Bischof Hans van den Hende (Archiv)
Bischof Hans van den Hende (Archiv)
Prof. Dr. Jan Loffeld
Prof. Dr. Jan Loffeld

01.06.2021

Hans van den Hende ist einer der Visitatoren im Erzbistum Köln "Auf seine Art unbestechlich"

Das Erzbistum Köln wird diesen Monat begutachtet. Im Auftrag des Papstes reisen der Stockholmer Kardinal Anders Arborelius und der Rotterdammer Bischof Hans van den Hende in die Domstadt. Wer sind diese Visitatoren?

DOMRADIO.DE: Papst Franziskus schickt zwei Visitatoren in das Erzbistum Köln. Einer ist der Bischof von Rotterdam und Vorsitzender der Niederländischen Bischofskonferenz, Hans van den Hende. Was haben die Kölner da zu erwarten?

Prof. Dr. Jan Loffeld (Pastoraltheologe Universität Tilburg): Ich finde es sehr interessant, dass der Papst - oder die Bischofskongregation - zwei Bischöfe ausgewählt hat, die aus einer Kirche in einer völlig anderen gesellschaftlichen Situation kommen. Beide kommen aus einer Minderheitenkirche. Im Bistum Rotterdam gehen noch ein Prozent der Gläubigen sonntags zur Messe. Der Bischof wohnt selber in einer kleinen Wohnung, wie er mir mal sagte, in der Stadt. Es gibt zwei etwas größere Häuser, wo die Bistumsverwaltung sitzt und die Kathedrale in Rotterdam ist an einer Ausfallstraße. Das wäre bei uns eine größere Stadtpfarrkirche.

Das katholische Bewusstsein ist also völlig anders, weil man mit 70 Prozent Konfessionslosen - schon in der zweiten Generation eigentlich - in der Stadt zusammenlebt und eine hohe, sehr hohe Diversität von Leuten hat. Ich war mal in Rotterdam in der Kathedrale, da sind zum Beispiel sehr viele Migranten. Die Kirche ist eine Minderheiten- und Migranten-Kirche, der Bischof van den Hende vorsteht.

DOMRADIO.DE: Wie wirkt sich das denn auf das Glaubens- und Gemeindeleben aus?

Loffeld: Ein Beispiel: Ich war mal zufällig sonntags im Bistum Rotterdam in einer Messfeier. Auf einmal ging die Sakristei-Tür auf und der Bischof zelebrierte, ohne dass das groß angekündigt war, einfach weil er den Pfarrer vertrat. Also die Hierarchien sind viel flacher.

Andererseits ist es doch sehr deutlich, dass man mit einem Bischof zu tun hat. Ich habe von ihm den Eindruck - ich war auch mal bei ihm zum Kaffee -, dass er eine sehr klare Linie hat, sehr gewinnend dabei sein kann, aber auch auf seine Art unbestechlich ist.

Die Mentalität in dieser Minderheitenkirche hat mal Bischof Wanke aus Erfurt beschrieben: ein demütiges Selbstbewusstsein. Bischof van den Hende ging nach unserem Gespräch erst mal einkaufen. Ich habe den Eindruck, dass er wirklich ein guter Mann für diese Aufgabe der Visitation ist, gerade weil er aus einer völlig anderen kirchlichen Situation und Selbstverständlichkeit kommt.

DOMRADIO.DE: Wie schaut man denn als niederländischer Katholik oder Bischof auf die katholische Kirche in Deutschland?

Loffeld: Da gibt es zwei Punkte. Das eine ist die Bewunderung für die Großartigkeit, wie das in Deutschland alles zusammengebaut ist und wie viele Leute bei der Kirche auch noch angestellt sind, sich aber auch noch ehrenamtlich engagieren.

Das andere ist etwas augenzwinkernd: Die Niederländer glauben doch, dass ihre Situation etwas näher an dem ist, was auch Deutschland erwartet. Ich habe den Eindruck, dass bei manchen - auch bei den Bischöfen - diese Selbstverständlichkeit, dass man halt keine Volkskirche mehr wird, doch sehr stark angekommen ist. Da hat man, wenn man nach Deutschland guckt, noch ein bisschen Zweifel, ob das nicht noch ein bisschen in den deutschen Köpfen eine Hoffnung ist "Wenn wir die Stellschrauben drehen, wird das wieder". Diese Hoffnung gibt es in den Niederlanden nicht.

DOMRADIO.DE: Was wird denn so ein Bischof vom Erzbistum Köln denken? Ich gehe mal davon aus, dass er es kennt.

Loffeld: Er ist polyglott. Das ist ja bei den Holländern oft der Fall, dass die gut Englisch sprechen und auch die ältere Generation noch sehr gut Deutsch. Ich glaube, der wird sich sehr schnell orientieren. Er ist Kirchenrechtler. Das heißt, er wird auch die rechtliche Situation einschätzen können. Ich denke, beide Bischöfe werden vom Vatikan auch auf diese Aufgabe vorbereitet werden. Ich denke nicht, dass sie "blanko" kommen, sondern wissen, worauf sie besonders achten müssen, mit wem sie auf jeden Fall sprechen müssen. Das kann ich mir vorstellen.

Aber ich habe bei ihm den Eindruck, dass er doch sehr stark weiß, was er will und sich da auch nicht reinreden lässt. Ich glaube, das ist in so einer Situation einfach gut, dass er sich wahrscheinlich auch nicht hierarchisch kompromittieren lässt. Auch in seinem Bistum, da habe ich den Eindruck, dass er eine gute Übersicht hat und auch wirklich Leitung übernimmt.

Das Gespräch führte Jan Hendrik Stens.

Zur Info: Mehr über den zweiten Visitator, Anders Kardinal Arborelius, gibt es hier.

(DR)

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