Umstrittene neue Methode der künstlichen Befruchtung
Umstrittene neue Methode der künstlichen Befruchtung

04.02.2015

Großbritannien erlaubt "Drei-Eltern-Babys" - Bischöfe protestieren Embryos als frei verfügbares Material?

Das britische Unterhaus hat eine neue Art der künstlichen Befruchtung freigegeben, das unter dem Schlagwort "Drei-Eltern-Babys" firmiert. Die britischen Kirchen kritisierten die Entscheidung.

Bei der von britischen Wissenschaftlern entwickelten Methode geht es darum, die Weitergabe von schweren Erbrankheiten wie Muskelschwund zu verhindern. Dazu tauschen Mediziner in der befruchteten Eizelle eines Elternpaares die defekte Mitochondrien-DNA der Mutter gegen die DNA einer Spenderin aus. Das Baby hätte damit die DNA von drei Menschen: dem Vater und zwei "Müttern". Die Erlaubnis des Parlaments beschränkt sich auf Eltern, bei denen der Gendefekt nachgewiesen wurde - gegenwärtig wenige Dutzend Paare in Großbritannien.

In der Abstimmung ohne Fraktionszwang votierten 382 Abgeordnete mit Ja, 128 mit Nein. Am 23. Februar stimmt das Oberhaus ab; dessen Zustimmung gilt als sicher.

Kritik der Kirche

Die katholische Bischofskonferenz von England und Wales wiederholte ihre Proteste und betonte, dass bislang kein anderes Land die Methode freigegeben habe. Es gebe "ernstzunehmende ethische Bedenken" gegen das Verfahren, das "die Zerstörung eines menschlichen Embryos als Teil des Prozesses" voraussetze. Ein menschlicher Embryo sei ein neues menschliches Leben und dürfe nicht als "frei verfügbares Material" behandelt werden.

Ähnlich äußerten sich die schottischen Bischöfe. Um einen krankheitsfreien Embryo zu konstruieren, müssten zwei gesunde Embryonen zerstört werden, erklärte Bischof John Keenan von Paisley. Eine solche Technik sei keine Behandlung: "Sie heilt nichts und niemanden; eher versucht sie, jeden, der von bestimmten Umständen betroffen ist, aus dem Genpool zu entfernen."

Auch die katholischen Bischöfe in Deutschland reagierten mit Kritik. Die Methode sei "nicht hinnehmbar, da sie einen extremen Eingriff in die Genetik eines Menschen darstellt, die seine genetische Identität tangiert, deren Auswirkungen bis heute nicht klar sind", erklärte der Sprecher der Bischofskonferenz, Matthias Kopp, am Mittwoch.

"Wenn der in Vitro erzeugte Embryo zudem der Präimplantationsdiagnostik unterzogen wird, sind Tür und Tor für eine Selektion zwischen lebenswerten und angeblich lebensunwerten Menschen geöffnet", so Kopp weiter. Auch der Weg zum Designerkind liege dann in Reichweite. "Wir müssen alles tun, damit das Verfahren aus Großbritannien keine Akzeptanz bei uns und weiteren Staaten Europas findet, da die Grenzen der genetischen Eingriffsmöglichkeiten ebenso wie die gespaltene Elternschaft und die Frage nach der Identität eines Menschen zur Debatte stehen."

"Ethisch unverantwortlich"

Die anglikanische Staatskirche von England hatte bereits im Vorfeld weitere ethische und wissenschaftliche Studien verlangt, um die Folgen des Verfahrens abschätzen zu können. "Ohne ein besseres Verständnis darüber, welche Rolle die Mitochondrien bei der Weitergabe von Erbeigenschaften haben, hält die Kirche eine entsprechende gesetzliche Regelung zur jetzigen Zeit für unverantwortlich", hieß es.

Medienberichten zufolge kommt jedes 200. Neugeborene in Großbritannien mit einer schweren Erberkrankung zur Welt, die auf einen Defekt bei den Mitochondrien zurückzuführen ist. Derzeit haben demnach rund 2.500 Britinnen das Risiko, eine defekte Mitochondrien-DNA weiterzugeben. Die ersten "Drei-Eltern-Babys" könnten dann im Herbst 2016 zur Welt kommen.

(KNA, dpa)

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