Millionen-Mann Neymar
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Fußballverrückt: Schwester Katharina Hartleib
Fußballverrückt: Schwester Katharina Hartleib

04.08.2017

Franziskaner-Nonne zu heutigen Fußball-Transfers "Das kriegt man ja nicht in Kopf und Herz!"

222 Millionen Euro Ablösesumme hat der französische Fußballclub Paris St. Germain für den brasilianischen Stürmerstar Neymar auf den Tisch gelegt. Diesen teuersten Transfer in der Fußballgeschichte kritisiert auch die Franziskanerin Sr. Katharina Hartleib.

domradio.de: Waren Sie überrascht, als Sie von diesem Millionen-Transfer gehört haben?

Sr. Katharina Hartleib (Nonne vom Franziskanerkonvent in Olpe und Fußballexpertin): Als Franziskanernonne fand ich schon immer die Preise, die im Fußball gezahlt werden, unglaublich. Aber das jetzt! Wenn ich nicht ein glühender Fußballfan wäre, würde ich sagen: Leute, das ist unnormal, ungesund und bar jeglicher Vernunft. Das ist nichts mehr, was irgendeinem Gegenwert entspricht. Schon eine Million ist für einen normalen Menschen nicht fassbar, aber diese 222 Millionen haben eine Dimension, die kriegt man nicht mehr in Kopf und Herz.  

domradio.de: Ist es Neymar als Topspieler nicht wert, so hohe Summen für ihn zu zahlen?

Sr. Katharina: Das ist eine grundsätzliche Frage: ist es gerechtfertigt, soundso viel Geld für etwas oder jemanden auszugeben? Ganz sicher braucht es nicht eine solche Dimension, um einen Menschen von einem Fußballverein in den anderen zu verschieben. Mal ganz abgesehen davon, dass das moderner Sklavenhandel ist. Es gilt ja nur noch der Markenname dieses Spielers. Lassen Sie ihn nur mal ein schlechtes Jahr haben und der Verein spielt nichts ein. Da gibt es kein Zurückgeben. Was macht das mit dem Fußballer? Und die andere Seite ist: Was macht das mit den Menschen, die Fußball lieben? Ich kenne Menschen, die wirklich das ganze Jahr sparen, um sich die Jahreskarte bei ihrem Verein leisten zu können. Und dann erleben sie, dass Menschen für solche Millionenbeträge eingekauft werden. Da sagen sie: Leute, das ist nur ein Mensch und kein Gott.

domradio.de: Fans des FC Barcelona haben Neymar auch als "Söldner" beschimpft. Geben Sie ihnen recht?

Sr. Katharina: Normalerweise sollte es doch so laufen: man geht Fußball spielen, weil man Spaß hat. Irgendwann stellt man fest, dieser eine Junge hat mehr Talent. Dann wird er für einen größeren Verein spielen, entwickelt sich und bleibt diesem Verein treu. Das aber ist eine Illusion, die schon lange nicht mehr gilt. Schnell werden Spielervermittler angestellt, die auch daran interessiert sind zu schauen, wo kann er selbst und der Verein gut Geld mit dem Spieler machen. Es sollte eigentlich Sport sein, aber es ist nur noch ein Geschäft. Und das ist so schade!

domradio.de: Neymar ist, wie viele andere brasilianische Fußballspieler, in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen und verdient jetzt Hunderte Millionen Euro nach diesem Transfer. Haben Sie Verständnis dafür, dass er jetzt das große Geld verdienen will?

Sr. Katharina: Solche Summen haben ja nichts mit Not lindern zu tun. Mit einer halben Million hätte er ein Leben lang ausgesorgt. Wir wissen, dass viele sehr gut verdienende Fußballer ein hohes soziales Engagement haben, was häufig gar nicht an die große Glocke gehängt wird. Aber ich glaube, dass diese Riesensummen nicht mehr der Realität des Lebens entspricht.

domradio.de: Was halten Sie davon, wenn bei solchen Transfers ein Teil der Summe für einen sozialen Zweck eingesetzt werden müssten?

Sr. Katharina: Das wäre zu begrüßen! Aber wenn wir bedenken, dass Fußball eine so große wirtschaftliche Macht hat, dann glaube ich nicht, dass da noch irgendjemand es schaffen würde zu sagen, wir geben zehn Prozent an soziale Projekte. Ich glaube, da lächeln sie drüber.

domradio.de: Können Sie unter diesen Umständen überhaupt noch Fußball schauen?

Sr. Katharina: Vom Vereinsfußball habe ich mich langsam, aber sicher, abgewandt. Es macht mir keinen Spaß mehr, wenn ich bei Mannschaften sehe, dass es überhaupt keine Leute mehr aus der Gegend oder der Stadt sind, dass es kaum noch Leute aus dem Verein sind, die dort spielen. Nur wer möglichst geschickt ein- und verkauft hat, hat eine Chance. Spiele mit der Nationalmannschaft machen mir immer noch Spaß, weil ich da die Hoffnung habe, dass da die Preise und Werte noch stimmen.

Das Interview führte Birgitt Schippers

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