine Gebetsapp, die nennt sich "Click to Pray" und ist derzeit in sieben Sprachen verfügbar. Wir haben sie nicht auf Chinesisch übersetzt, aber die Novene ist in sechs Hauptsprachen verfügbar.

Wenn man auf Facebook oder Twitter nach "Click to Pray" sucht, findet man die Impulse in den jeweiligen Sprachen. Ich habe für die deutsche Sektion die zusätzliche Webseite diestimmeerheben.com erstellt, weil nicht jeder auf sozialen Medien unterwegs ist oder nicht extra einen Account anlegen möchte. Auf dieser Webseite kann man ab Mitternacht die täglichen Impulse abrufen. Man kann sich auch mit E-Mail eintragen und bekommt dann über ein Programm eine Erinnerungs E-Mail, dass der neue Impuls online ist, mit dem jeweiligen Link dazu. Der Impuls beinhaltet einen kurzen Reflektionstext, ein Gebet und ein Bild und nimmt etwa fünf Minuten in Anspruch.

DOMRADIO.DE: Es gibt also mehrere Wege, um die Novene mitzubeten. Sie möchten mehrere Gruppen ansprechen, nicht nur Katholiken, sondern alle Getauften, richtig?

Lochbrunner: Ganz genau. Der Papst hat am 20. August ein Schreiben "An das gesamte Volk Gottes" verfasst, das heißt an alle Getauften. Die katholische Kirche erkennt die Taufe von orthodoxen Christen, von Protestanten, Anglikanern, von ganz vielen Kirchen an und reklamiert nicht für sich den Anspruch "Volk Gottes" zu sein. Im ersten Korintherbrief heißt es im zwölften Kapitel, dass wir durch die Taufe im Heiligen Geist Anteil haben am Leib Christi. Der Papst führt aus, dass dieser Leib Christi verwundet wurde.

Er ist verwundet durch die unsäglichen Dinge, die Menschen angetan wurden. Es muss eine Heilung stattfinden. Ähnlich wie ein Körper – ich hoffe, Sie erlauben mir diese Analogie – nur heilen kann, wenn alle Zellen am Heilungsprozess beteiligt sind, so kann auch der Leib Christi nur heilen, wenn alle Zellen beteiligt sind. Deshalb finde ich den Gebetsaufruf des Papstes wunderschön.

Das Gespräch führte Beatrice Steineke.

(DR)

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