Rainer Maria Kardinal Woelki
Rainer Maria Kardinal Woelki

10.06.2021

Fußmarsch mit Protest im Erzbistum Köln geplant "Es wird uns einiges zugemutet"

Am kommenden Samstag marschieren sie von Dormagen bis nach Köln: Laien-, Frauen- und Jugendverbände, aber auch Gemeindevertreter im Erzbistum Köln treffen sich vor der Haustür von Kardinal Woelki, um ihrem Unmut Luft zu machen.

DOMRADIO.DE: Sie starten morgens um sieben mit dem Fußmarsch an der Wallfahrtskirche in Dormagen-Nievenheim und dann werden Sie ungefähr acht Stunden später vor dem Bischofshaus in Köln sein, so der Plan. Warum war Ihnen ein Marsch als Protestform wichtig?

Pastor Klaus Koltermann (Pastor aus Dormagen): Das sehe ich als geistliche Dimension an, dass wir als Volk unterwegs sind. Wir lassen uns jetzt dazu bewegen, dass wir uns selber etwas zumuten. Das sind 30 Kilometer. Unterwegs wird es immer mal wieder Lieder geben oder auch geistliche Impulse. Was macht uns als pilgerndes Volk aus? Für mich ist es zunächst mal ein Fußweg. Der Protest schließt sich nachher an, wenn wir angekommen sind, gegen 15 Uhr. Und dann wird sicherlich auch das eine oder andere nochmal an Forderungen oder auch an Wünschen vor dem Bischofshaus zum Ausdruck gebracht.

DOMRADIO.DE: Wissen Sie denn schon, wie viele Menschen Sie an diesem Samstag begleiten werden?

Koltermann: Ich hatte die Idee vor einer Woche. Als ich das den Gremien mitgeteilt habe, war ich ja schon froh, dass zwölf Leute mit mir gehen würden. Jetzt zeichnet sich doch ab, dass mehr Leute mitkommen werden. Wenn es 50 Leute wären, dann wäre das echt super. Aber mittlerweile habe ich doch den Eindruck, dass sich eine ganze Reihe Leute unterwegs einklinken wollen und den restlichen Teil mitlaufen. Ein ganzer Teil wird sich sicherlich auch einfach so mit Fahrrädern auf den Weg machen, direkt nach Köln. Andere werden sicherlich mit Autos oder mit der Bahn kommen.

DOMRADIO.DE: Sie haben eben gesagt, dass Sie vor dem Bischofshaus Ihrem Protest ein bisschen Luft machen. Wie wird das ablaufen?

Koltermann: Wenn wir uns an der Kardinal-Frings-Straße versammeln, bin ich dazu eingeladen, dass ich aus meiner Sicht den Beweggrund zum Ausdruck bringe: Wieso eigentlich macht sich ein Pastor mit Leuten auf den Weg und läuft 30 Kilometer? Es wird sicherlich noch eine Ansprache geben von den beiden Missbrauchsbetroffenen und dann wird Maria Mesrian von Maria 2.0 noch etwas sagen und ein Kollege wollte auch noch etwas sagen. Wir haben zwischenzeitlich auch die beiden Visitatoren eingeladen, die im Maternushaus wohnen.

DOMRADIO.DE: Sie empfinden diese Nähe zu den päpstlichen Prüfern, die der Vatikan ins Erzbistum Köln geschickt hat, für Sie ganz gut?

Koltermann: Das passt natürlich wunderbar und die Zeit ist sehr günstig. Das Wetter wird nach den ersten Voraussagen mitspielen. Und dann haben wir natürlich auch die Corona-Zahlen soweit unter Kontrolle, sodass wir uns versammeln dürfen, das ist polizeilich alles geregelt. Da habe ich bei der spontanen Idee gar nicht daran gedacht, was da alles mit zusammenhängt. Die erste Idee war ja, sich auf den Weg zu machen, zum Kölner Dom und dann eine Menschenkette zu bilden. Das geht ja jetzt nicht, weil der Roncalliplatz schon anderweitig belegt ist durch eine Veranstaltung.

DOMRADIO.DE: Was ist Ihr ganz konkretes Ziel?

Koltermann: Sicherlich von der geistlichen Idee einfach, sich selbst in Bewegung bringen zu lassen. Wenn ich den Gedanken habe, dass wir ein pilgerndes Volk sind, dann ist das eine uralte Idee. Das wollen wir in diesem Sinne nochmal umzusetzen, dass wir alle unterwegs sind. Die Kirche versteht sich ja auch immer so, dass die sich bewegen lassen muss und möchte, also Menschen bewegen für die Botschaft Jesu.

Wenn wir dann vor dem Bischofshaus ankommen, wird aus meiner Sicht die Frage an den Kardinal gestellt werden: "Wir haben uns alle jetzt in Bewegung gesetzt, viele Menschen mit ihren Beweggründen, denen etwas an der Kirche liegt. Wir haben uns zu Ihnen auf den Weg gemacht und zeigen, was uns die Kirche wert ist. Was tun Sie denn? Bringen Sie sich selbst auch mal in Bewegung? Bewegen Sie sich einmal, dass die Kirche auch zu einem neuen Aufbruch fähig sein wird?"

Wenn ich jetzt auf die Zeit seit dem 18. März, den Zeitpunkt der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachtens zurückschaue, dann müsste man selbstkritisch fragen, was denn seitdem in Bewegung gekommen ist? Ich stelle fest: viel Blockade, keine Verständigung zwischen den Gremien, eine Blockadehaltung.

Nun habe ich vernommen, dass eine Firmung in Düsseldorf stattgefunden hat. Der Kardinal musste fünf Minuten vor dem Gottesdienst den Nebeneingang betreten. Soll das die Zukunft des Bistums sein, dass ein Bischof sich immer wieder neu rechtfertigen muss? Was ist das für ein Kirchenbild? Es geht doch um die Kirche Jesu.

DOMRADIO.DE: Am Samstag planen Sie zu kommunizeren. Wie ist denn derzeit der Austausch mit Kardinal Woelki?

Koltermann: Es gab schon verschiedene Initiativen. Wir haben eine Priesterinitative, die das Gespräch mit ihm gesucht hat. Es gibt die Diözesanforen, es gibt den Diözesanpastoralrat, der auch immer wieder Vorschläge gemacht hat und alle berichten, es war ein Gespräch, aber es ist ein Stillstand. Es kommt keinerlei Bewegung auf.

Es ist natürlich schön zu hören, dass wir miteinander im Gespräch bleiben wollen, aber ein Gespräch muss auch nachher das Ziel haben, dass wir etwas bewegen, es kommt aber keine Bewegung.

DOMRADIO.DE: Es gab so etwas wie eine kleine Eiszeit zwischen Ihnen beiden. Wie ist denn derzeit Ihr Kontakt zum Kardinal?

Koltermann: Ich hatte ein kurzes Gespräch im Februar mit dem Kardinal. Sicherlich ist es auch gar nicht so üblich, da ich als unbekannter Landpastor, der ich mal war, das Gespräch mit dem Bischof führe. So wichtig bin ich ja gar nicht, sondern wir haben ja unsere Gremien, von denen ich annehme, dass die mit dem Kardinal im Gespräch stehen. Aber wenn diese Gremien, die dazu befähigt sind, mit dem Kardinal das Gespräch zu führen, den Eindruck haben, es passiert nichts, dann muss man sich die Frage stellen: An wem liegt es denn nun?

Ich möchte nicht einfach nur fordern, sondern ich möchte mir selbst etwas zumuten, wie das Wallfahrtsthema in unserer Wallfahrtskirche mit der Überschrift "Zumutungen" auch ausweist. Es wird uns einiges zugemutet. Ich möchte mir selbst persönlich auch etwas zumuten, indem ich mich mit hoffentlich vielen Menschen auf den Weg mache, die sich auch dazu bewegen lassen und sagen: Mir ist das wichtig, es geht um die Kirche.

Wir sehen uns als pilgerndes Volk und möchten natürlich etwas bewegen. Deswegen muss das auch eine Reaktion herbeiführen, dass auch von der Seite des Kardinals ein Signal gesendet wird. 

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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