Erzbischof Ludwig Schick
Erzbischof Ludwig Schick

28.04.2013

Erzbischof Schick über Anstand und Moral in der Gesellschaft "Was Kirche predigt, muss sie selber leben"

"Üb' immer treu Treu und Redlichkeit" twitterte der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick dieser Tage über die Hoeneß-Affäre. Im Interview spricht er über Tugenden, die Führungspersönlichkeiten haben sollten.

 

KNA: Herr Erzbischof, was geht Ihnen neben ihrem Twitterbeitrag noch durch den Kopf, wenn Sie die Steuerangelegenheit von Uli Hoeneß und die Diskussion um den CSU-Politiker Georg Schmid verfolgen?

Schick: Da kommt mir das Jesu-Wort "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet" in den Sinn und aus der Bergpredigt seine Ansage: "Geht durch das enge Tor. Denn das Tor ist weit, das ins Verderben führt. Das Tor, das zum Leben führt, ist eng." Grundsätzlich gilt, nicht die anderen richten, selbst Treu und Redlichkeit üben und sich anstrengen, ein Leben zu führen, das dem Wohl der anderen dient.

KNA: In der Debatte ist oft von Anstand und Moral die Rede. Sind das Kategorien, nach denen sich Führungskräfte bewerten lassen?

Schick: "Anstand und Moral" sind wichtig, aber als Bewertungskriterien für Führungskräfte zu allgemein. Führungskräfte müssen sich ohne Wenn und Aber an Recht und Gesetz halten; Schleichwege am Gesetz vorbei dürfen sie nicht gehen. Und sie müssen die Kardinaltugenden "Gerechtigkeit, Klugheit, Maß und Tapferkeit" leben. Bei allem, was sie tun, muss das "Gemeinwohl" Ziel sein, dafür ist Selbstlosigkeit gefordert. Führungskräfte müssen Vorbilder sein.

KNA: Immer mehr Menschen verlieren das Vertrauen in die Führungskräfte in Politik und Wirtschaft. Woran liegt das?

Schick: Es ist nicht gut, zu verallgemeinern, schwarzzusehen und dadurch Pessimismus zu verbreiten; Realismus und Optimismus sind der Boden für Entwicklung zum Besseren. Es gibt in Deutschland unter den Politikern und Wirtschaftsleuten nicht einige wenige weiße Schafe unter den ansonsten schwarzen. Das Gegenteil ist der Fall: Die Mehrzahl ist weiß. Die schwarzen muss man benennen, und es müssen Konsequenzen gezogen werden.

KNA: Und was halten Sie grundsätzlich für wichtig?

Schick: Unsere Gesellschaft muss sich erneut bewusst machen, nach welchen Maßstäben wir leben wollen. Ich sage, nach den christlichen des Evangeliums: nach den Zehn Geboten, der Goldenen Regel "Alles, was ihr von anderen erwartet, tut auch ihnen", nach dem Hauptgebot der Gottes- und der Nächstenliebe, das die Feindesliebe, Verzeihen und Neubeginn einschließt.

KNA: 1. Mai - Tag der Arbeit. Viele Menschen fühlen sich mittlerweile hilflos den immer schnelleren Entscheidungen ihrer Betriebe ausgeliefert. Was muss sich ändern?

Schick: Die christliche Soziallehre hat bezüglich Arbeit, Industrie und Handel und Banken immer gefordert, dass der Mensch an erster Stelle stehen muss. Leider Gottes werden heute die Arbeitnehmer und Angestellten vor allem als Kostenfaktor für die Handelsbilanz gesehen, die man möglichst durch Maschinen und Technik ersetzen muss, weil diese kostengünstiger und besser einzusetzen sind. Wir erleben seit Jahren eine "Entmenschlichung der Arbeitswelt". Es wird versucht, den Menschen in Industrie und Handel abzuschaffen. Das wird nicht gehen, aber auch der Versuch wirkt sich bereits verheerend auf das Miteinander und Füreinander aus. Der Mensch muss Zentrum bei allen Entscheidungen sein, die für Industrie und Handel, für Arbeitsplätze und Arbeitsrecht gefällt werden.

KNA: Papst Franziskus setzt bei Veränderungen auf mehr Kollegialität. Ein Modell auch für andere Führungskräfte?

Schick: Die Kollegialität, die Papst Franziskus derzeit in der Kirche stärkt, kann für alle Bereiche gelten. Kollegialität wurzelt in der "Brüderlichkeit" oder "Geschwisterlichkeit", die die Kirche im Umgang der Menschen miteinander auf allen Ebenen fordert. Wir sehen uns heute zu stark als Konkurrenten und zu wenig als Geschwister. Das schafft Neid und Missgunst, erzeugt Klassenkampf, Gruppen- und Rassenkonflikte. Die Brüderlichkeit muss wieder neu zum Nährboden unseres Miteinanders werden, die die Würde eines jeden Menschen anerkennt und die Menschenrechte für alle fördert.

KNA: Kann sich daran auch die Kirche in Deutschland ein Beispiel nehmen?

Schick: Was die Kirche predigt, muss sie selber leben. Wort und Tat müssen übereinstimmen, anderenfalls sind wir Christen nicht glaubwürdig. Die Kirche heute lebt Geschwisterlichkeit, aber sie bleibt auch immer hinter dem zurück, was sie als Ideal verkündet. Sie muss sich täglich neu auf allen Ebenen darum bemühen.

Christian Wölfel
(KNA)

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