Bischof Overbeck beim Truppenbesuch
Bischof Overbeck beim Truppenbesuch

13.06.2013

Bischof Overbeck fordert Drohnendebatte Das Ende des klassischen Krieges

Während Deutschland über das Drohnen-Projekt "Euro Hawk“ diskutiert, will Militärbischof Franz-Josef Overbeck eine Grundsatzdebatte über Drohnen mitanstoßen. Sie erzeugten oft Ängste: "Was früher Science Fiction war, ist jetzt Wirklichkeit.“

domradio.de: Unabhängig von allen tagespolitischen Fragen bei der Bewertung der Drohnen: Sie haben schon seit längerem die Frage in den Raum gestellt, ob und wie man die Sache ethisch rechtfertigen kann. Was ist in diesem Zusammenhang für Sie besonders wichtig?

Bischof Overbeck: Wichtig ist: Keine Waffe ist ethisch neutral. Vor allen Dingen muss immer kritisch gefragt werden: Wo wird sie hergestellt, wie wird sie benutzt, mit welchem Auftrag wird sie angewandt und welche Folgen hat das? Es geht mir um ethische Fragen: Erstens, sind diese Trägersysteme von Waffen dazu geeignet, möglicherweise Kriege oder Auseinandersetzungen zu führen, in denen zwischen Opfern und Tätern nicht mehr genau genug unterschieden werden kann? Muss mit Gewalt gerechnet werden, im Blick auf Menschen, die völlig unschuldig sind? Das ist ethisch nie rechtfertigbar. Zweitens, kein Waffensystem darf zur Automatisierung führen. Darum ist die Frage nach der Gewissensbildung und der Anwendung im konkreten Fall von großer Bedeutung. Auch auch die Frage nach der Schulung derer, die diese Verantwortung tragen. Drittens ist mir ebenso wichtig, darauf zu achten, dass mit solchen Systemen keine Eskalation von Gewalttätigkeiten hervorgebracht wird. Denn die völkerrechtlichen Perspektiven, damit eine Regionalisierung von Konflikten nicht aufgehoben wird, müssen immer beachtet werden. Sonst wird es schwierig.

domradio.de: Bei der Bevölkerung gibt es vor diesen neuen Waffen eine große Angst. Das, was man zunächst nur als Fiktion kannte, ist jetzt ganz real. Wenn Sie so etwas versuchen zu bewerten, zu welchen Entschlüssen kommen Sie dann?

Bischof Overbeck: Meine Wahrnehmung ist, dass viele Leute glauben, was früher Science Fiction war, ist jetzt Wirklichkeit. Das erzeugt ganz viele Ängste. Das andere ist, dass auf diese Weise deutlich wird: Es gibt keine regional begrenzten Konflikte mehr, die nicht ganz andere Auswirkungen auf ganz andere Weltzusammenhänge haben. Das muss jede Gesellschaft neu lernen, so auch unsere Gesellschaft in Deutschland. Im positiven Sinne des Wortes bedeutet das, dass wir uns wirklich zu einer Weltgesellschaft weiterentwickeln, in der wir Verantwortung zu übernehmen haben, die sich nicht einfach nur regional begrenzen lässt. Das kann man an der Bundeswehr und an den Bündnispartnern deutlich durchbuchstabieren und auch ebenso klar sehen. Eine demokratisch gewählte Regierung muss Entscheidungen treffen, die weit über den Souveränitätsraum der Bundesrepublik Deutschland hinausgehen. Das ist die Welt, in der wir leben, und das gilt es weiterhin in aller Komplexität deutlich zu machen. Zum einen als einen großen Gewinn, den wir ja alle auch auf vielen Ebenen erfahren. Zum anderen aber auch als eine große Bedrohung, gerade wenn es um die Konflikthaftigkeit und die Gewaltbereitschaft auf dieser Welt geht.

domradio.de: Werden solche Themen auch auf Ebene der Weltkirche diskutiert?

Bischof Overbeck: Es gibt einige Foren, auf denen das geschieht. Aber auch da kann ich deutlich sagen: Wir müssen noch viel mehr lernen, in einer vernetzten Welt auch in Weltzusammenhängen in der Kirche zu denken, zu leben und zu arbeiten. Und dürfen dabei nicht vergessen, dass diese Zusammenhänge, gerade was das Militär angeht, ja sehr unterschiedlich sind. Die historischen Gegebenheiten, unter denen sich die Bundeswehr heute versteht, sind ganz andere als noch vor einigen Jahrzehnten. Betrachten wir die Armeen in anderen europäischen Ländern oder in den Vereinigten Staaten, wird es noch viel komplexer und diffuser, so dass es nicht leicht wird, da zu Übereinkünften zu kommen, die für alle von Gültigkeit sind. Aber es gibt einige Prinzipien, die gelten auf jeden Fall. Es geht immer um Menschenrechte, es geht immer darum, Verantwortung in internationalen Zusammenhängen wahrzunehmen. Und es geht darum, wahrzunehmen, dass die klassischen Kriege damit zu Ende sind. Was jetzt kommt, sind neue Formen von Kriegszusammenhängen, die komplexer sind: Cyberwar und digitalisiert geführte Kämpfe in Konflikten, die sich eben nicht mehr in den klassischen Grenzen entsprechend verhalten.

Das Interview führte Ingo Brüggenjürgen

(DR)

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