Das Ortseingangsschild des Ortes Manheim
Das Ortseingangsschild des Ortes Manheim
Kirche im Tagebaudorf Manheim
Kirche im Tagebaudorf Manheim
Braunkohlebagger
Braunkohlebagger

29.12.2015

Countdown für die Umsiedlung des Braunkohle-Dorfs Manheim läuft Von der Esperantostraße zum Esperantoweg

Über die Kartbahn von Kerpen-Manheim ist schon Michael Schumacher gekurvt, im Standesamt des Dorfes ließ er sich trauen. Diese Berühmtheit nützt dem Braunkohle-Ort aber nichts: Der Countdown für Manheims Umsiedlung läuft.

Eigentlich ist hier seit 1977 alles klar: Manheim muss dem Braunkohletagebau Hambach weichen. Das riesige Erdloch, in dem die größten Schaufelradbagger der Welt jährlich rund 45 Millionen Tonnen Kohle freilegen, wird 2022 auch den Kerpener Ortsteil schlucken - samt Sportplatz und Schützenhalle, Friedhof und Kirche, Jägerring und Esperantostraße. Doch ganz im Sinne dieses ungewöhnlichen Straßennamens herrsche hier Hoffnung statt Wehmut, meint Ortsvorsteherin Lonie Lambertz. Sie sieht ihr Dorf "im Aufbruch".

500 Einwohner sind geblieben

Seit Umsiedlungsbeginn 2012 sind von den einst rund 1.700 Bewohnern noch etwa 500 geblieben. Täglich werden es weniger, wie der Plan im "Umsiedlungsfenster" belegt. Viele der schmucken Bungalows und steinalten Häuser sind verlassen, die Fenster vernagelt, die Vorgärten platt, Gaststätte, Geschäfte und Grundschule geschlossen.

Doch sieben Kilometer östlich wartet die Ersatz-Heimat: Manheim-Neu. "Alles soll möglichst so werden wie in Manheim-Alt", erläutert Lonie Lambertz und weist vom eigens aufgeschütteten Rodelhügel aus auf die nagelneuen Straßen mit den vielen Rohbauten. Die Ein- und Mehrfamilienhäuser - teils mit Mosaiken, Türmchen und Erkern - finanzieren die Bürger von dem Geld, das sie von RWE Power für ihre Eigenheime erhalten. Ebenso wird die Stadt Kerpen für öffentliche Gebäude und ihre weitere Infrastruktur entschädigt.

Friedhofskapelle und Grillhütte in Manheim-Neu sind schon in Betrieb.

Auch ein großes Sport- und Vereinszentrum für das rege Dorfleben wird es geben, berichtet Lonie Lambertz stolz. Der nächste Meilenstein auf dem Weg zur Umsiedlung: "Die Einweihung der Kita im Januar." Dabei bleibt der Kindergarten in Manheim-Alt sogar vorläufig erhalten - auch wegen der vielen Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die jetzt in einigen der leeren Häuser leben. RWE stellt der Stadt Kerpen die betreffenden Immobilien kostenlos zur Verfügung. Bis Ende Januar werden demnach 400 Asylsuchende eingezogen sein und dem sterbenden Ort nochmals Leben einhauchen.

500 Asylsuchende im Dorf

Eine unerwartete Wendung für das Dorf. Und auch für die katholische Gemeinde, die ehrenamtliche Paten für die Übergangs-Neubürger organisiert. "Es ist unsere Aufgabe, die Menschen zu begleiten, wenn sie von ihrem angestammten Ort Abschied nehmen und dann neu ankommen", sagt Pfarrer Ludger Möers und meint damit auch die Umsiedler nach Manheim-Neu. Der 49-Jährige ist auch mit der Abwicklung der 1898 geweihten Kirche Sankt Albanus und Leonhardus befasst. Noch wird die neugotische Kirche mit ihren 150 Sitzplätzen für Taufen, Hochzeiten und Gemeindegottesdienste genutzt. Doch in Manheim-Neu feiert man bereits "Nachbarschaftsmessen": in Garagen, Carports oder Wohnzimmern kommen dabei bis zu 40 Menschen zusammen.

"Die Leute wollen, dass es im Ort schon Gottesdienste gibt", erläutert der Priester. Irgendwann wird es hier eine Kapelle mit 40 Plätzen und ein 100 Quadratmeter großes Gemeindezentrum geben. Der Architektenwettbewerb dazu fand bereits 2014 statt. Noch ist aber offen, was der Verkauf der alten Kirche erbringt. "Wir stehen in Verhandlungen mit RWE und wollen diese 2016 abschließen, um bald den Bauantrag stellen zu können", erklärt Möers. "Aber es ist nicht so einfach, eine Orientierungsgröße für eine gut 100 Jahre alte Kirche zu haben."

"Es geht um Gefühle"

Ähnlich sieht es auch Guido Steffen, Sprecher von RWE Power: Entschädigungen seien zwar jeweils Verhandlungssache, doch mit transparenten Kriterien. "Bei Kirchen ist aber der individuelle Wert schwer zu bestimmen." Da gehe es um tiefe Gefühle - ebenso wie bei der Umbettung von Gräbern. "Damit vernünftig umzugehen, ist eine Frage der Pietät." So wurden zuletzt bei der vierten Umbettungsaktion rund 60 Verstorbene auf den Friedhof Manheim-Neu verlegt. Auch die Toten müssen umsiedeln.

Genauso geht es einigen Objekten aus der alten Kirche: Unter anderen werden das Altarkreuz und mehrere Heiligenfiguren in die neue Kapelle übertragen. Bei den Straßennamen funktioniert das nur bedingt. So wird aus der Esperantostraße der Esperantoweg. Schließlich ist in Manheim-Neu alles etwas kleiner.

Sabine Kleyboldt
(KNA)

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