Dunkle Wolken über der Kirche
Dunkle Wolken über Australiens Kirche
Philip Wilson, australischer Erzbischof
Wegene Missbrauchsvertuschung schuldig gesprochen: Bischof Philip Wilson

14.07.2018

Australische Missbrauchsopfer empört über Schonung von Bischöfen "Schlag in die Magengrube"

Es rumort weiter bei der Missbrauchsaufarbeitung in Australien. Missbrauchsopfer sind empört, dass keine Anklage wegen Vertuschung von Missbrauchsfällen gegen drei ehemalige Bischöfe der anglikanischen Diözese Newcastle erhoben wird.

Die staatliche Missbrauchskommission hatte in ihrem Abschlussbericht den Bischöfen vorgeworfen, vorsätzlich nichts zur Aufklärung von Missbrauchsfällen und zum Schutz von Kindern getan zu haben. Statt die drei Geistlichen bei der Polizei anzuzeigen, haben die Anglikanische Kirche Australiens und die Diözese Newcastle nun interne Disziplinarverfahren gegen die ehemaligen Bischöfe eingeleitet.

"Schlag in die Magengrube"

"Das ist ein Schlag in die Magengrube. Mir fehlen die Worte", sagte Missbrauchsopfer Steve Smith am Freitag dem Nachrichtenportal ABC.

Das Verhalten der Anglikaner sei vor dem Hintergrund der Anklage und Verurteilung des katholischen Erzbischofs Philip Wilson besonders unverständlich. Wilson war Anfang Juli von einem Gericht in Newcastle zu einer Haftstrafe von zwölf Monaten verurteilt worden, weil er als junger Priester in Newcastle Missbrauchsfälle vertuschte.

Ehemalige Bischöfe betroffen

Betroffen von den kircheninternen Verfahren sind die ehemaligen Bischöfe Alfred Holland und Roger Herft sowie Weihbischof Richard Appleby. Der 91 Jahre alte Holland und Herft, 71, müssen sich vor der "Episcopal Standards Commission" der Anglikanischen Kirche Australiens und der 80-jährige Appleby vor der Kommission für "Professional Standards" des Bistums Newcastle verantworten.

Während Holland und Appleby seit langem im Ruhestand sind, war Herft nach seiner Aussage vor der Missbrauchskommission von seinem damaligen Posten als anglikanischer Erzbischof von Perth zurückgetreten.

Bischof Holland, der Vorgänger von Herft, habe während seiner Amtszeit "nichts" zur Aufklärung der Vorwürfe von Kindesmissbrauch getan, so die Kommission. Sein Hilfsbischof Appleby habe eine "unverständliche Ignoranz" an den Tag gelegt, obwohl er konkret von den Missbrauchstaten einer Reihe von Priestern gewusst habe.

Kommission "Führungsversagen" vorgeworfen

Herft bescheinigte die Kommission "Führungsversagen", weil er "keinen Anlass zum Schutz der Kinder" gesehen habe. In dem Abschlussbericht der Missbrauchskommission hieß es, "einer Gruppe von Tätern sei es mindestens 30 Jahre lang erlaubt worden, in der (anglikanischen) Diözese Newcastle aktiv zu sein".

Sowohl in der anglikanischen als auch in der katholischen Kirche war Newcastle ein Brennpunkt des Missbrauchs.

(KNA)

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