Missbrauchsfälle in chilenischer Kirche
Symbolbild: Missbrauch in der Kirche

14.06.2018

Vatikan-Delegation setzt Gespräche zu Missbrauch in Chile fort Wahrheit anerkennen

Die vatikanischen Sonderermittler im Missbrauchsskandal in Chile setzen an diesem Donnerstag ihre Arbeit mit einem Besuch im Bistum Osorno fort. Dort bestehen Vorwürfe gegen ein mutmaßliches Netzwerk von 14 Priestern.

An Vertuschungsvorwürfen gegen den inzwischen zurückgetretenen Leiter der Diözese, Juan Barros, hatte sich die aktuelle Krise entzündet. Die päpstlichen Delegaten Erzbischof Charles Scicluna und Jordi Bertomeu wollen bis Sonntag Pfarreien besuchen sowie mit Laienvertretern, Ordensleuten und den Klerikern des Bistums zusammentreffen, wie die Chilenische Bischofskonferenz am Mittwochabend (Ortszeit) bekanntgab. Das kleine südchilenische Bistum Osorno zählt 22 Pfarreien.

Vorwürfe gegen 14 Priester

Am Sonntag ist eine Messe geplant, mit der ein "Weg der Wiedergutmachung und Versöhnung" beginnen solle, hieß es. Anschließend kehren die Gesandten für zwei weitere Tage in die Hauptstadt Santiago zurück.

Am Mittwoch hatten Polizei und Staatsanwaltschaft im Zuge des Missbrauchsskandals die Büros der Kirchengerichte in Santiago und in Rancagua durchsucht. In Rancagua bestehen Vorwürfe gegen ein mutmaßliches Netzwerk von 14 Priestern, die auch sexuelle Vergehen an Minderjährigen verübt haben sollen.

Der Erzbischof von Santiago, Kardinal Ricardo Ezzati, sagte laut chilenischen Medien, man kooperiere mit der Justiz. Alle angeforderten Dokumente seien der Staatsanwaltschaft übergeben worden.

Wahrheit anerkennen und zugeben

Der vatikanische Ermittler Scicluna, langjähriger Chefstrafverfolger für Missbrauchsdelikte, unterstrich am Mittwoch vor Journalisten, die Kirche müsse mit der staatlichen Justiz zusammenarbeiten. Ein kirchenrechtliches Verfahren dürfe in keiner Weise das Recht auf eine Klärung vor zivilen Gerichten behindern.

Voraussetzung für jede Heilung sei, "die ganze Wahrheit anzuerkennen und zuzugeben". Die Aufmerksamkeit und Hilfe müsse in erster Linie den Opfern gelten. Zugleich betonte Scicluna das Recht der Beschuldigten auf ein faires Verfahren.

Am Mittwochabend traf Scicluna mit Vertretern der chilenischen Staatsanwaltschaft zusammen. Er selbst sprach laut Medien von einem "Höflichkeitsbesuch". Generalstaatsanwalt Jorge Abbott kündigte bei dem Treffen an, Chile werde in Kürze beim Vatikan ein formelles Informationsersuchen über Sexualdelikte von Kirchenmitarbeitern stellen.

Opfern Wiedergutmachung verschaffen

Auch bei verjährten Straftaten gelte es, die Wahrheit zu ermitteln und den Opfern Wiedergutmachung zu verschaffen. Derzeit liefen verschiedene Verfahren; aus Sicht der Staatsanwaltschaft gebe es keine Notwendigkeit, die Ermittlungen zu bündeln, so Abbott laut einer Pressemitteilung.

Der von Missbrauchsopfern kritisierte Vatikanbotschafter in Chile erfuhr Rückendeckung von Scicluna. Es bestehe eine "ausgezeichnete Zusammenarbeit" mit Nuntius Ivo Scapolo, sagte Scicluna auf eine Journalistenfrage. 

(KNA)

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