Nach dem Anschlag von Nizza: Eine Notfallseelsorgerin beim Trauergottesdienst für die Opfer
Nach dem Anschlag von Nizza: Eine Notfallseelsorgerin beim Trauergottesdienst für die Opfer
Notfallseelsorger im Gespräch mit Flutopfer
Notfallseelsorger im Gespräch mit Flutopfer

29.03.2017

Notfallseelsorger über Hilfen nach belastenden Erlebnissen "Mich immer selbst im Gepäck"

Wer eine schlimme Nachricht hört oder übermitteln muss, kann verzweifeln. Ein Seelsorger-Kongress in Hannover diskutiert nun, wie die Widerstandskraft von Betroffenen und Seelsorgern gestärkt werden kann.

Viele Stunden kämpften Rettungskräfte und Ärzte um das Leben der Frau. Nach einem Herzinfarkt gelang es zunächst, sie wiederzubeleben. Dann brachte sie der Rettungswagen ins Krankenhaus. Ihr Mann wartete vor der Intensivstation, bis eine Schwester mit der traurigen Nachricht kam: Sie ist gestorben.

Notfallseelsorger Jürgen Harms sorgte dafür, dass der Bestatter die Tote nicht gleich mitnahm, sondern zunächst wieder nach Hause und in ihr eigenes Bett brachte. So konnte sich ihr Mann verabschieden. "Es war wichtig, Normalität zu schaffen, damit sich der Mann nicht hilflos und ausgeliefert fühlte", sagt der Pastor.

Wie Widerstandskraft stärken?

Von Donnerstag an wollen rund 550 Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Polizei, Feuerwehr und Notfallseelsorger bei einem Bundeskongress in Hannover darüber diskutieren, was die seelische Widerstandskraft von Menschen in belastenden Lebenslagen, die Resilienz, stärken kann. Wie der Hamelner Pastor Harms haben viele von ihnen Erfahrungen damit, was Angehörige, Unfallopfer oder die Retter brauchen, um zu besser bewältigen zu können, was eigentlich kaum auszuhalten ist.

Der von der evangelischen Landeskirche Hannovers und dem katholischen Bistum Hildesheim organisierte Kongress erörtert, wie etwa Sport, Musik oder ein Netz von Familie und Freunden helfen können. Forscher und Psychotherapeuten stellen Studien vor. Dabei geht es etwa darum, wie Resilienz gefördert werden kann und wo dabei falsche Erwartungen geweckt werden.

Supervision ist Regel

Ein Rezept oder gar ein Fitnesscenter für seelische Gesundheit gebe es nämlich nicht, betont der Beauftragte für Notfallseelsorge der hannoverschen Landeskirche, Joachim Wittchen. Was zurückbleibt, wenn etwa Angehörige eine Todesnachricht erhalten oder Helfer diese Schreckensbotschaft überbringen müssen, sei ganz individuell und von der Lebenssituation abhängig. Ein Helfer sei bereits stärker belastet, wenn er gerade selbst eine nahestehenden Menschen verloren habe oder ihn Schulden drückten. "Ich habe mich immer selbst im Gepäck."

Strategien böten keine Gewähr, vor Traumatisierung geschützt zu sein. Sie seien dennoch wichtig, ergänzt der leitende katholische Notfallseelsorger im Bistum Hildesheim, Matthias Gottschlich. "Wir können in einer Krise nicht auf etwas zurückgreifen, was wir nicht schon angelegt haben." So seien bei den professionellen Helfern Einsatznachgespräche und Supervision inzwischen zur Regel geworden.

Rituale stärken

Die Expertin vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn, Jutta Helmerichs, warnt jedoch davor, allein dem Einzelnen die Verantwortung für seine psychische Gesundheit zuzuweisen. Resilienz sei auch zu einem Modebegriff geworden. "Das verstellt den Blick auf gesellschaftliche Missstände." Bei den Rettungsdiensten müssten etwa auch Vorgesetze, Einsatzleiter und äußere Rahmenbedingungen wie die Ausstattung oder Personalauswahl in den Blick genommen werden.

"Den einen psychischen Schutzpanzer gibt es nicht", sagt Helmerichs. "Aber es gibt viele Schutzfaktoren, die man stärken kann." Für Einsatzkräfte gehörten dazu Rituale nach dem Einsatz, etwa dass alle zusammenkommen, das Geschehen auswerten, gemeinsam essen. Auch Menschen, die völlig unvorbereitet mit einem Unglück konfrontiert werden, brächten Ressourcen mit, die es dann zu stärken gelte, erläutert die Leiterin der Koordinierungsstelle Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe im Bundesamt, die deutsche Staatsbürger nach schweren Unglücksfällen, Terroranschlägen und Katastrophen im Ausland unterstützt.

Wo liegen verborgene Kräfte?

Wo verborgene Kräfte liegen und wer zu Hilfe kommen kann, versucht auch Notfallseelsorger Jürgen Harms aufzuspüren, wenn er jemandem gemeinsam mit einem Polizisten eine Todesnachricht überbringen muss. Er nimmt sich dann oft viel Zeit. Ein vorschnell ausgesprochener Trost, hilft nicht, hat der 65-Jährige erfahren. "Die Menschen sind nicht ansprechbar auf Trost, nur auf Nähe."

Karen Miether
(epd)

Live: Domwallfahrt 2018

DOMRADIO.DE überträgt die Höhepunkte der Domwallfahrt live im Web-TV.

Sonderseite zur DBK-Vollversammlung

Die deutschen Bischöfen treffen sich ab Montag in Fulda: Themen sind u.a. die neue Missbrauchsstudie und der Weltjugendtag in Panama.

Live: Vollversammlung der Bischofskonferenz

Gottesdienste und Pressekonferenzen im Live-Stream!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Aktuell: Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

DOMRADIO in Berlin und Brandenburg

Ab sofort auf DAB+ auch in Berlin und Brandenburg: Das Kölner DOMRADIO!

Mit Willibert in die Heilige Stadt

Im November 2019 ist es soweit: Erkunden Sie das ehrwürdige Rom auf dieser Pilgereise mit dem Rom-Kenner Willibert Pauels, Karnevalsfreunden und DOMRADIO.DE Besuchern auch bekannt als "ne Bergische Jung"!

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

  • Tageskalender
  • 26.09.
06:00 - 06:30 Uhr

DOMRADIO Morgenimpuls

06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO Der Morgen

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Heutiges Evangelium:
In dieser Woche zu Gast:
In dieser Woche zu Gast:

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Programmtipps

  • Dom zu Fulda: Hier finden die Gottesdienste der Vollversammlung statt
    26.09.2018 07:30
    Gottesdienst

    Herbst-Vollversammlung der Deu...

  • Lukasevangelium
    26.09.2018 07:50
    Evangelium

    Lk 9,1–6

  • Papst Paul VI. und Patriarchen Athenagoras I. hoben Exommunikationen auf
    26.09.2018 09:10
    Anno Domini

    Papst Paul VI.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…

Empfangsanleitung zum Ausdrucken

Gemeinsam für das Mehr im Menschen

Berufungspastoral im Erzbistum Köln: Dein Platz in Kirche und Welt.

Das ganze Leben

Hilfsangebote der Kirche im Erzbistum Köln.

Der tägliche Impuls von Weihbischof Puff

Weihbischof Schwaderlapp beantwortet Glaubensfragen