Inmitten von Handys: der Papst
Inmitten von Handys: der Papst

03.03.2018

Experten sehen Nachholbedarf beim Umgang mit Digitalisierung Neues digitales Bewusstsein

Auch bei der Papstwahl 2013 hat man die Veränderung der Mediennutzung bemerkt. Zwei Tage lang diskutierten Forscher und Praktiker in Bonn über die digitale Gesellschaft. Kritische Töne bildeten dabei keinen Gegensatz zur Freude am Digitalen.

Es ist eine eindrucksvolle Gegenüberstellung: Das eine Bild zeigt eine Menschenmenge auf der Via della Conciliazione während der Papstwahl 2005. Auf dem anderen Bild verfolgen ähnlich viele Menschen die Papstwahl 2013. Während bei der Wahl Benedikts XVI. kaum ein Handy zu sehen ist, leuchtet bei der Franziskus-Wahl über dem Kopf fast jedes Wartenden ein Display. Zwischen den Aufnahmen lag die Einführung des iPhones (2007) - und die massenhafte Verbreitung von Smartphones. Die Fotos dokumentieren den gesellschaftlichen Wandel, der damit einherging.

Bonner Gespräche über digitale Welt

Um diese Veränderung ging es auch bei den "Bonner Gesprächen", zur denen die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bis Samstag eingeladen hatte. Das Bildungssystem könne mit vielen aktuellen Entwicklungen nur schwer Schritt halten, sagte bpb-Präsident Thomas Krüger. Dass Überwachung etwa durch Sensorik kaum öffentlichen Protest auslöse, deute auf einen Nachholbedarf hin.

Das zeige auch der strategische Einsatz von Social Media durch Extremisten jeglicher Couleur, ergänzte Yvonne Hofstetter, Buchautorin und Geschäftsführerin des Unternehmens "Teramark Technologies". Der Staat verliere sein Gewaltmonopol an kleinere Gruppen, warnte sie: "Der 'Islamische Staat' beispielsweise ist auch ein Internetphänomen."

Neues Bewusstsein für das Internet

Von Science-Fiction-Szenarien wollte Hofstetter indes nichts wissen. "Die Frage ist nicht, wann Künstliche Intelligenz die Weltherrschaft übernimmt. Die Gefahren sind längst da - aber viel subtiler." Ein Beispiel dafür seien Frequenzen, die manche Unternehmen inzwischen in Fernsehwerbung mitsenden. Der Zuschauer nimmt sie nicht wahr, wohl aber das Smartphone, das neben ihm auf dem Sofa liegt - und dem werbenden Unternehmen wiederum rückmeldet, wer wann diese Werbung gesehen hat.

Da Geräte inzwischen ständig online und miteinander vernetzt seien, brauche es ein neues Bewusstsein für "das Internet", sagte der Leiter Forschung am Grimme Institut in Marl, Harald Gapski. Früher sei es als Werkzeug begriffen worden; heute müsse es eher als Umwelteinfluss betrachtet werden.

Fragmentierung der Gesellschaft

Unternehmerin Hofstetter wandte sich allerdings dagegen, allein die Technik für Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen. Ein Gegenbeispiel sei die wachsende Zahl von Menschen, die Nachrichten ausschließlich über Soziale Medien beziehe. "Das ist so, wie Fernsehwerbung für Nachrichten zu halten", mahnte die Expertin.

Im schlimmsten Fall drohe eine Fragmentierung der Gesellschaft, wenn jeder Nutzer nur noch die Inhalte wahrnehme, die ihn in der eigenen Meinung und in altbekannten Interessen bestärkten: "Der Souverän wird zerschlagen in Millionen Einzelmeinungen." Hofstetter verwies auf Hannah Arendt (1906-1975), die in ihrer politischen Theorie den Wert von Pluralität und dem Austausch verschiedener Perspektiven betonte.

Hofstetter: "Auch Donald Trump hat die Sozialen Medien geschickt genutzt – und sich als derjenige inszeniert, der im Meinungschaos einfache Lösungen hat."

Politische Bildung müsse Grundkenntnisse darüber vermitteln, was etwa Big Data und Künstliche Intelligenz überhaupt sind, darüber waren die Experten sich einig. Zudem solle der Wert von informationeller Freiheit wieder deutlich gemacht werden, forderte Gapski. "Belanglose" Daten gebe es nicht mehr, da sämtliche Daten in andere Bezüge gesetzt und interpretiert werden könnten. So ließen sich auch scheinbar harmlose Daten im Hinblick auf Kreditwürdigkeit oder Gesundheitsprognosen auswerten.

Viele Technologen wünschten sich inzwischen eine ethische Regulierung, hat Hofstetter beobachtet. Die Gesellschaft müsse eine entsprechende Politik allerdings einfordern, betonte sie. Bislang sei vielen Menschen egal, was mit den Daten geschehe, sagte Armin Grunwald. Der Karlsruher Professor für Technikphilosophie leitet das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag. Die meisten nutzten Apps schlichtweg deshalb, weil sie bequem seien. Insofern brauche es womöglich eine Strömung wie die Öko-Bewegung in den 1970er Jahren, so Grunwald: "Ohne die würde es heute auch keine Umweltpolitik geben."

(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 19.10.
06:30 - 11:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

  • 5 Jahre Seligsprechung von Papst Paul VI.
  • Syrien-Konflikt: Wie geht es den Christen vor Ort?
  • Recklinghausen Leuchtet 2019 - Die Sage von St. Peter
10:15 - 10:20 Uhr

Alle Wetter!

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

11:11 - 11:15 Uhr

Wort zum Samstag

11:00 - 16:00 Uhr

DOMRADIO Der Samstag

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff