Bruder Paulus Terwitte
Bruder Paulus Terwitte

Bruder Paulus Terwitte OFMCap ist ein katholischer Ordensmann und Priester, der auch journalistisch arbeitet.

19.01.2015

Bruder Paulus fordert respektvollen Umgang mit dem Glauben "Satire hat Grenzen"

Ist die Meinungsfreiheit ein höheres Gut als die Religionsfreiheit? Darf man Dinge verhöhnen, die anderen heilig sind? Kapuzinermönch Paulus Terwitte wünscht sich im domradio.de-Interview einen respektvolleren Umgang mit dem Glauben anderer.

domradio.de: Sind Sie auch Charlie oder nicht, Bruder Paulus?

Bruder Paulus: Nein, ich bin natürlich nicht Charlie. Ich finde es tragisch, was geschehen ist. Jede Art von Terroranschlag muss man verurteilen, aber man muss nicht so weit gehen, dass man einzelne Opfer von solchen furchtbaren Anschlägen herauspickt. Da gibt es Millionen andere.

Es geht zudem ein bisschen zu weit, wenn jemand seine Freiheit in der Presse dazu nutzt, das, was anderen heilig ist, ganz bewusst in den Schmutz zu ziehen, zu verhöhnen. In der neuesten Ausgabe trägt zum Beispiel Angela Merkel einen Slip mit sich herum. Und gibt es ja auch eine neue Mohammed-Karikatur auf dem Titel. Wenn ich weiß, dass ich Menschen damit kränke und verletze, und das trotzdem tue, und das ist die Politik von Charlie Ebdo schon die ganzen Jahre gewesen, dann muss das zwar möglich sein und kann kein Grund für Terror sein. Gleichzeitig darf man dann aber auch seine öffentliche Meinung dazu haben und sagen: "Das finde ich nicht gut, was ihr gemacht habt, und fände ich auch nicht gut, wenn das so weiter geht."

domradio.de: Wie geht es Ihnen mit beißenden Karikaturen oder Witzen über unseren Glauben?

Bruder Paulus: Es ist richtig, dass man kritisieren darf, was religiöse Menschen tun, da gibt es sehr viel, das muss man auch kritisieren. Dann wird aber oft sehr vereinfachend auf die heiligen Symbole zurückgegriffen. Das finde ich schlimm, mit anschauen zu müssen. Es tut mir weh, ich weiß aber auch, dass diejenigen, die das machen, oft keine andere Wahl sehen, als es so zu machen. Da steht man sich dann gegenüber. Manchmal denke ich, wenn ich eure Mutter so zum Gegenstand des Witzes machen würde, würde es sofort eine große Empörung geben. Oder wenn man jetzt z.B. eine Satire machen würde über Charlie Ebdo im Himmel. Da würde man auch sagen: "Es gehört sich nicht, über Terroropfer so eine Satire zu machen." Es gibt da Grenzen bei der Satire.

domradio.de: Das Beispiel mit der beleidigten Mutter hat auch Papst Franziskus gebracht. Er sagte in dem Zusammenhang mit den Terroranschlägen: "Wer meine Mutter beleidigt, muss mit einem Faustschlag rechnen". Stimmen Sie da zu?

Bruder Paulus: Mit einem Faustschlag vielleicht nicht gerade. Aber das ist schon ein gutes Beispiel. Jeder Mensch hat ein gesundes Empfinden dafür, was ihm heilig und was einem anderen heilig ist. Der respektvolle Umgang miteinander gebietet es, dass wir in Grenzen miteinander streiten und uns in Grenzen auf Fehler hinweisen. Und ob da immer und immer wieder der Papst, das Kreuz oder der Prophet für herhalten müssen, kann man auch mal hinterfragen. Da gibt es phantasievollere Formen der Satire. Das wird ja schon langweilig, wenn immer wieder mit den gleichen Symbolen gearbeitet wird.

domradio.de: Das heißt, sie stimmen Papst Franziskus zu, wenn er sagt, Satire dürfe nicht alles und Meinungsfreiheit hat auch Grenzen gegenüber der Religionsfreiheit?

Bruder Paulus: Religionsfreiheit bedeutet, dass ich meine Religion in Freiheit ausüben darf, und das kann man Gott sei Dank in ganz vielen Ländern auch. In vielen Ländern leider auch nicht. Meinungsfreiheit bedeutet, dass ich in einem öffentlichen Gemeinwesen zunächst meine Meinung kundtun kann. Wenn jemand glaubt, er könne sie nicht anders kundtun als durch Satire, dann soll er es gerne tun. Wenn er aber merkt, dass er Menschen damit beleidigt, dann gehört zum menschlichen Miteinander, dass man das nicht noch eine Schraube weiterdreht. Und einsieht und versucht, sich zu mäßigen. Diese Grenzen gebietet der ganz normale menschliche Anstand. Da hat Charlie Ebdo in mancher Hinsicht dran fehlen lassen in den letzten Jahren.

Das Interview führte Mathias Friebe.

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