01.02.2016

Hilfsorganisationen stellen Forderungen vor Syrien-Geberkonferenz "Den Betroffenen eine Stimme geben"

Vor der Syrien-Geberkonferenz am Donnerstag in London fordern rund 100 deutsche und internationale Hilfsorganisationen verbindliche Vereinbarungen. Sie sollen das Leid der Menschen in Syrien und den Nachbarländern zumindest lindern. 

Zu den am Montag vom Bündnis Aktion Deutschland Hilft vorgestellten Forderungen gehören unter anderem die Einhaltung des internationalen Völkerrechts, der sichere Zugang zu Hilfsmaßnahmen für alle Betroffenen und sicherere Arbeitsbedingungen für lokale und internationale Helfer.

Eine politische Lösung für Syrien scheine nicht in Sicht zu sein, betonte Manuela Roßbach, Geschäftsführerin von Aktion Deutschland hilft: "Männer, Frauen und Kinder sind nach fünf Jahren Krieg, Gräueltaten, Vertreibung und Flucht gezeichnet. Die Besinnung auf und Einhaltung von verbindlichen humanitären Vereinbarungen und deren Umsetzung ist jetzt das wichtigste und vielleicht das einzige Mittel, um den Menschen grundlegend und perspektivisch helfen zu können."

Forderung: Keine Angriffe auf Zivilisten

Im Hinblick auf die Geberkonferenz in Syrien fordern die Hilfsorganisationen daher, gemäß internationalem Völkerrecht alle Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen zu beenden. Außerdem dürften nicht länger Essensvorräte bei der Einfuhr kontrolliert oder gar zerstört oder Preise künstlich in die Höhe getrieben werden. Allen Helfern müsse es darüber hinaus ermöglicht werden, die Menschen in Not zu erreichen, ohne ihr eigenes Leben zu gefährden, in Gefangenschaft oder zwischen die Fronten zu geraten.

Auf Einladung Deutschlands, Großbritanniens, Norwegens, Kuwaits und der Vereinten Nationen kommen am Donnerstag in London mehr als 70 Regierungsvertreter zusammen, darunter Kanzlerin Angela Merkel. Ziel sind vor allem weitere Hilfen für die Syrer. Neben finanziellen Hilfszusagen will man auch auf politischer Ebene Zukunftsperspektiven für Flüchtlinge in der Region schaffen, etwa durch Bildung und einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt.

Aufruf unter #supportsyrians

Und auch an die Weltgemeinschaft richten sich die internationalen Organisationen: Unter #supportsyrians rufen sie die Öffentlichkeit auf, die betroffenen Männer, Frauen und Kinder in und außerhalb von Syrien nicht zu vergessen und ihnen eine Stimme zu geben, um das Leid zu beenden.

Die Aktion Deutschland hilft ist ein Zusammenschluss von insgesamt 24 Hilfsorganisationen. Dazu gehören etwa der Malteser Hilfsdienst, die Johanniter, CARE, Help - Hilfe zur Selbsthilfe, Islamic Relief, World Vision, Handicap International und arche noVa.

Oxfam: Reiche Länder tun zu wenig

Die Hilfsorganisation Oxfam veröffentlichte in Berlin einen Bericht zu den bisherigen Hilfszusagen der einzelnen Staaten. Demnach reichen die zur Verfügung gestellten Gelder und Aufnahmeplätze für Geflüchtete bei weitem nicht aus, um der wachsenden Not in Syrien, Libanon und Jordanien zu begegnen.  

Laut Oxfam wurden die Hilfsaufrufe der Vereinten Nationen von insgesamt 8,9 Milliarden Dollar für Syrien und dessen Nachbarländer im vergangenen Jahr nur etwa zur Hälfte gedeckt. Reiche Geberstaaten wie Katar, Saudi-Arabien und die USA hätten finanziell nur einen Bruchteil dessen beigetragen, was ihrer wirtschaftlichen Leistungskraft entspricht, beklagte Oxfam. Zu den Ausnahmen gehörten Deutschland, Norwegen und Kuwait.

Sichere und legale Einreisewege

Kleinere Länder wie Jordanien und Libanon hätten dagegen etwa das 60-fache dessen geleistet, was ihrer wirtschaftlichen Leistungskraft angemessen wäre. Dies übersteige die Hilfsbereitschaft der USA, Frankreichs oder auch Deutschlands bei weitem, erklärte Oxfam.

Von den europäischen Regierungen forderte die Hilfsorganisation, sichere und legale Einreisewege für Flüchtlinge zu schaffen. "Viel zu viele Menschen sind bereits auf der gefährlichen Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen oder werden auf dem Landweg Opfer von Gewalt und Ausbeutung", mahnte Oxfam-Syrien-Exptere Robert Lindner.

Zudem sollten syrische Flüchtlinge, die in Nachbarländern wie Jordanien und Libanon bleiben möchten, die Möglichkeit erhalten, selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen und ausreichenden Zugang zu Arbeit, Bildung und Gesundheitsfürsorge erhalten.

(KNA)

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