Roger Kusch, angeklagt wegen Totschlags
Roger Kusch, angeklagt wegen Totschlags

13.05.2014

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Sterbehelfer Kusch Totschlag, nicht Sterbehilfe

Einen Präzedenzfall in der "Sterbehilfe" hätten sie schaffen wollen, hat die Staatsanwaltschaft festgestellt. Der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch und ein Neurologe sind nun wegen Totschlags angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat Anklage gegen den früheren Justizsenator und Vorsitzenden des Vereins SterbeHilfe Deutschland (StHD), Roger Kusch, und einen psychiatrischen Gutachter wegen gemeinschaftlichen Totschlags an zwei Frauen erhoben. Kusch und dem Neurologen wird vorgeworfen, sich Anfang 2012 entschlossen zu haben, einen Präzedenzfall in der "Sterbehilfe" in Bezug auf eine Begleitung bis in den Tod zu schaffen, wie die Staatsanwaltschaft am Montag in Hamburg mitteilte.

Über hundertmal Beihilfe zum Suizid

Der Verein hat nach eigenen Angaben bisher mehr als hundertmal Beihilfe zum Suizid geleistet, die in Deutschland nicht strafbar ist.

Die Staatsanwaltschaft geht jedoch davon aus, dass die Tatherrschaft nicht bei den Betroffenen, sondern bei den beiden Angeschuldigten lag. Zudem habe es entgegen der Vereinssatzung keine Aufklärung über Alternativen gegeben.

Laut Anklage äußerten Frau M. (81) und Frau W. (85) nach ihrem Vereinsbeitritt im Juni 2012 gegenüber Kusch die Absicht zum Suizid.

Suizid aus Angst vor der Pflege

Darauf bescheinigte der Arzt ihnen gegen ein Entgelt von 2.000 Euro, dass sie die Sterbeentscheidung freiverantwortlich und wohlerwogen getroffen hätten. Laut Gutachten waren die Seniorinnen geistig und körperlich rege und sozial gut eingebunden. Der Grund für ihren Wunsch sei allein ihre Angst vor dem Altern und dessen Folgen gewesen. Die Vereinssatzung sehe eine Unterstützung zur Selbsttötung aber nur bei hoffnungsloser Prognose, unerträglichen Beschwerden oder unzumutbarer Behinderung vor.

Entscheidung erzwungen

Kusch und dem Gutachter kam es laut Anklage bei diesem Fall darauf an, in Hamburg eine justizielle Entscheidung über einen Fall der "Hilfe zur begleiteten Selbsttötung" zu erzwingen. Ihnen sei bewusst gewesen, dass die Seniorinnen den Schritt ohne Unterstützung der Angeschuldigten nicht durchgeführt hätten. Sie hätten die Frauen schriftlich erklären lassen, dass sie über einen möglichst sicheren Weg des Suizids beraten worden seien und keine Wiederbelebungsmaßnahmen wollten.

Opfer von Kuschs Geltungsdrang

Am 10. November nahmen die Frauen laut Anklage im Beisein des Arztes eine tödliche Medikamentendosis ein, die Kusch hatte beschaffen lassen. Noch kurz zuvor sollen sie mit der Entscheidung gehadert haben, worauf der Arzt aber nicht einging. Nach dem Tod der Frauen informierte er die Feuerwehr, um die beabsichtigten strafrechtlichen Ermittlungen zu erreichen, wie es hieß. Den Angeschuldigten droht bei Verurteilung eine Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.

Dazu sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, am Montag in Hamburg, hier seien zwei Menschen Kuschs Geltungsdrang zum Opfer gefallen. Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens werde deutlich, dass sich das Angebot der Sterbehelfer hierzulande nicht vornehmlich an Schwerstkranke wende, sagte Brysch.

Der Tod aus den Gelben Seiten

"Wie Millionen andere Menschen in Deutschland hatten die beiden Frauen Angst vor Pflege."

Bisher habe die Gesundheitspolitik kein Konzept, Pflege so zu organisieren, dass sie dieser Angst mit konkreter Hilfe begegne. "Der Fall zeigt auch, wie dringend ein eigener Straftatbestand für das Verbot der organisierten Suizibeihilfe ist. Nur so kann der Tod aus den Gelben Seiten verhindert werden", so die Patientenschützer.

(KNA)

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Messenger-Gemeinde

Tageskalender

Radioprogramm

 28.10.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Gedenk- & Solidaritätswoche für die Opfer der COVID-19-Pandemie
  • Nachgefragt: Kirchliche Seelsorge am BER startet
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • DOMRADIO-Diakon und Kabarettist Willibert Pauels: Was macht der Karnevalist am 11.11.?
  • Erzbischof Schick zum Religionsfreiheitsbericht
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • DOMRADIO-Diakon und Kabarettist Willibert Pauels: Was macht der Karnevalist am 11.11.?
  • Erzbischof Schick zum Religionsfreiheitsbericht
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Berliner Prälat Karl Jüsten über Andacht für Thomas Oppermann im Bundestag
  • Pfarrer Stefan Wißkirchen (Hochschulpfarrer in Düsseldorf) über Uni-Start
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Berliner Prälat Karl Jüsten über Andacht für Thomas Oppermann im Bundestag
  • Pfarrer Stefan Wißkirchen (Hochschulpfarrer in Düsseldorf) über Uni-Start
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Das Heilige Jahr in Santiago de Compostela

Pilgerreise auf dem Jakobsweg mit „ne Bergische Jung“ Willibert Pauels! Jetzt anmelden für Juli 2021!

Himmelklar Podcast

durchatmen – Der Seelsorge Podcast

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…