KAB begrüßt Gerichtsentscheidung zu Sonntagsöffnungen
Streit um verkaufsoffene Sonntage

16.06.2017

KAB will weiter für Schutz der Sonn- und Feiertage kämpfen "Gesellschaft braucht einen Tag der Entschleunigung"

Retten verkaufsoffene Sonntage den Einzelhandel in den Innenstädten oder zerstören sie soziale, kulturelle und religiöse Strukturen? Die "Allianz für den freien Sonntag" kämpft gegen weitere verkaufsoffene Feiertage. 

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) würde an einem vom Handel angestrebten Runden Tisch über Ladenöffnungszeiten teilnehmen. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) betonte Bundesvorstandsmitglied Peter Niedergesäss am Freitag in Stuttgart, es dürfe aber nicht das Ziel der Veranstaltung sein, die Berliner Regelung zum bundesweiten Modellprojekt erklären zu wollen.

Für die Ausgestaltung der entsprechenden Vorgaben sind die Länder zuständig. Die strengsten Vorschriften hat Baden-Württemberg. Dort sind im Jahr an drei Sonn- und Feiertagen anlassbezogen Öffnungen möglich. Die liberalste Regelung hat Berlin, wo zehn Ausnahmen möglich sind.

Gewinn- und Konsuminteressen reichen nicht

Niedergesäss betonte, dass die Berliner Regelung nicht zum bundesweiten Modellprojekt erklärt werden dürfe. Die Gerichte hätten ferner eindeutig entschieden, Gewinninteressen der Unternehmen und Konsuminteressen der Bürger sind kein ausreichender Sachgrund für Sonntagsöffnungen die Gerichte hätten entschieden, Gewinn- und Konsuminteressen seien kein Grund für Sonntagsöffnungen. Der Vertreter der KAB, die bundesweit an rund 100 "Allianzen für den freien Sonntag" beteiligt ist, erklärte, von einer Freigabe würden nur Konzerne profitieren, die bereits jetzt online-Handel betrieben.

Familienbetriebe wären die Verlierer. Es seien aber deren Geschäfte, die die Innenstädte belebten.

Es braucht einen Tag der Entschleunigung

Mit Blick auf einbrechende Umsätze des Einzelhandels forderte Niedergesäss, die Innenstädte müssten durch mehr Service und bessere Beratung überzeugen. Nach einer Umfrage lehnten 87 Prozent der Bevölkerung Öffnungen an Sonn- und Feiertagen ab. Bei einer weiteren Liberalisierung "gäbe es bald überhaupt keine gemeinsame Freizeit mehr". Die Zeche solcher Mehrfachbelastung zahlen meist Frauen. Die gesamte Gesellschaft brauche aber "einen Tag der Entschleunigung, der frei ist von wirtschaftlichen Zwängen".

Von seiner Kirche erhofft sich Niedergesäss eine größere finanzielle Förderung der Sonntags-Allianzen. Auch die Pfarrer vor Ort müssten besser informiert werden, damit sie im Vorfeld von Entscheidungen nicht nur mit dem Schutz von Gottesdienstzeiten argumentierten.

(KNA)

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