Johannes Paul II. wäre am 18. Mai 2020 stolze 100 Jahre alt geworden
Papst Johannes Paul II. im Jahr 1987
Dominikus Schwaderlapp, Weihbischof in Köln
Dominikus Schwaderlapp, Weihbischof in Köln
Papst Franziskus und Papst Johannes Paul II.
Papst Franziskus und Papst Johannes Paul II.

02.04.2020

Weihbischof Schwaderlapp erinnert an Tod Johannes Paul II. vor 15 Jahren "Als würde der eigene Vater heimgehen"

Vor 15 Jahren starb Johannes Paul II. Den Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp hat der damalige Papst in seiner Jugend und als junger Erwachsener geprägt: "Das war in einer gewissen Weise so, als würde der eigene Vater heimgehen."

DOMRADIO.DE: Gibt es ein ganz persönliches Ereignis oder eine Erinnerung an eine Begegnung, die Ihnen in den Kopf kommt, wenn Sie an Johannes Paul II. denken?

Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp (Domkapitular und Weihbischof im Erzbistum Köln): Ja, die erste eindrückliche Begegnung mit ihm war sein Besuch in Köln am 15. November 1980. Es war ein schrecklicher Tag: Regen, Sturm, Kälte und die heilige Messe auf dem Butzweilerhof. Damals, als 13-Jähriger, war ich auch dort hingefahren mit einem Bus aus Ransbach-Baumbach im Westerwald, wo ich herkomme.

Und ich habe noch seine Stimme im Ohr. In seiner Predigt ging es um Ehe und Familie und er hat gesagt, man könne nicht nur auf Probe leben, man könne nicht nur auf Probe und Zeit einen Menschen annehmen. Das war die erste eindrückliche Begegnung. Ich war von da an eigentlich immer sehr begeistert. Ich glaube auch, dass er meinen Berufungsweg mitgeprägt hat.

DOMRADIO.DE: Später, gegen Ende seines Pontifikats, waren Sie Generalvikar des Kölner Erzbischofs. Das ist in die Vorbereitungszeit vom Weltjugendtag gefallen. Hatten Sie da mit ihm zu tun?

Schwaderlapp: In der Zeit hatte ich eigentlich weniger Kontakte. Ich muss das ohnehin relativieren: Es wirkt vielleicht so, als wäre ich jetzt ein persönlicher Bekannter oder gar Freund von Johannes Paul II. gewesen. Ich bin ihm einige Male begegnet, aber das waren punktuelle Ereignisse.

Vor allen Dingen in meiner Zeit als Sekretär von Kardinal Meisner war ich einige Male mit ihm bei ihm, habe die heilige Messe in seiner Privatkapelle mitfeiern dürfen. Danach gab es auch immer wieder mal eine kurze Begegnung. Bis dahin, dass ich ihm meine Promotion, die ich über seine Lehre über Ehe und Familie verfasst habe, überreichen durfte. Das war sicherlich für mich ein besonderes Highlight.

DOMRADIO.DE: Vielen ist das Wirken von Johannes Paul II. genauso im Kopf geblieben wie diese Zeit vor 15 Jahren, das öffentliche Leiden, das Sterben in der Öffentlichkeit. Sie haben damals mit Kardinal Meisner eng zusammengearbeitet. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Schwaderlapp: Es war schon erstaunlich! Wenn ich an meine Kindheit und Jugend denke und auch danach, wurde gerade in Deutschland immer sehr heftig über ihn diskutiert. In aller Welt wurde er bejubelt, aber in Deutschland wurde sehr heftig über ihn diskutiert. Später dann, als er krank wurde und je mehr er in diese Leidensphase seines Lebens kam, desto mehr wurde er auch in Deutschland akzeptiert und angenommen. Das war ja ein langes Leiden, spätestens seit 2000 war es wirklich sehr stark sichtbar.

Diese wortlose Botschaft ist in dieser Zeit schon etwas sehr, sehr Eindringliches gewesen: Dass er das Leiden angenommen und dass er es getragen hat und dass er so ein Zeuge dafür geworden ist, dass auch ein Mensch mit Leiden, ein alter und kranker Mensch ein Mensch mit Würde und Ausstrahlung ist, der etwas bewegen kann.

Wir haben im Hinblick auf den Weltjugendtag dann natürlich gebangt. Er hat es ja initiiert, dass der Weltjugendtag nach Köln kommt. Kann er selbst überhaupt kommen? Kardinal Meisner, der wirklich mit ihm befreundet war, war häufiger bei ihm. Und es kristallisierte sich heraus, dass das nicht mehr gehen würde. Es war schon schwierig, das zu akzeptieren.

Ich muss dazu sagen, als er zum Papst gewählt wurde, war ich elf Jahre alt, als er starb, war ich 37. Die prägenden Jahre meines Lebens als Jugendlicher und junger Erwachsener waren also durch ihn beeinflusst. Als er vor 15 Jahren starb, war das in einer gewissen Weise so, als würde der eigene Vater heimgehen.

DOMRADIO.DE: Im Moment sind wir auch in einer Zeit, in der viel über Krankheit und über Leiden gesprochen wird. Fast 40.000 Tote gibt es weltweit durch das Coronavirus. Es gibt kaum jemanden, der nicht zumindest durch die Ausgangsbeschränkungen betroffen ist. Können wir – wenn wir auf diese Zeit des öffentlichen Leidens, der öffentlichen Krankheit zurückblicken – für uns heute etwas daraus lernen?

Schwaderlapp: Ja. Ist Johannes Paul II. nicht ein Zeuge des Glaubens und des Glaubens an die Auferstehung? Ein Zeuge dafür, dass der Tod nicht das Ende ist?

Ich glaube, manche – panischen – Ängste vor der Krankheit haben damit zu tun, dass viele diese Hoffnung, diesen Glauben verloren haben, dass wir eigentlich unterwegs sind zum Himmel, wo ein herrliches Leben auf uns wartet. Ein Leben, wie wir es uns auf Erden nicht vorstellen können. Wenn das fehlt und wir uns hier so eingerichtet haben, dass dieses Leben auf Erden das Paradies sein muss, dann ist eine solche Coronavirus-Krise etwas, das dem völlig entgegensteht.

Johannes Paul II. steht als Person dagegen: Ja, das Leben ist wertvoll, es ist zu achten. Eine Würde, auch in der Krankheit. Aber es vollendet sich erst im Himmel. Und darauf dürfen wir uns freuen!

DOMRADIO.DE: Man könnte den Eindruck bekommen, wir hätten eine kleine Renaissance im Gedenken an Johannes Paul II. Es gibt ja Bestrebungen, ihn zum Patron Europas zu erklären oder auch seine Eltern für die Seligsprechung zu prüfen. Wie finden Sie solche Ideen?

Schwaderlapp: Ihn zum Patron Europas zu machen, finde ich, liegt fast auf der Hand. Er hat die Patrone Europas erweitert: Früher war es nur der heilige Benedikt, dann kamen Katharina von Siena, Edith Stein und noch weitere dazu.

Er hat den Kranz der Patrone Europas erweitert und er ist eine maßgebliche Persönlichkeit, die mit dafür gesorgt hat, dass die Mauer gefallen ist – das hat selbst Gorbatschow gesagt. Ohne ihn wäre das nicht denkbar gewesen. Er hat in seiner geistlichen Weise, ohne revolutionär zu sein bis auf seinen revolutionären Glauben, mit dafür gesorgt, dass sich Europa in Ost und West einigen konnte.

Einen besseren Patron für Europa gibt es eigentlich nicht! De facto ist er es schon, man sollte ihn jetzt dazu erklären.

DOMRADIO.DE: Was macht das eigentlich mit Ihnen persönlich als Bischof, als Priester, als Katholik, dass Sie wissen, ich hatte mit einem Heiligen zu tun?

Schwaderlapp: Es bewegt mich sehr! Es bewegen mich auch weiterhin nicht nur die wenigen persönlichen Erinnerungen an ihn. Ich denke zum Beispiel daran, wie er die heilige Messe gefeiert hat, ganz normal, ohne eine Predigt, in seiner Kapelle. Das hat nicht nur mich, sondern ganz, ganz viele, die das auch erlebt haben, total bewegt.

Das prägt mich jetzt noch. Ich nehme ihn selbst als meinen persönlichen Schutzpatron für meinen bischöflichen Dienst. Aber gerade seine Botschaft in Hinblick auf Ehe und Familie, Sexualität, auf die Bedeutung und Würde des Leibes, ist auch eine Botschaft, die aktueller denn je ist. Er hat uns eigentlich geholfen, die wunderbare Würde des Leibes und auch der Sexualität neu zu entdecken und zu leben.

Ich glaube, er hat uns weiterhin viel zu sagen – und da ist er zum Teil auch noch ein ungehobener Schatz.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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