Die FIFA unter Druck
Die FIFA unter Druck

29.05.2015

Adveniat fordert Korruptions-Bekämpfung bei der Fifa "Bis in die Graswurzeln des Fußballs"

Der Korruptionsvorwürfe beim Fußball-Weltverband FIFA richten sich vor allem gegen Funktionäre aus Lateinamerika. "Das ist kein Zufall", sagt Christian Frevel vom Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat im Interview mit domradio.de.

domradio.de: Die Funktionäre, die inhaftiert worden sind, kommen zum Beispiel aus Argentinien, Brasilien, Costa Rica, Guatemala, Uruguay und Venezuela. Ist es Zufall, dass so viele der Festgenommenen aus Lateinamerika stammen?

Christian Frevel (Adveniat): Nein, das ist überhaupt kein Zufall, weil wir ja schon seit einigen Jahren dort ankreiden, dass im lateinamerikanischen Fußball Korruption Gang und Gäbe ist und zwar nicht nur beim Handel mit Spielern. Adveniat hat auch schon im Zusammenhang mit der Fußball-WM 2014 in Brasilien angekreidet, dass es bei der WM selbst auch Korruption gegeben hat – etwa bei der Vergabe von Bauaufträgen oder bei der Frage, wer darf welchen Handel dort treiben. Das ist ein System, das hineingeht bis an die Graswurzeln des Fußballs in Brasilien. Zum Beispiel durften die Menschen, die normalerweise rund um die Stadien auf den Straßen in Brasilien Getränke verkauft haben, das während der Fußball-WM dann nicht mehr. Stattdessen wurden diese Jobs vergeben an Bekannte, Verwandte und Mitläufer von Fußball-Funktionären in der niedersten Ebene. Das zieht sich wirklich von ganz oben bis ganz unten runter.

domradio.de: Das heißt, da geht es nicht um Einzeltäter, sondern es steckt offenbar ein echtes System dahinter?

Frevel: Die Herren, die dort verhaftet wurden, sind ja zum großen Teil auch schon länger dabei und deshalb sind die Seilschaften, die dort herrschen, auch schon seit vielen Jahren präsent. Nehmen sie Jose Maria Marin, einen der Verhafteten, 83 Jahre alt, der frühere Präsident des brasilianischen Fußballbundes und Stellvertreter von Blatter. Das ist schon ein Name, der seit vielen Jahren  mit dabei ist und der auch zu den Hauptorganisatoren der Fußball-WM in Brasilien gehörte.

domradio.de: Sie haben als Lateinamerika-Hilfswerk auch das Stichwort "Handel mit TV-Sportrechten" genannt. Da stecken ja vor allen Dingen die Milliarden drin. Und sie stellen eine Verbindung her zwischen diesem Sportrechte-Handel und der organisierten Kriminalität. Wie geht das zusammen?

Frevel: Zum einen führen die TV-Rechte dazu, dass diese Vermarktungsagenturen in Lateinamerika das große Geld machen. Die Vereine vor Ort bekommen davon ja kaum was ab. Wer heute zum Beispiel in die kolumbianische oder brasilianische Liga geht, der sieht leere Stadien, weil die ganzen interessanten Spieler, die in den Nationalmannschaften spielen, längst ins Ausland vermarktet wurden. Das heiß, da sind Vermarktungsagenturen, die davon profitieren, dass Spieler ins Ausland gehen und die davon profitieren, dass – meistens über Pay-TV-Kanäle – diese Spiele aus Europa dann wieder in Lateinamerika gezeigt werden. Wenn man sich die Vorwürfe, die jetzt erhoben wurden, genau durchliest, sieht man, dass es vor allem darum geht, dass zwischen diesen Vermarktungsagenturen und den Funktionären korruptive Beziehungen geherrscht haben sollen. Und das kreiden wir insbesondere an, weil damit wird niemandem Gutes getan, der an der Basis für den Sport arbeitet.

domradio.de: Sie fordern für die Fußball-Weltmeisterschaften aber auch für die Olympischen Spiele – die nächsten finden im kommenden Jahr in Brasilien statt – dass die Gewinne offengelegt werden und auch die benachteiligte Bevölkerung am Austragungsort profitieren soll. Das hört sich schön an, würde aber die Sportverbände auch in die Position eines Wohltätigkeitsvereins bringen, oder?

Frevel: Sagen wir erstmal so: Die Offenlegung der Gewinne ist ja Teil der Forderungen, die sich das IOC selber auferlegt hat in Lausanne. IOC-Präsident Bach hat ja jetzt auch nochmal vor dem FIFA-Präsidium gesprochen und gesagt: Ihr müsst diesen Weg der Transparenz und des Kampfes gegen die Korruption gehen. Heere Worte, man muss das aber auch für den olympischen Bereich fordern. Das heißt also, auch das IOC muss genau gucken: Worüber sprichst Du, von wem forderst Du was und wo musst Du selbst Deine Aufgaben erfüllen. Aber der Anspruch ist sicherlich da, zu sagen, wir brauchen mehr Transparenz und eine Nachhaltigkeit dieser Spiele. Wir möchten, dass die Menschen die Möglichkeit haben, am Sport vor Ort teilzunehmen. Oder wie es Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes bei einer Veranstaltung von Adveniat gesagt hat: Wir möchten, dass nicht nur die Spieler im Stadion gewinnen, sondern vor allem auch die Menschen außerhalb der Stadien müssen mit zu den Gewinnern gehören.

Das Interview führte Daniel Hauser.

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