EU-Parlament Brüssel
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Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß
Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß
Alcide De Gasperi
Alcide De Gasperi
Robert-Schuman-Kaserne
Robert-Schuman-Kaserne

16.01.2016

Für ein vereintes Europa: Schuman, de Gasperi, Adenauer Drei Männer - ein Ziel

Für zwei läuft ein Seligsprechungsverfahren; der dritte war schon zeitlebens für politische Wunder gut. Das vereinte Europa, dessen geistige Kraft derzeit gefragt ist, ruht auf den Schultern von Männern christlicher Überzeugung.

Erst die Finanzkrise, nun die Flüchtlingskrise haben das so glorreich vereinte Nachkriegseuropa viel zu schnell an eine neuerliche Zerreißprobe gebracht. Ist es wirklich schon wieder Zeit für geschichtsvergessene Friedensmüdigkeit, wie sie Europa 1914 und 1939 zweimal in den Abgrund trieb?

Europa eine Seele zu geben, war in besseren Nachwendezeiten die Forderung jener, die sich mit einer Europäischen Union als bloßer Wirtschafts- und Zweckgemeinschaft nicht abfinden wollten. Nur wenige Europäer sind sich in diesen Tagen bröckelnder Solidarität noch bewusst, dass die Existenz des Friedensnobelpreisträgers EU vor allem auf die Weitsicht christlich geprägter Politiker zurückgeht.

Vision eines vereinten Europa

Vor allem drei Männer sind zu nennen, wenn es um die Vision eines vereinten Europa geht: der Italiener Alcide de Gasperi (1881-1954), der Deutsche Konrad Adenauer (1876-1967) und der Franzose Robert Schuman (1886-1963). Letzterem verlieh das EU-Parlament sogar den Ehrentitel "Vater Europas".

Bereits in den 1920er Jahren, noch vor der traumatischen Erfahrung von Faschismus und Krieg, knüpften Adenauer, de Gasperi und Schuman mit christlich-demokratisch gesinnten Politikern aus ganz Europa ein Netz von Kontakten. Diese Beziehungen sollten nach 1945 zur Keimzelle der europäischen Einigung werden.

Politische Karrieren

Doch zunächst schlugen die drei zwischen den Weltkriegen wechselvolle politische Karrieren ein - die freilich in der Vogelschau durchaus Ähnlichkeiten aufweisen. Alle drei stammen aus politisch hin- und hergerissenen Grenzregionen: Adenauer aus dem Rheinland mit seinen separatistischen Tendenzen und französischer Besatzungsgeschichte.

Der gebürtige Luxemburger Schuman, der sich in Elsass-Lothringen als Grenzgänger zwischen deutschem Heer und französischer Nationalversammlung niederließ. Und De Gasperi, der aus der Region Trient stammte, die als "Welsch-Tirol" zunächst zum Habsburgerreich gehörte und 1920 an Italien kam.

Alle drei wurden Juristen und bekleideten politische Ämter, die sie durch den Faschismus einbüßten. Alle drei gingen ins Gefängnis, in den Widerstand oder in die innere Emigration - bis 1945 ihre Stunde schlug. Als Adenauer, de Gasperi und Schuman nach dem Krieg steile politische Karrieren hinlegten, christdemokratische Parteien gründeten und Regierungen bildeten, kam ihnen ihre kompromisslose Haltung gegenüber den Diktaturen zupass.

Überwindung des Nationalen

Gemeinsam war ihnen die Skepsis gegenüber einer Überhöhung des Nationalen, die Einsicht eines "Nie wieder" sowie eine geschichtliche Interpretation des 20. Jahrhunderts, die sich gleichermaßen gegen Diktatur, Liberalismus und Sozialismus richtete. Das Geschichtsbild eines gleichsam im Christentum geeinten Abendlandes lateinisch-karolingischer Prägung machte es den christlichen Demokraten der "Stunde Null" leichter, die Teilung Europas zu akzeptieren und sich ganz der Westintegration zu widmen.

Schuman, de Gasperi und Adenauer wurden auch als "Europas Heilige Dreifaltigkeit" bezeichnet: Heilige in Straßenanzügen. Zweifellos waren alle drei persönlich fromm. Sie standen für das übernationale Prinzip und für ein christliches Menschenbild - ohne sich in politischen Fragen von der Kirche vereinnahmen zu lassen.

Für de Gasperi und Schuman laufen seit 1993 bzw. 2004 Seligsprechungsprozesse, die allerdings ins Stocken geraten sind.

Ersterem werfen die deutschsprachigen Südtiroler vor, ihre einst versprochenen Minderheitenrechte missachtet zu haben. Zu Schuman heißt es selbst aus Kirchenkreisen, man dürfe lobenswerte politische Visionen nicht mit Heiligmäßigkeit verwechseln. Für Adenauer ist nicht mal ein entsprechender Prozess eingeleitet.

Lob vom Papst

Verwiesen wird auf die harten Bandagen, mit denen der hemdsärmelige rheinische Katholik seine politischen Gegner traktierte - als hätten so kantige Heilige des Mittelalters wie Bernhard von Clairvaux oder Karl der Große das nicht ebenso oder noch viel handfester getan.

Der argentinische Träger des Europäischen Karlspreises 2016, Papst Franziskus, hat sich für beide Seligen in spe verwandt, indem er sie öffentlich als vorbildliche Katholiken in der Politik lobte oder sich semiöffentlich nach dem Stand ihrer Causa erkundigte. Und das deutsche Erzbistum München-Freising unterstützt das französische Partnerbistum Evry-Corbeil, wenn es sich für den Grenzüberwinder Schuman verwendet. Verehrung hat wohl auch viel mit Lobbyarbeit zu tun.

Und ganz am Ende braucht es für eine Seligsprechung auch noch ein Wunder - als wäre das Verdienst dieser "Heiligen Dreifaltigkeit", die vage Vision eines geeinten Europa in politische Realität umgemünzt zu haben, nicht schon Wunder genug.

Alexander Brüggemann
(KNA)

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