Msgr. Markus Bosbach
Msgr. Markus Bosbach

23.06.2020

Domkapitular Markus Bosbach feiert 25 Jahre Priesterjubiläum Sich vor dem Herrn zu Boden werfen

Am 23. Juni 1995 wurde der Kölner Domkapitular und stellvertretende Generalvikar Monsignore Markus Bosbach zum Priester geweiht. Bis heute, seinem silbernen Priesterjubiläum, bereut er nicht, sich für diesen Weg entschieden zu haben.

DOMRADIO.DE: Wie war das damals bei Ihnen, wie haben Sie Ihre Priesterweihe in Erinnerung?

Monsignore Markus Bosbach (Kölner Domkapitular und stellvertretender Generalvikar): Das war alles wie ein großer Traum. Ein ganz besonderer Augenblick, der sich über mehrere Tage hingezogen hat. Da gehört nicht nur die Priesterweihe dazu, auch die Primiz.

Jeden Tag, wenn ich aufstehe, sehe ich immer wieder das Titelbild der damaligen Kirchenzeitung vor mir. Das hat uns der Fotograf Robert Boecker geschenkt. Es hängt gerahmt neben meiner Weihurkunde. Das ist eine Frontalaufnahme vom Innenraum des Domes, wo wir vorne auf dem Boden liegen. Wir waren 18, also schon eine gehörige Zahl. Dahinter sieht man dann den proppenvollen Hochchor, also ganz anders als das jetzt in Corona-Zeiten möglich ist.

Aber es war einfach toll zu erleben, wie viele Menschen sich mitfreuen, wie viele an meiner Seite stehen und sagen: Wir stehen neben und hinter dir und finden toll, was du machst.

DOMRADIO.DE: Vor dem Altar auf dem Boden zu liegen, das ist schon der Moment, wo man merkt: Jetzt wird es ernst!

Bosbach: Genau, weil das der Moment ist, auch symbolisch, in dem man sich verfügbar macht, praktisch alles andere aufgibt und sich ganz vor dem Herrn sozusagen zu Boden wirft. Das wird dann sehr körperlich erfahrbar. Man spürt in dem Moment, wie alle zusammen immer wieder bei der heiligen Litanei dann rufen: "Bitte, bitte für uns". Und man spürt wirklich so eine Welle des Gebets und des Mitgetragenseins.

DOMRADIO.DE: Was hat Sie damals dazu bewogen, Priester zu werden und diese besondere Berufswahl wirklich auch ganz bewusst wahrzunehmen und damit natürlich auch bewusst auf Familie zu verzichten?

Bosbach: Das war bei mir nicht irgendwie eine besondere Stimme, die ich gehört hätte oder eine innere Vision, die ich gehabt hätte. Ganz nüchtern: Es waren einfach Umstände, die sich so zueinander fügten, bis dann auch mein Heimatpfarrer mir die Frage gestellt hat: Willst du nicht Priester werden? Ich habe mich gefragt, warum nicht und was spricht dafür. Ist da in deinem Herzen was, wo du dich eben auch hingezogen fühlst?

Ich habe damals mit der Kirche gelebt und sie und die Liturgie geliebt und wollte eigentlich in Richtung Kirchenmusik gehen. Aber dann hat diese Frage in mir gearbeitet, bis ich gesagt habe, ja, ich gehe diesen Weg.

Diese Gewissheit hat sich in den sieben Jahren der Ausbildung bis zur Priesterweihe immer mehr verfestigt. Ich bin auch nach 25 Jahren dankbar, oder wenn man so will, nach den 32 Jahren, als ich den ersten Entschluss fasste. Es gab seitdem noch keinen Tag, an dem ich das bereut hätte.

Ja, man verzichtet eben auf die Erfüllung des Lebens, auch in der Hingabe an einen anderen, konkreten Menschen. Das ist nicht immer leicht, das ist klar. Aber man bekommt andererseits durch die Lebensform auch sehr viel geschenkt - gerade auch viele Freundschaften. Man lernt viele Menschen kennen, kann in vielen tollen Bezügen und Beziehungen leben, die einen durch das Leben hinweg tragen.

DOMRADIO.DE: Sie sind im Erzbistum Köln Leiter der Hauptabteilung Seelsorge und stellvertretender Generalvikar. Das ist auch eine steile Karriere. Hat sich das so ergeben, oder war das damals schon ein Ziel, möglichst viel Verantwortung zu übernehmen?

Bosbach: Mein Ziel war, erst einmal dahinzugehen, wo man mich hinstellt. Das war damals die Perspektive, die ich auch immer für mich als die Richtige gesehen hatte. Ich war 17 Jahre lang Kaplan und Pastor, das war ich immer gerne. Jeder Wechsel war immer eine Herausforderung.

Das war auch ein Ringen mit dem damaligen Bischof, als er mich nach Köln gerufen hat. Dafür musste er schon ein bisschen ackern, weil das, was man vielleicht so von außen als Karriere nach oben betrachtet, ist es nicht unbedingt. Denn die direkte Arbeit an der Basis, die wirklich Freude macht, bei der man merkt, ja, dafür bist du es geworden, die fällt weg.

Klar, die Arbeit am Dom ist auch sehr schön. Das ist auch eine priesterliche Aufgabe. Auch der stellvertretende Generalvikar muss ein Priester sein, weil der Generalvikar eben ein Priester in unserer kirchlichen Verfassung sein muss.

DOMRADIO.DE: Aber die Arbeit als Seelsorger vermissen Sie ein bisschen?

Bosbach: Ja, hier und da kann ich es, Gott sei Dank, machen. Aber ich vermisse es auch oft und ich sitze manchmal am Schreibtisch und denke, das mag sich jetzt komisch anhören, ach, jetzt eine Beerdigung wäre auch mal wieder schön. Etwas, bei dem man einfach direkt mit Menschen zu tun hat. Das kann auch eine Trauung oder Taufe sein.

DOMRADIO.DE: Am vergangenen Freitag wurden hier im Erzbistum sieben Männer zu Priestern geweiht. Was geben Sie denen heute aus Ihrer Erfahrung der 25 Jahre mit auf den Weg? 

Bosbach: Auf jeden Fall ist wichtig, sich diesen inneren Geist der Verfügbarkeit, der Bereitschaft zu erhalten. Dann ist ganz wichtig, Freundschaften gut zu pflegen.

Gerade wenn man zölibatär in dieser Welt lebt, muss man sehen, dass man sich nicht nur an die Arbeit bindet und auch nicht nur an die Menschen in seiner konkreten Gemeinde, sondern dass man auch Beziehungen hat zur Familie, aber eben auch Freundschaften darüber hinaus, die dann auch tragen. Dass man Menschen hat, die einem auch wirklich mal den Spiegel vorhalten können, die auch mal sozusagen jede Rollenfestlegung mal beiseite lassen und sagen: Jetzt komm mal wieder auf den Boden zurück.

Das ist auch ein wichtiges Korrektiv, dass man Menschen kennt und mit ihnen befreundet ist, die einem helfen, auch mal wieder den Kopf über den Tellerrand des kirchlichen Lebens zu stecken.

(DR)

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