Für den Loveparade-Prozess sind bis Ende 2018 zunächst 111 Verhandlungstage eingeplant
Für den Loveparade-Prozess sind bis Ende 2018 zunächst 111 Verhandlungstage eingeplant
Jürgen Widera
Jürgen Widera

08.12.2017

Strafprozess zur Loveparade-Katastrophe hat begonnen "Dieser Tag ist sehr wichtig"

Mit einer Flut von Anträgen hat der Strafprozess um die Loveparade-Katastrophe begonnen. Ombudsmann der Stadt, Jürgen Widera, hat mit DOMRADIO.DE über Ängste und Erwartungen der Kläger und Nebenkläger gesprochen.

DOMRADIO.DE: Die wichtigste Frage zuerst: Was bedeutet dieser Tag für die Betroffenen und Hinterbliebenen?

Jürgen Widera (evangelische Pfarrer, Vorsitzender der Stiftung "Duisburg 24.7.2010" und Ombudsmann der Stadt): Dieser Tag ist sehr wichtig für sie. Wir haben sehr lange darauf gewartet; länger, als wir das je für möglich gehalten hätten. Die Erleichterung war groß, als es dann im Frühjahr hieß, dass der Prozess doch stattfinden würde. Jetzt ist man insgesamt froh, dass der Prozess endlich startet.

DOMRADIO.DE: Kann denn dieser Prozess überhaupt hinreichend Aufarbeitung für die Menschen bieten, wenn diejenigen, die in den Augen der Opfer die Hauptverantwortung tragen, nämlich Rainer Schaller, der Loveparade-Veranstalter und der damalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland, gar nicht auf der Anklagebank sitzen? Bei vielen ist der Eindruck entstanden: "Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen ..."

Widera: Das Denken ist in der Tat unter den Opfern weit verbreitet. Aber die Staatsanwaltschaft hat ermittelt und die Staatsanwaltschaft nun die zur Anklage gebracht, die auf der Anklagebank sitzen. Gegen die anderen hat man nichts Strafbares finden können. Von daher muss man sehen, was der Prozessverlauf hergibt.

Die Erwartungen sind hoch und man hofft, über die Ursachen mehr zu erfahren. Denn die quälenden Fragen, die die Opfer bewegen, lauten ja: "Wie konnte es passieren, dass mein Kind dort umgekommen ist? Wie konnte es passieren, dass dort jemand so schwer verletzt wurde?" Und das sind noch weitestgehend offene Fragen. Ob diese allerdings in einem Strafprozess dann aufgeklärt werden können, und zwar so, wie wir uns das wünschen – das müssen wir abwarten.

DOMRADIO.DE: Wenn es bis zum Sommer 2020 kein Urteil gibt, verjähren die Taten. Bei so einem Mammutprozess sind zweieinhalb Jahre nicht viel. Was würde die Verjährung für die Betroffenen bedeuten?

Widera: Auch das hängt davon ab, was in diesem Prozess innerhalb der zweieinhalb Jahre aufgearbeitet werden kann. Das schlimmste Szenario, das ich mir vorstellen kann, ist, dass man mit Formalien und Anträgen den Prozess so sehr verlangsamt, um nicht zu sagen verschleppt, dass am Ende die Zeit für inhaltliche Fragen vorbei sein wird.

DOMRADIO.DE: Wie unterstützen Sie die Betroffenen vor Ort?

Widera: Wir sind das sehr professionell angegangen und haben mit dem Landgericht gesprochen, weil wir auch von Opfern schon angesprochen worden sind, die sich während des Prozesses eine Betreuung wünschen. Von der Stiftung aus haben wir dann ein Konzept erarbeitet, das vorsieht, dass wir an jedem der 111 Prozesstage ein kleines Team von Betreuern vor Ort haben; mit einem Seelsorger und einem Psychologen. Das sind alles Experten mit Zusatzausbildung, weil wir darauf gefasst sind, dass es zu Situationen kommen kann, die die Nebenkläger oder Zuschauer emotional überfordern können.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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