TV-Duell Angela Merkel und Martin Schulz
TV-Duell Angela Merkel und Martin Schulz
Pfr. Dr. Antonius Hamers
Pfr. Dr. Antonius Hamers

04.09.2017

Katholisches Büro NRW vermisst Thema "Religion" im TV-Duell "Ist einer von Ihnen heute in der Kirche gewesen?"

Im TV-Duell zwischen der Kanzlerin und Herausforderer Schulz wurden beide nach ihrem Gottesdienstbesuch gefragt. Doch sonst fand "Religion" nur am Rande statt, kritisiert Antonius Hamers vom Katholischen Büro NRW. Wichtige Aspekte fehlten.

domradio.de: In den sozialen Netzwerken kursiert eine Frage und die Antwort der Kandidaten derzeit als der "peinlichste Moment" beim TV-Duell zwischen Merkel und Schulz. Dabei fragte die Moderatorin, ob einer von beiden im Gottesdienst gewesen sei – schließlich sei Sonntag.

Antonius Hamers (Katholisches Büro NRW): Damit wurde das Thema "Religion" und das "Verhältnis zu den Kirchen" ja eigentlich auf eine ganz nette Art und Weise kurz angesprochen. Leider waren ja beide nicht wirklich im Gottesdienst. Und dann hatten sie – ich will nicht sagen Ausflüchte – aber sie konnten die Frage nicht bejahen.

domradio.de: Merkel verneinte. Schulz sagte, er habe seinen verstorbenen Freund Frank Schirrmacher auf dem Friedhof besucht und sei dabei in einer Kapelle gewesen.

Hamers: Es wäre natürlich schön gewesen, wenn zumindest einer von beiden im Sonntagsgottesdienst gewesen wäre. Aber sei es drum.

domradio.de: Kurz nach dem Duell hieß es, es sei sehr wenig kontrovers gewesen. Wie ist es Ihnen beim Zuschauen ergangen?

Hamers: Ich fand das sogenannte Duell auch streckenweise ziemlich zahm. Wenn ich mich an meine Kindheit zurückerinnere, dann denke ich an große Elefantenrunden. Das habe ich doch als viel kontroverser und interessanter in Erinnerung.

domradio.de: Eine Sache des Formats?

Hamers: Ich finde dieses Duell-Format allgemein sehr fragwürdig, weil wir ja mehrere Kandidaten haben, wenn auch nicht Kanzlerkandidaten. Heute Abend ist ja die Runde der kleineren Parteien. Ich bin mal gespannt, wie es da zugehen wird. Ich hoffe, dass es etwas lebhafter und eben auch etwas kontroverser diskutiert wird.

domradio.de: Was hat Ihnen denn gefehlt?

Hamers: Ich fand, dass die wirtschaftlichen Themen ziemlich unterbelichtet waren. Da hätte ich mir mehr gewünscht. Auch das Thema der Religionen wurde nur durch diese eine Frage zum Gottesdienstbesuch angeschnitten. Sonst kreiste es sehr stark um das Thema "Islam". Aber der Islam ist ja nicht die einzige Religionsgemeinschaft, die wir in der Bundesrepublik haben. Insofern hätte man das Thema "Religionen" gut noch mal weiten können.

domradio.de: Was hätten Sie sich denn für Fragen zur Religion gewünscht?

Hamers: Ich fand es schon mal schon ganz gut, dass das Thema "Islam" aufgegriffen worden ist und demnach noch mal deutlich gemacht worden ist, welche Problemlagen einfach auch bestehen. Es hätte aber auch noch mal deutlich gemacht werden können, dass Religion für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt eine wichtige Rolle spielt.

domradio.de: Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm rufen heute dazu auf, dass wir alle wählen gehen sollen. Es gibt viele gute Gründe wählen zu gehen. Warum sollten wir diese Chance unbedingt nutzen?

Hamers: Ich halte es für unverzichtbar, zur Wahl zu gehen, sich einzubringen, sich in unsere Gesellschaft und unseren Staat einzumischen.

domradio.de: Warum?

Hamers: Ich finde schon allein, dass die Frauen und Männer, die in den Parlamenten und der Regierung sitzen, es auch verdient haben, dass wir durch unsere Stimme zeigen, dass wir uns mit der Demokratie identifizieren.

domradio.de: Aber in der Demokratie läuft auch nicht immer alles gut.

Hamers: Natürlich gibt es das ein oder andere, das man kritisieren kann, aber es geht um den Wert, seine Stimme abgeben zu können und zu dürfen. Und schauen wir mal in andere Länder. Da gehen die Menschen auf die Straße, um wählen zu können – um dieses Menschenrecht auch ausüben zu dürfen.

Wir können zur Wahl gehen, ohne dass wir Gefahr laufen, dass wir Gewalt und Repressalien ausgesetzt sind. Wir haben das freie Wahlrecht. Das Einzige was wir tun müssen ist, sich morgens aufzumachen und zum Wahllokal zu gehen. Ich finde, das ist Christenpflicht, diesem Auftrag nachzukommen. 

Das Interview führte Milena Furman.

(dr)

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