07.01.2013

Zahl der Organspenden sinkt dramatisch Ein Scherbenhaufen

Es ist eine mehr als eine bittere Quittung: Die Transplantationsmedizin in Deutschland hat nach Skandalen in mehreren Transplantationszentren massiv an Vertrauen eingebüßt. Das belegt auch eine neue Statistik.

Nach dem am Montag (07.01.2013) veröffentlichten Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation ist die Zahl der Organspenden in Deutschland im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit 2002 gefallen. 2012 spendeten lediglich 1.046 Menschen nach ihrem Tod Organe - 12,8 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der Spenderorgane sank von 3.917 auf 3.508. Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit weiter im unteren Drittel der Tabelle: Die Zahl der Organspender pro eine Million Einwohner sank von 14,7 im Jahr 2011 auf 12,8. Beim europäischen Spitzenreiter Spanien sind es beständig über 30.

Die Transplantationsmedizin steht vor einem Scherbenhaufen. Da werben Politik, Medizin und Kirchen seit Jahren für mehr Organspenden. Und da verabschiedete der Bundestag im vergangenen August ein neues Transplantationsgesetz, das die Spendenbereitschaft erhöhen sollte. Doch die in der zweiten Jahreshälfte 2011 bekannt gewordenen möglichen Manipulationen in Göttingen, Regensburg und München machen alle Hoffnung auf mehr Spenden zunichte.

"Was hier gemacht wurde, wird in Zukunft viele Menschen leider das Leben kosten", unkte der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, schon im vergangenen Jahr. Laut einer am Wochenende veröffentlichten Umfrage der "Bild am Sonntag" lehnen inzwischen rund 37 Prozent der Bundesbürger eine Organspende ab. Das entspreche einer Steigerung um drei Prozentpunkte im Vergleich zum August 2012, hieß es.

Wie Vertrauen zurückgewinnen?

Patientenschützer, Politiker und Ärzte schließen nicht aus, dass noch bei weiteren der 47 Transplantationszentren Unregelmäßigkeiten entdeckt werden. Wie zu Jahresbeginn am Leipziger Transplantationszentrum: Dort sollen potenzielle Empfänger fälschlich als Dialysepatienten ausgegeben worden sein, um deren Chancen auf eine Spenderleber zu erhöhen.

Wie also Vertrauen zurückgewinnen? Schon im vergangenen Jahr hatten sich Ärzte und Politik auf schärfere Kontrollen verständigt. Danach soll eine interdisziplinäre Transplantationskonferenz an jedem Behandlungszentrum darüber entscheiden, ob ein Patient auf die Warteliste genommen oder von ihr abgemeldet wird. Damit wurde das "Mehraugenprinzip" umgesetzt.

Bahr: Deutschland hat die strengsten Regeln

Darüber hinaus kontrollieren die Prüfungskommission und die Überwachungskommission der Deutschen Krankenhausgesellschaft, des GKV-Spitzenverbands und der Bundesärztekammer seit September alle rund 140 Transplantationsprogramme an den Transplantationszentren. Weitere Verbesserungsvorschläge sind in der Diskussion: eine größere staatliche Kontrolle etwa, eine Verringerung der Zahl der Transplantationszentren oder ein Verzicht auf Bonuszahlungen an beteiligte Ärzte.

Nach Einschätzung von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) und Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery gibt es deshalb bereits eine Wende zum Besseren. Die neuen Kontrollmechanismen griffen, sagte Montgomery in der vergangenen Woche. Mit Beginn der Kontrollen hätten die Manipulationen schlagartig aufgehört. "Ich kann deshalb mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Transplantationsmedizin in Deutschland im Moment so sicher ist, wie sie noch nie war". Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) versicherte am Montag: "Deutschland hat die strengsten Regeln, so dass Organe ausschließlich nach medizinischen Kriterien vergeben werden dürfen." Fraglich bleibt aber, ob all das ausreicht, um Vertrauen zurückzugewinnen.

Christoph Arens
(KNA)

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