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Zuwanderung: ein Thema für Ethiker
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Fairer Handel: auch das ist ein Thema für die Ethiker-Gesellschaft

21.08.2016

Ethiker-Gesellschaft hat in Bad Boll getagt Und die Moral von der Geschicht

Gesellschaften wirken immer unübersichtlicher, die Zahl der Baustellen wird größer. Welche Rolle spielen dabei Ethiker? In Bad Boll hat bis zum heutigen Sonntag ein Zusammenschluss aus dieser Forschergruppe getagt.

"Wir müssen realisieren, dass wir keine Rolle spielen", sagte Hille Haker. Die Präsidentin der Philosophen- und Theologenvereinigung Societas Ethica geht davon aus, dass die Arbeit von Ethikern "in der unmittelbaren öffentlichen Wahrnehmung gegen Null geht". Die Frage, ob und wie das geändert werden kann, gehört zu den Themen, mit denen sich rund 80 Wissenschaftler der Vereinigung bei ihrer Jahrestagung in Bad Boll beschäftigt haben, die am heutigen Sonntag zu Ende geht.

Ethik, so Haker weiter, sei oft zur rhetorischen Floskel verkommen oder werde als "das ganz andere von Politik wahrgenommen". Zunehmend empfinde sie es als schwierig, mit den Erkenntnissen über Moral "gegen die politischen Rattenfänger und Tageszwänge" anzukämpfen.

Oft unterschätzt oder falsch verstanden

Wissenschaftliche Ergebnisse würden in den öffentlichen Debatten bewusst oder unbewusst oft als nur "weitere private Meinungsäußerung im Wertepluralismus einer Gesellschaft" missverstanden, so die Hochschullehrerin aus Chicago. Haker wünscht sich deshalb "neue Formen der Öffentlichkeit", etwa Blogs oder Kooperationen mit Medienschaffenden wie etwa Dokumentationsproduzenten.

Dabei sind die Themenfelder, die an der württembergischen evangelischen Akademie verhandelt wurden, sowohl hochpolitisch als auch breit gestreut: Es ging um irreguläre Zuwanderung in einer globalisierten Welt und ethische Probleme der weltweiten Ökonomie, um die Folgen von Kolonialisierung und den Schutz geistigen Eigentums, um moralische Fragen bei der Bekämpfung der Ebola-Krise und die Fairness des Fairen Handels, um ethische Ansätze von Albert Schweitzer und Immanuel Kant oder die Krise der Europäischen Union. Und, und, und.

Ethik in Europa

Die Societas Ethica ist eine "Europäische Gesellschaft für ethische Forschung". Gegründet hatte sie 1964 der evangelische Schweizer Theologe Hendrik von Oyen in Basel. Heute gehören der Gesellschaft 270 Moralphilosophen und Moraltheologen aus mehr als 35 Staaten an. Ging es in den Anfangsjahren um das Gespräch zwischen katholischen und protestantischen Theologen, spielen nun moralphilosophische Fragen jenseits konfessioneller Schranken die entscheidende Rolle.

Die Gesellschaft organisiert vor allem den Austausch zwischen unterschiedlichen philosophischen und theologischen Ansätzen und versteht sich als wissenschaftliches Netzwerk "über politische, ideologische und religiöse Grenzen hinweg". Die wichtigste Veranstaltung des Zusammenschlusses ist die jährliche Konferenz.

Ethik in Gefahr?

Die Ethiker müssen nach Hakers Einschätzung daran festhalten, "ordentlich ihre wissenschaftliche Arbeit zu machen und Fragen in Ruhe zu klären". Was fehlt, sind aus ihrer Sicht Brückenschläge: zwischen Gesellschaft und Kultur, zwischen Politik und Wissenschaft.

Der Münchner Ethiker Arne Manzeschke, in der Societas Ethica Hakers Stellvertreter, sieht für seine Berufsgruppe ein "immer weiter explodierendes Portfolio an Themen". So habe sich Ethik und die fast inflationäre Zahl an entsprechenden Kommissionen etwa in Krankenhäusern als "säkulares Siegel für das entwickelt, was früher die Kirchen geleistet haben". Groß sei die Gefahr, dass Ethik missbraucht werde. Persönlich, politisch, institutionell. "Nicht immer ist Ethik drin, wo sie draufsteht."

Wenn aus Moral Rassismus wird

Gesamtgesellschaftlich registriert Manzeschke zunehmende "moralische Unstimmigkeiten", die bei vielen Menschen zu Verdruss führten, zur Resignation gegenüber «denen da oben». Institutionen wie beispielsweise der ADAC oder die Fifa hätten sich "moralisch desavouiert", auch das Vertrauen in die Politik schwinde zunehmend.

"Es gibt keine Erwartungen mehr an eine öffentliche Moral. Das Niveau ist abgesunken." Ergebnis: "Moral kippt in Moralisierung über und feiert als Rassismus fröhliche Urstände." Wie bei Donald Trump in den USA, wie bei Victor Orban oder Marine Le Pen in Europa. Solche Prozesse hält Manzeschke für extrem gefährlich: "Gerade Ethik und Moral brauchen die Demokratie." Wenn die funktioniert, können auch Moral und Ethik wieder eine wichtige Rolle spielen.

Michael Jacquemain
(KNA)

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