Eichstätts Bischof Hanke im domradio.de-Interview

"Öfter mal auf Fleisch verzichten"

Einen vegetarischen Tag in der Woche oder Bio-Lebensmittel kaufen – jeder kann etwas für’s Klima tun. Das meint Eichstätts Bischof Gregor Maria Hanke, der gerade in Fulda an der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe teilnimmt.

Auch Ferkel landen auf dem Teller (dpa)
Auch Ferkel landen auf dem Teller / ( dpa )

domradio.de: "Während sich hier in Fulda die deutschen Bischöfe zu ihrer Herbstvollversammlung treffen, haben sich parallel die Staats- und Regierungschefs der Länder getroffen zum Weltklimagipfel. Dem Bischof von Eichstätt, Gregor Maria Hanke, liegen dieFragen von Theologie und Ökologie seit Jahren am Herzen. Herr Bischof, sind diese Fragen hier in Fulda auch auf der Tagesordnung gewesen, die man in New York behandelt hat?"

Bischof Gregor Maria Hanke: "Am Rande, sie waren kein zentraler Tagesordnungspunkt. Aber wir haben uns auch darüber unterhalten, es ist ja ein sehr bedeutsames Thema. Ein Thema, zu dem wir als Christen viel beisteuern können."

domradio.de: "Was können Christen beisteuern, zum Beispiel beim Thema Co2-Ausstoß?"

Hanke: "Dem Christentum war immer eigen, einen bescheidenen Lebensstil zu führen, heute könnte man auch sagen, einen nachhaltigen Lebensstil zu führen. Wir haben das reiche Feld der Askese – das Wort Askese ist heute nicht mehr so populär, aber ich denke, man sollte das auch neu entdecken. Der Verzicht um eines höheren Zieles Willen. Ich muss geradezu schmunzeln, wenn heute von allen Seiten der so genannte fleischlose Tag propagiert wird. Das ist älteste Tradition bei uns, dass wir etwa am Freitag Fleischverzicht üben sollen. Heute ist es ja nicht mehr im Sinne eines Gebotes, sondern einer Empfehlung. Gegebenenfalls sollte ein Christ an diesem Tag dann einen anderen Verzicht auf sich nehmen. Aber ich glaube, diese alte Form des Fleischverzichtes, hat hätte heute wieder eine hohe Bedeutung auch im Hinblick auf unseren Co2-Ausstoß, denn unser Fleischkonsum ist mit ein Faktor für die ganze Co2-Frage."

domradio.de: "Sie haben schon vor 20 Jahren, 1994, ihr Kloster damals komplett auf biologisch-ökologische Landwirtschaft umgestellt. Das heißt, sie haben schon sehr früh gehandelt und nicht geredet. Jetzt hatte man in New York den Eindruck, es wird nur appelliert, es passiert so wenig. Wie kann man denn als Kirche den nötigen Druck entfalten?"

Hanke: "Ich denke, mit Druck geht hier gar nichts, man muss die Menschen begeistern, dass diese Lebensform neue Perspektiven eröffnet, dass der Verzicht mir zwar einerseits etwas nimmt, mir aber gleichzeitig auch etwas schenkt und eröffnet. Ich möchte das an dem Beispiel klar machen, als wir im Kloster Plankstetten auf ökologischen Anbau umgestellt hatten und dann auch die Ernährung umgestellt hatten, da ist ein viel intensiveres Verkosten der Nahrung mit einhergegangen. Das war ein ganz anderer Bezug zur Nahrung. Das war nicht weniger, sondern letztendlich mehr, auch wenn nicht mehr alles zur Verfügung stand. Und den Weg müsste man gehen. Den Menschen motivieren, den Menschen begeistern, den Menschen mit auf den Weg nehmen. Ich glaube, eine Verbots- und Gebotsmoral auf dem Gebiet wird immer dazu führen, dass man da Klauseln und Hintertüren eröffnet und letztendlich passiert dann nichts."

domradio.de: "Menschen brauchen Beispiele, an denen sie sich orientieren können, sie haben da den Fleischverzicht angeführt. Gibt es auch was, wo die Bischöfe mit gutem Beispiel vorangehen?"

Hanke: "Da gibt es sehr viel, bis hin zur Überprüfung unseres Fuhrparks, bis hin zur Lebensweise: Wie lebe ich als Bischof? Ist das ökologisch, ist das nachhaltig wie ich lebe? Bis dahin, dass wir auch in unseren Pfarrgemeinden, in unseren Presbyterien für diesen Gedanken im Sinne einer ganzheitlichen Spiritualität werben sollten. Unsere Spiritualität, unsere Gottesbeziehung, unser Weg zu Gott und zueinander, der hat auch mit meinem Körper-Sein, mit meinem Konsumverhalten zu tun, das kann ich nicht einfach ausklammern. Das gehört alles dazu und da müssen wir ganzheitlicher werden."

domradio.de: "Es gibt Experten, die sagen, wenn wir uns nicht komplett umstellen, gerade auch die westlichen Industriestaaten, dann wird es gar nicht möglich sein. Denn wenn alle so leben wie wir, und Energien und Ressourcen so verbrauchen wie wir, dann geht das weltweit nicht mehr weiter. Wenn Sie in die Zukunft schauen, haben Sie dann Angst oder sagen Sie, wir kriegen diese Wende hin?"

Hanke: "Ich bin kein Prophet. Ich meine, als gläubiger Christ sollte jeder so weit tätig sein und handeln, soweit sein Arm reicht. Wenn das Viele tun, wird viel bewegt. Das wäre meine Empfehlung: Fang bei Dir an und versuche, was du ändern kannst und tu dich mit Anderen zusammen. Und dann werden Viele etwas ändern und bewegen."

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen


Quelle:
DR