Jochen Petzschmann
Jochen Petzschmann

24.06.2013

"Roadshow" für Friedensdienst Herr Petzschmann gibt Gas

Weißes Hemd, rote Hose, braungebrannt und Trekkingsandalen an den Füßen. "Friedenslobbyist" in großen Lettern auf dem T-Shirt. Als solcher ist Jochen Petzschmann mit seiner Lebensgefährtin Mareike Wingerath auf großer Tour.

Von Köln aus geht es ab Montag in zwei Großetappen a 14 Tagen durch rund 20 Städte in Deutschland. Der Anspruch: Die Öffentlichkeit über den Zivilen Friedensdienst zu informieren. Das konkrete Ziel: Unterschriften zu sammeln für die Kampagne "20 Millionen mehr vom Militär". So lautet die Parole, mit der das Forum Ziviler Friedensdienst vor der Bundestagswahl an die Parteien herantritt, um mehr Geld für die Entsendung von Friedensfachkräften in die Krisenregionen dieser Welt locker zu machen.

Die Kampagne wirbt mit zwei zentralen Argumenten: Durch Prävention lässt sich Gewalt und dadurch manch teurer Militäreinsatz vermeiden. Und: Die geforderten 20 Millionen Euro mehr im Jahr für den Zivilen Friedensdienst entsprechen 250 Flugstunden eines Eurofighters oder sieben Tagen des Bundeswehr-Engagements in Afghanistan. Eine überschaubare Summe - gerade angesichts des aktuellen Drohnen-Desasters im Verteidigungsministerium, finden die Kampagnen-Macher um Forums-Geschäftsführer Heinz Wagner.

Hinter dem Forum stehen 37 Organisationen, darunter auch die deutsche Sektion der katholische Friedensbewegung pax christi. Das Forum ist eine von sieben Zusammenschlüssen, die die Friedensfachkräfte entsenden. Das Geld dafür kommt vom Entwicklungsministerium. Zu wenig, wie sie beim Forum finden. Die Arbeit des Friedensdienstes sei stets positiv bewertet worden. Nun gelte es, ihn weiter auszubauen. Stattdessen jedoch sei dieser Haushaltsposten heruntergefahren worden: Von 30 auf nunmehr 29 Millionen Euro im Jahr.

"Ohne Waffen, aber nicht wehrlos"

Die Anfänge des Dienstes reichen in die frühen 1990er-Jahre zurück. Damals tobten im ehemaligen Jugoslawien blutige Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Volksgruppen. Das führte bei Menschenrechtlern zu der Überlegung, dass solche ethnischen Konflikte ein neues Handeln erforderten. "Dieses Konzept bildete die Grundlage", sagt Geschäftsführer Wagner und holt eine abgegriffene, graue Broschüre von 1994 hervor. "Ohne Waffen, aber nicht wehrlos", lautet der Titel. "Das ist auch heute noch unser Grundsatz."

Im Nahen Osten, auf dem Balkan und den Philippinen sind die Fachkräfte des Forums unterwegs - nach einer neunwöchigen Schulung und im Schnitt für zwei bis drei Jahre. "Ab Ende 20 bis über 60 Jahre alt und mit Berufserfahrung" sollen sie dazu beitragen, die Gesellschaften in den betroffenen Gebieten zu stabilisieren. Da ist ein Sozialarbeiter ebenso hilfreich wie ein Journalist oder ein Mediziner. Auch Jochen Petzschmann und Mareike Wingerath haben in diesem Bereich Erfahrungen gesammelt.

"Wir haben ein gemeinsames Ziel vor Augen"

Erfahrungen, die sie nicht mehr missen möchte, sagte Mareike Wingerath. Und erzählt von einem Zusammentreffen mit einer alten Frau im serbischen Teil von Bosnien-Herzegowina, die im Krieg alles verloren hatte. "Die Frau hat nie jemandem davon erzählt, nicht ihren Leuten, niemandem. Und die konnte das nur erzählen, weil ich fremd war." Es sind solche Geschichten, die sie den Passanten in Deutschlands Städten erzählen will, um sie auf den Zivilen Friedensdienst aufmerksam zu machen. Fortbewegen wird sich das Paar im eigenen Wohnmobil - für die "Roadshow" in bunten Farben lackiert vom Kölner Graffiti-Künstler Timofey Kratts.

Letzte Frage, Frau Wingerath und Herr Petzschmann: Tagelang leben auf acht Quadratmetern und im Dauereinsatz am Lenkrad oder den Marktplätzen der Republik - ist das nicht sehr stressig? "Wir haben ein gemeinsames Ziel vor Augen." Und wenn man sich trotzdem mal auf die Nerven geht? Wird darüber geredet. "Wir sind dauernd im Gespräch - nicht immer konfliktfrei, aber stets gewaltfrei", sagt Herr Petzschmann, lacht - und gibt Gas.

Joachim Heinz
(KNA)

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