Blutersatz aus Wattwürmern?
Blutersatz aus Wattwürmern?

02.02.2017

Dokumentation über Alternativen bei ausbleibenden Blutspenden Der Wattwurm als Lebensretter

Not macht erfinderisch. Weil Blutspenden inzwischen oft Mangelware und lebensrettende Transfusionen längst keine Selbstverständlichkeit mehr sind, suchen Wissenschaftler fieberhaft nach Alternativen – auch im Wattenmeer.

Blut ist ein kostbarer menschlicher Lebenssaft und eigentlich keine Ware. Es sollte nur verschenkt oder gegen einen Gesundheitscheck und eine kleine Aufwandsentschädigung gespendet werden. Soweit die Theorie. Doch in vielen Kliniken sind Blutkonserven zu einem knappen Gut geworden. Geschäftemacherei, Verschwendung und verseuchte Konserven brachten das System in Verruf und schreckten potenzielle Spender ab. Um den zukünftigen Bedarf zu decken, experimentieren Forscher deshalb inzwischen mit Wattwürmern und Stammzellen, wie Carsten Binsack in der Dokumentation "Mangelware Blut" zeigt, die 3sat an diesem Donnerstag um 20.15 Uhr ausstrahlt.

Drohender Blutmangel

Der renommierte Dokumentarfilmer Carsten Binsack, Autor zahlreicher preisgekrönter Wissenschaftsfilme zu einem großen Themenspektrum von Autoimmunerkrankungen bis zur Volkswagen-Story, erkundigte sich in deutschen und europäischen Universitätsstädten nach dem aktuellen Stand der Forschung. Der Transfusionsmediziner Andreas Greinacher von der Universität Greifswald kommentiert die einzelnen Ansätze und zeigt, dass besonders ältere und chronisch kranke Patienten von dem drohenden Blutmangel betroffen sind.

Blutkonserven werden heute so gründlich überwacht und kontrolliert, dass nur noch 100 von 4,5 Millionen HIV-verseucht seien, erklärt Rainer Seitz, Leiter der Abteilung Hämoglobine im Paul-Ehrlich-Institut in Langen, wo die Testverfahren durchgeführt werden. Das Hauptproblem liege jedoch bei den frischen Konserven, weil oft erst nach mehreren Wochen eine Kontaminierung festgestellt werden könnte. Neue Forschungen zeigten zudem, dass Transfusionen nicht unbegrenzt gegeben werden sollten, so der Anästhesist Donat Spam vom Universitätsspital Zürich. Jede Transfusion ähnele einer kleinen Transplantation, bei der ein fremder Stoff in den Körper eingepflanzt werde.

Blutersatz aus Wattwürmern?

Die interessantesten neuen Forschungsverfahren zur Blutherstellung kommen aus der Schweiz, Frankreich, England und Deutschland. In Zürich führen Mediziner ein neues effizientes "Patient Blood Management" ein, mit dem die Anzahl der benötigten Blutkonserven auf die Hälfte gesenkt werden konnte.

In der Bretagne erproben Forscher wie Franck Zal völlig neue Ansätze: Mit seiner Idee, einen Blutersatz aus Wattwürmern zu gewinnen, sorgte der Biologe weltweit für Aufsehen. Das Hämoglobin der Wattwürmer ähnele zu 95 Prozent dem des Menschen, berichtet der Autor. Es schwimme frei im Blut und müsse nicht erst in aufwendigen Verfahren gewonnen werden. Auch hätten die bisherigen Tests an Tieren keine Abstoßungsreaktionen gezeigt.

Blut aus Stammzellen

Forscher in England und Deutschland versuchen inzwischen, Blut aus Stammzellen zu erzeugen oder das Lebenselixier komplett künstlich herzustellen. In Dresden arbeitet Torsten Tonn, Stammzellforscher und Transfusionsmediziner an der Technischen Universität, an der Neuzüchtung reifer roter Blutzellen aus Knochenmark. Doch noch sei der Aufwand immens, demonstriert er in seinem Labor.

Auch in England wird an der Herstellung roter Blutkörperchen geforscht. David Anstee, Stammzellforscher an einer der größten Blutbanken des Landes in Bristol, arbeitet an einer Substanz, die für alle Blutgruppen geeignet sein soll. Die Ergebnisse seien so vielversprechend, dass sie in Kürze schon an Menschen getestet werden könnten. Dennoch, so fassen die Beteiligten am Schluss zusammen, bleibe offen, ob es je einen Stoff geben werde, der das Blut ersetzen könne.

Die Dokumentation zeigt auf, wo die Risiken liegen. Sie warnt zugleich davor, verschwenderisch mit den vorhandenen Blutkonserven umzugehen. Gerne hätte man noch mehr darüber erfahren, ob die Spender auch in Zukunft bereit sein werden, ihr Blut freiwillig gegen eine kleine Entschädigung zu spenden. Denn wenn Blut zur Ware wird – in diesem Fall zur Mangelware, wie der Titel behauptet – steht auch zu befürchten, dass das Blut in Zukunft an die Meistbietenden verkauft wird.

Heide-Marie Göbbel
(KNA)

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