11.01.2013

Missbrauchs-Beauftragter appelliert an Kirche "Ergebnisse liefern"

Johannes-Wilhelm Rörig sieht nach dem vorläufigen Scheitern ihres Forschungsprojekts die Kirche in der Pflicht. Das Vorhaben müsse schnell fortgesetzt werden, fordert der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung im domradio.de-Interview.

domradio.de: Die Katholische Kirche ist ein Raum, in dem Missbrauch geschieht und geschah. Im Moment ist die Kirche wieder heftig in die Kritik geraten - durch die Aufkündung des Forschungsprojekts über sexuellen Missbrauch. Wie beurteilen sie, was da derzeit geschieht?

Rörig: Zunächst bedauere ich das aktuelle Scheitern. Ich fordere die katholische Kirche ausdrücklich auf, das Forschungsprojekt fortzusetzen und möglichst schnell eine gute Lösung zu präsentieren, wie sie das möchte.

domradio.de: Und wie?

Rörig: Das Forschungsprojekt muss uns 2014 die Ergebnisse liefern, auf die wir warten. Geplant war, dass wir Erkenntnisse erhalten über den Verlauf des Missbrauchsgeschehens im Bereich der katholischen Kirche aus Sicht der Betroffenen. Die Täterstrategien im Bereich der Kirche sollten analysiert werden. Und auch das Verhalten der Kirche bei der Aufklärung und dem Umgang mit den Fällen des Missbrauchs an Minderjährigen.

domradio.de: "Viele Räume prägen die Kindheit. Kein Raum davon für Missbrauch", so rufen sie in ihrer neuen Kampagne auf. Wo sind die Räume für Missbrauch in dieser Gesellschaft vor allem?

Rörig: Leider überall: im familiären Nahfeld, im sozialen Umfeld wie Einrichtungen der Kirche, des Sports, der Schule und - leider auch - in Kitas.

domradio.de: Wen also wollen Sie mit der Kampagne ansprechen?

Rörig: Die gesamte Gesellschaft. Aktivieren möchte ich die Eltern, die Fachkräfte und die Einrichtungsleitungen, ihre Verantwortung wahrzunehmen, nämlich: Kinder gut vor sexuellem Missbrauch schützen.

domradio.de: Missbrauch findet überall statt. Warum wird er so selten öffentlich?

Rörig: Täter kann man nicht erkennen, sie tragen eine Maske. Sie arbeiten mit ausgefeilten Strategien und krimineller Energie. Und ihre Straftaten können sie gerade deshalb verheimlichen, weil wir doch eine weit verbreitete gesellschaftliche Ahnungslosigkeit zu dem Thema haben. Umso wichtiger sind Aufklärung und Prävention.

Das Gespräch führte Monika Weiß.

(dr)

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