03.05.2013

Zahl der Toten nach Fabrikeinsturz in Bangladesch steigt über 500 Schlimmstes Industrie-Unglück des Landes

Mit mehr als 500 Toten weitet sich der Fabrikeinsturz in Bangladesch zum bisher schlimmsten Industrie-Unglück des Landes aus. In der Nacht zum Freitag wurden nach Medienberichten mehr als 20 weitere Leichen aus den Trümmern des Kleidungsfabrik-Hochhauses bei Dhaka gezogen.

Wie viele Menschen noch in den Trümmern verschüttet waren, zeichnete sich auch am Freitag nicht ab. Im Rana-Plaza-Haus in Savar, einem Vorort der Hauptstadt Dhaka, waren fünf Textilfabriken mit mehr als 3.000 Beschäftigten untergebracht, die meisten davon Frauen.

Auf westliche Kleiderketten und Discounter, die in billigen Produktionsländern wie Bangladesch nähen lassen, steigt mit dem Unglück von Dhaka der Druck, sichere Arbeitsbedingungen vor Ort durchzusetzen. Im Rana-Plaza-Hochhaus wurden nach Angaben der Kampagne für Saubere Kleidung auch Textilien des deutschen Discounters KiK gefunden. KiK zeigte sich "überrascht, betroffen und erschüttert, dass es offensichtlich Anzeichen dafür gibt, dass neben anderen Marken auch Textilien von KiK in den Trümmern des Rana-Plaza-Buildings gefunden worden sind." Seit 2008 habe es keine direkten Geschäftsbeziehungen zwischen KiK und den in dem Gebäude ansässigen Lieferanten gegeben, erklärte das Unternehmen im nordrhein-westfälischen Bönen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte auf dem evangelischen Kirchentag in Hamburg, Europa könne sich für genaue Herkunftsnachweise einsetzen. Wichtig sei auch, mit den Herkunftsländern zu diskutieren, wie sie ihre Arbeitsbedingungen gestalten wollten. Verbraucherschützer beklagen immer wieder, dass Textilien nicht mit der kompletten Herstellungskette gekennzeichnet sind.

Die Leiterin des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, Helen Clark, begrüßte die Äußerung Merkels. Käufer könnten dann sehen, wie ihre Kleidung entstanden sei. "Und Konsumenten haben Macht", sagte sie in einer Kirchentagsdiskussion mit der Kanzlerin.

Soforthilfe aus Deutschland

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte Bangladesch 2,5 Millionen Euro für die berufliche Wiedereingliederung von verletzten Überlebenden zu. Er betonte, die Überlebenden des Unglücks dürften nicht allein gelassen werden. "Viele von ihnen haben bleibende gesundheitliche Schäden und Behinderungen davongetragen", erklärte er. Deshalb stelle das Entwicklungsministerium 2,5 Millionen Euro für ein Programm zur beruflichen Eingliederung von Menschen mit Behinderung zur Verfügung.

Wegen der Verletzung von Sicherheitsbestimmungen in dem Unglücksgebäude wurde am Freitag ein weiterer Ingenieur festgenommen. Seit dem Einsturz am 24. April wurden damit neun Festnahmen gemeldet:

Der Eigentümer des Gebäudes, dessen Vater, vier Fabrikeigentümer und zwei Ingenieure sind bereits in Untersuchungshaft. Einen Tag vor der Tragödie hatte es offenbar Risse in den tragenden Betonsäulen des Hauses gegeben. Trotz Warnungen wurde der Betrieb jedoch aufrecht erhalten.

Bangladesch ist einer der größten Textilhersteller der Welt, Kleider und Wäsche machen rund 80 Prozent des Exports aus. Der Wert beläuft sich auf jährlich 20 Milliarden US-Dollar, der Industriezweig beschäftigt vier Millionen Menschen.

(epd)

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