Missbrauch in der Kirche: Seit Jahren Forschungsgegenstand
Junge träumt am Fenster
Magnus Striet
Magnus Striet

09.03.2017

Theologe analysiert Missbrauchsfälle Verschwiegenheit im System

Missbrauch in der Kirche ist nach Ansicht des Freiburger Theologen Magnus Striet durch eine "Verschwiegenheit im System" begünstigt worden. Opfer des Missbrauchs seien oft Kinder und Jugendliche "mit kirchlicher Milieuprägung".

"Ein sakralisiertes Amtsverständnis hat eine Verschwiegenheit im System ausbilden lassen, die Missbrauch massiv begünstigt hat", sagte Striet dem Internetportal katholisch.de in Bonn.

Amt und Vertrauen

"Auf Kinder und Jugendliche haben Missbrauchstäter aus dem Klerus einen Zugriff bekommen, weil das Amt und die Figur des Priesters so hochstilisiert und gleichzeitig mit Vertrauen ausgestattet wurden, dass gar nicht erst der Verdacht aufkam, dass hinter der Kontaktaufnahme zu Kindern etwas ganz anders stecken könnte", so Striet. In früheren Zeiten seien viele Menschen gar nicht auf die Idee gekommen, "dass Priestersexualität in Kontexten wie Katechese, Internat oder auch Jugendarbeit eine Rolle spielen könnte".

Wegen einer Tabuisierung des Themas habe "man aber gerade den Raum geschaffen, in dem Priester sexuelle Bedürfnisse auf diese schreckliche Weise ausleben konnten", sagte der Theologe: "Heute sind alle Bischöfe und die Verantwortlichen in den Diözesen zumindest hierzulande mit Präventionsmaßnahmen befasst, damit Missbrauch nach Möglichkeit verhindert wird."

"Tabuisierung noch nicht beendet"

Eine Tabuisierung des Themas Sexualität im Bereich der Kirche sei noch lange nicht beendet, "jedenfalls auf der Ebene ihrer Leitung", kritisierte Striet weiter: "Und man scheint auch nicht bereit zu sein, unter dem Vorzeichen des Missbrauchsskandals über das Amts- und Kirchenverständnis auch nur nachzudenken."

Striet äußerte sich auch zur Aufgabe der Theologie angesichts der Aufklärung von Missbrauchsfällen. "Die Theologie hat keine eigenen methodischen Zugänge, wenn es um die psychiatrische Analyse von Opfern und Tätern geht." Aber sie könne "auf ihre eigene Geschichte schauen und nachprüfen, ob es Theologiekonzepte gibt, die begünstigt haben, dass aus Christen - und wir reden vor allem von Amtsträgern - Täter wurden und werden".

Sein Eindruck sei, dass sich die Moraltheologie um das Thema kümmere. Insgesamt könne die Theologie "historisch aufklären und so zum Verstehen beitragen, unter welchen historischen Bedingungen bestimmte theologische Vorstellungen entstanden sind", erklärte Striet.

(KNA)

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