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Eine Kerze brennt in der Sakristei
Kreuz in einer Sakristei
Kreuz in einer Sakristei
Liturgische Gewänder in einer Sakristei
Liturgische Gewänder in einer Sakristei
Aufgeschlagenes Messbuch in einer Sakristei
Aufgeschlagenes Messbuch in einer Sakristei

13.10.2020

Aus dem Corona-Alltag einer Küsterin "Vor allem mehr Rennerei"

Früher war es sogar ein Weiheberuf: Seit dem 12. Jahrhundert gibt es den Job der Küster. Deren Arbeitsbereich geht aber weiter, als nur in die Sakristei. Eine Kölner Küsterin berichtet aus ihrem Alltag, der durch Corona nicht einfacher geworden ist. 

DOMRADIO.DE: Wie läuft bei Ihnen so ein Arbeitstag ab?

Marion Böde (Beisitzerin im Vorstand des Vereins Kölner Küster von 1880): Der beginnt je nachdem wann die erste Messe ist. Im Moment haben wir coronabedingt eine Messe am Tag. Aber es sind eben auch schon mal mehr, je nachdem in welcher Kirche man ist. Es geht los mit Aufschließen der Kirchentür natürlich, Lichter anmachen, dann als erstes schauen welcher liturgische Tag ansteht, und es ist auch wichtig für den Küster zu wissen, welches Messformular anliegt. Danach richtet sich dann auch die Auslegung der Gewänder oder auch die Vorbereitung des Altars. Kommen mehr Leuchter hin, kommen weniger hin.

Man muss im Prinzip schon wissen, was ist das Wichtige an diesem Tag, vom liturgischen Hintergrund gesehen. Und danach richtet sich alles aus: die Messgestaltung, die Vorbereitung, jetzt zur Zeit, heute, wieder nicht, was Singen betrifft, die Gotteslöbe, also alles, wo sich Kirchenbesucher und vor allen Dingen der Priester am Altar wohlfühlt und auch sicher, dass da keine Unsicherheiten reinkommen.

DOMRADIO.DE: Bis wohin reicht das denn? Sie sind hauptberuflich tätig. Wo heißt es, das ist noch Küster-Aufgabe, und das übernimmt dann zum Beispiel ein Lektor oder der Pfarrer. Gibt es da Grenzen?

Böde: Ja, ich denke schon, dass die Grenzen klar sind, beispielsweise die Minoritenkirche. Da ist Adolph Kolping begraben, das ist eine Wallfahrtskirche für Kolping. Da kommen normalerweise ohne Corona sehr viele Wallfahrtsgruppen, und die bringen dann auch einen Lektor mit. Was natürlich sehr schön ist, weil dieser Lektor dann aus der Gemeinde selber kommt und dann auch einen ganz klaren Bezug herstellt.

DOMRADIO.DE: Hat sich der Job als Küsterin denn über die Jahre verändert, oder sind Ihre Aufgaben noch genau dieselben wie damals vor 140 Jahren?

Böde: Den Beruf der Küster, den gibt es jetzt schon ein bisschen länger. Im 12. Jahrhundert wurde er schon erwähnt, und gerade die Kölner Küster hatten immer ein sehr hohes Ansehen. Er entwickelte sich aus dem Kirchenvater, wie man auch manchmal sagte, der die Kirchentüren aufgeschlossen hat und geläutet hat. Und im 14. Jahrhundert wurde er dann ganz klar als Küster benannt und hatte dann auch die niederen Weihen.

DOMRADIO.DE: Was bedeutet das?

Böde: Die niederen Weihen, das sind vier Weihen, wie man so sagt, die seit 1973 nicht mehr ausgeführt werden, die aber in dem Konzil von Trient festgeklopft wurden. Das ist das erste Aufschließen der Kirchentür, dann als Lektor, dann als Akolyth, Tragen des Lichtes und des Kreuzes, und als Exorzist. Das bedeutet aber nicht das, was man sich jetzt so vorstellt, sondern er war für das Weihwasser verantwortlich. Das ist natürlich heute auch noch so. Man soll eben als Küster besonders darauf achten, dass das nicht leer wird und auch rechtzeitig geweiht wird. Weil doch viele kommen und auch Weihwasser mitnehmen. Und dann eben als Hilfe bei der Spendung der Kommunion.

DOMRADIO.DE: Schuldienst gehört auch dazu, habe ich gelesen.

Böde: Genau. Der Küster in Köln, wie gesagt, hatte immer sehr viele Aufgaben. Es war auch sehr wichtig, dass es ihn gab. Er wurde von der Gemeinde bestellt und wurde dann eben auch in den Schuldienst berufen um Glaubensfragen zu unterrichten.

DOMRADIO.DE: Also das hat tatsächlich gereicht bis zum Religionslehrer?

Böde: Ja, es gab auch mal einen Küsterstreik vor 1880, weil die Küster auch die Brandglocke läuten mussten. Die haben sich geweigert, die zu läuten, denn die Stadt bezahlte das nicht. Dann haben diese Kölner Küster sich zusammengeschlossen und haben dagegen gestreikt.

DOMRADIO.DE: 140 Jahre, das ist eine lange Zeit. Wir haben gerade schon über die Entwicklung dieses Berufsstandes gesprochen. Sie sind ja eher im Hintergrund im Einsatz, leisten Arbeit, die für viele Gemeindemitglieder und Gottesdienstbesucher als selbstverständlich gilt, aber jetzt nicht immer so offensichtlich sichtbar ist. Wo kriegen Sie Ihre Motivation her im Alltag?

Böde: Ich persönlich bekomme die Motivation von der heiligen Messe, an der ich natürlich immer teilnehmen kann. Und für mich ist das etwas Besonderes, weil ich die ja auch selber vorbereitet habe. Und es ist jeden Tag was anderes, obwohl sich das ja jedes Jahr wiederholt. Aber trotzdem ist es sehr wechselhaft. Und das gibt mir die Motivation oder, sagen wir mal, die Freude am Beruf.

DOMRADIO.DE: Blicken wir noch mal aktuell auf die Corona-Lage, die uns alle beschäftigt. Die Corona-Pandemie sorgt wahrscheinlich auch dafür, dass sie ein bisschen mehr zu tun haben als sonst.

Böde: Oh ja. Es fängt mit dem Desinfizieren an, was natürlich in der Kirche vollkommen neu ist. Dann darf nicht mehr so viel ausgelegt werden. Es muss darauf geachtet werden, dass auch gerade von der Desinfektion her, von der Keimfreiheit her, nicht so viel Gotteslöbe da nicht liegen, nicht ausgelegt werden. Dann muss man auch darauf achten, dass nicht so viele Personen am Altar sind, dass jeder den Mundschutz anhat, dass er sich in die Liste einträgt.

DOMRADIO.DE: Läuft das denn ganz gut bislang?

Böde: Es ist natürlich viel. Manchmal bin ich vorne am Altar, dann wieder hinten, es ist vor allen Dingen mehr Rennerei. Solange die Gemeindemitglieder das verstehen, ist das natürlich ganz toll.

DOMRADIO.DE: Haben Sie einen Appell, den Sie gerne loswerden möchten an die Gottesdienstbesucher?

Böde: Ja. Vielleicht noch etwas Geduld zu haben, dass wir eben die Maske jetzt auch im Gottesdienst tragen müssen und einfach ein bisschen Durchhaltevermögen.

 

Hinweis: Bei dem Interview handelt es sich um eine gekürzte Fassung. Das komplette Interview zum Nachhören finden Sie hier.

(DR)

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