Erzbistum Köln bildet nebenberufliche Kirchenmusiker aus

"Ein Stück vom Himmel hörbar machen"

Gerade in der Coronakrise sind Kirchenmusiker gefragt – besonders dann, wenn die Gemeinde in den Kirchen nicht singen darf, sagt der Referent für Kirchenmusik, Michael Koll. Das Erzbistum Köln bietet eine Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker an.

Ein Mann spielt eine Orgel / © Thaliarchus (shutterstock)
Ein Mann spielt eine Orgel / © Thaliarchus ( shutterstock )

DOMRADIO.DE: Wie musikalisch muss ich sein, damit sich so eine Ausbildung lohnt?

Michael Koll (Referent für Kirchenmusik im Erzbistum Köln): Also Musikalität vorausgesetzt, ist die größte Hürde ein angemessenes Klavierspiel. Wir haben den Anspruch, dass jemand, der gar nicht Orgel spielt, nach zwei Jahren so Orgelspielen kann, dass er "unfallfrei" durch einen Gottesdienst kommt. Klavierspielen ist die Hürde: Eine zweistimmige Invention von Bach und den Kopfsatz einer Mozart-Sonatine oder Clementi- Sonate – das ist so die Leistungskurve.

DOMRADIO.DE: Wenn ich das erfülle, wie läuft dann die Ausbildung als Kirchenmusikerin oder Kirchenmusiker neben dem Hauptjob ab?

Koll: Es ist so, dass wir den Instrumentalunterricht und das Praktikum vor Ort haben. Das heißt, wenn Sie in Troisdorf wohnen, dann würden Sie vielleicht bei der Seelsorgebereichsmusikerin in Troisdorf den Orgelunterricht in den Fächern liturgisches Orgelspiel und Orgelliteraturspiel haben und bei ihr dann auch ins Praktikum gehen. Wir haben an allen Samstagen außerhalb der Schulferien in Nordrhein-Westfalen auch einen zentralen Unterricht: von 12.30 Uhr bis 17 Uhr in der Musikhochschule in Köln.

DOMRADIO.DE: Was genau lernen denn die künftigen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker bei Ihnen, wenn Sie die sogenannte C-Ausbildung durchlaufen?

Koll: Sie lernen eigentlich all das, was ein Mensch der Kirchenmusik studiert, auch lernt – nur auf einem anderen Level. Wir bilden zum nebenberuflichen Kirchenmusiker aus, aber wir lehren das ganze Spektrum von dem, was man braucht, wenn man Kirchenmusik machen will: Chorleitung, Gregorianik, deutscher Liturgiegesang, Musikgeschichte, Liturgik, Tonsatz, Gehörblidung, Orgel, chorpraktisches Klavierspiel, Chorleiter. Das ist wirklich sehr, sehr vielseitig.

DOMRADIO.DE: Man muss also ein bisschen was bezahlen und bekommt dafür wirklich eine sehr fundierte Ausbildung, oder?

Koll: Wenn die Menschen dann zu mir kommen und mich fragen, was sie bezahlen müssen, dann sage ich immer: "Sie bezahlen vor allem mit Zeit." Denn beim Essen und beim Üben kann man sich nicht vertreten lassen. Man muss schon selber sehen, dass man sich die Fertigkeiten aneignet. Zu der Zeit, die Sie damit investieren, dass Sie samstags zu uns kommen, Unterricht haben oder ins Chorpraktikum gehen, kommt auch die Zeit, in der Sie selbst üben müssen, sich persönlich auf die Chorproben vorbereiten. Das alles müssen Sie irgendwo unterbringen.

DOMRADIO.DE: Sollten die Kandidatinnen und Kandidaten denn unbedingt katholisch und kirchennah sein?

Koll: Wenn man nicht eine gewisse Affinität zur Kirche hat, dann erleben wir oft, dass die Leute im ersten halben Jahr sagen: "Oh, da ist aber viel Kirche drin" und dann bekommt man eine Kündigung zum 30.6. Katholisch sein müssen sie aber nicht. Wir bilden auch Menschen anderen Bekenntnisses aus oder Leute, die gar nicht in der Kirche sind. Aber wir erleben schon, dass wir eine gewisse Spiritualität haben und dass sich die Menschen darin unterscheiden. Wenn sie ganz fehlt, dann erleben wir oft, dass die Menschen sagen: Nee, das ist nichts für uns.

DOMRADIO.DE: Wenn ich diese Ausbildung abgeschlossen habe, ist dann garantiert, dass ich tatsächlich auch einen Einsatzort bekomme?

Koll: Es ist ja eine Ausbildung zum nebenberuflichen Kirchenmusiker und zur nebenberuflichen Kirchenmusikerin. Wir erleben es tatsächlich allerdings auch, dass Menschen das dann hauptberuflich machen. Ich habe eben noch nachgeschaut: Derzeit haben wir auf der Stellenbörse bei uns zwei volle C-Stellen, und einige nebenamtliche Stellen. Ob die dann wirklich da sind, wo sie gerade leben, das ist natürlich nicht garantiert.

DOMRADIO.DE: Wie verändert der Job als Kirchenmusiker denn die Gemeinden?

Koll: Das erleben wir gerade in der Corona-Pandemie genau im umgekehrten Weg. Es gibt in Köln zum Beispiel ist gerade die Verordnung, dass die Gemeinden im Gottesdienst nicht singen dürfen. Ich erlebe das als sehr, sehr großen Mangel. Man kann mit der Musik ausdrücken, was kein Wort ausdrücken kann. Das haben viele Leute vor mir gesagt, aber es meine tiefste Überzeugung: Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker können Herz und Seele berühren – und so ein Stück vom Himmel hörbar machen. 

Das Interview führte Hilde Regeniter. 


Quelle:
DR
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