Autonomes Fahren: Computer steuert Auto
Autonomes Fahren: Computer steuert Auto
Scheidet aus: Weihbischof Anton Losinger
Weihbischof Anton Losinger

04.10.2016

Weihbischof Dr. Anton Losinger über "Autonomes Fahren" Wer trägt die Verantwortung?

Der Augsburger Weihbischof Dr. Anton Losinger gehört zur Ethikkommission "Automatisiertes und Vernetztes Fahren". Mit ihm hat domradio.de über die Chancen und Risiken von Computer gesteuertem Autofahren gesprochen.

domradio.de:  Herr Weibischof, warum sind Sie als Theologe in dieser Kommission?

Weihbischof Dr. Anton Losinger (ehemaliges Mitglied des Deutschen Ethikrates): Die Frage des Autofahrens und die Frage der Verantwortung, die ein Fahrer im Auto hat, ist durchaus eine ethische Fragestellung. Und deswegen ist es durchaus nicht falsch, einen Ethiker, einen Theologen mit hineinzunehmen. Ich habe diese Aufgabe gerne wahrgenommen, weil ich zum Beispiel im Deutschen Ethikrat lange Jahre war und auch im Senat der Max-Planck-Gesellschaft. Themen wie Autonome Programmierung und Digitalisierung sind mir also nicht fremd.

domradio.de: Wie steht es denn ethisch um selbstfahrende Autos?

Losinger: Zunächst einmal ist es der Mensch, der autonom Auto fährt. Der Fahrer ist verantwortlich für das, was mit seinem Fahrzeug geschieht. Er trägt auch die Verantwortung, wenn er Fehler macht und einen Unfall generiert. Wir sehen seit langem, dass digitale Systeme, Computer, viele Dinge im Auto abnehmen. Das beginnt mit einer ABS-Bremsanlage bis hin zu teilautonomen Steuerungen, wo uns Autofahrer der Computer hilft. Wichtig ist erst einmal zu sehen, dass technische Systeme als Hilfe gemeint sind und nicht als eine Übernahme der Macht über den Menschen.

domradio.de: Wir reden als nicht von Autos, die komplett ohne den Menschen gesteuert werden, also wo ich mich hinten reinsetze, Augsburg eingebe, und dann fährt das Auto los …

Losinger:  Das Ziel ist tatsächlich das autonome Fahren, wo das Auto komplett von einem programmierten, intelligenten System gesteuert wird. Wir haben den zurückliegenden Fall, wo ein TESLA-Modell mit autonomer Steuerung einen Fehler gemacht hat, weshalb bei manchen Menschen gewisse Ängste im Hinterkopf sind.

domradio.de: Wenn der Autofahrcomputer einen Fehler macht – wer ist dann verantwortlich?

Losinger: Die Frage der Verantwortung ist sehr entscheidend. Trägt die Verantwortung der Autobesitzer oder das Unternehmen, das ein solches Auto auf den Markt bringt? Trägst sie der Programmierer, der ein solches System hergestellt hat? Wie muss Verantwortung und wie muss eventuell Haftung geregelt werden? Das ist eine klare Sache. Aber eines muss uns auch klar sein: Überall dort, wo digitale unterstützende Systeme im Auto dem Menschen zu Hilfe kommen, ist es so, dass in der Regel der Computer bedeutend weniger Fehler macht als der Mensch. Das ist heute im modernen Straßenverkehr in aller Nüchternheit zu sehen: Der eigentliche Problemfaktor ist der Mensch. Menschliche Fehler sind gerade bei schweren Unfällen die häufigste Ursache.  

domradio.de: Was sind die Aufgaben der frisch gegründeten Ethikkommission?

Losinger:  Was ich Ihnen jetzt erzählt habe, ist, was ich mir als Mitglied der Kommission erarbeitet habe. Die Kommission spricht erst einmal für sich. Es wird in absehbarer Zeit eine Agenda in der Ethikkommission entwickelt werden, wo wir gemeinsam ein Programm zurechtlegen, welche einzelnen Fragepunkte wir abarbeiten werden. Dazu gehört, ohne jemanden vorzugreifen, dass wir einen Faktenstand erheben, was bisher möglich ist und in welche Richtung die Technik geht. Dann werden wir uns auch mit den sogenannten Dilemmasituationen beschäftigen. Also, wie würde sich ein programmiertes System verhalten, wenn es zum Beispiel einem Schulbus und einem Rentner auf dem Zebrastreifen begegnet, und ein Halten nicht mehr möglich ist. Wir müssen aber auch sehen, dass solche konstruierten Dilemmasituationen so gut wie überhaupt nicht vorkommen. Das Wichtige ist, wie ein Verkehr vernünftig und sicher geregelt werden kann, sodass er mit einer digitalen programmierten Unterstützung besser funktioniert als heute.  

Das Interview führte Silvia Ochlast

(DR)

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