Missbrauchsstudie benennt erstmals Kirchenverantwortliche

Verfehlungen führender Bistumsvertreter?

Erstmals in Deutschland wird in Köln eine unabhängige und umfassende Studie über mögliche Verfehlungen führender Bistumsvertreter beim Umgang mit Missbrauchsfällen veröffentlicht. Die Studie hatte Kardinal Woelki selbst in Auftrag gegeben. 

Symbolbild Akten / © Aleksandra Nigmatulina (shutterstock)
Symbolbild Akten / © Aleksandra Nigmatulina ( shutterstock )

Die Münchner Kanzlei "Westpfahl Spilker Wastl" wird am Donnerstag kommender Woche in einer Pressekonferenz die Ergebnisse ihrer rund eineinhalbjährigen Recherchen in den Personalakten und weiteren Dokumenten der Erzdiözese präsentieren. Wie das Erzbistum weiter mitteilte, erfahren auch Kardinal Rainer Maria Woelki und andere Verantwortliche erstmals in der Pressekonferenz von den Ergebnissen. Dies gehöre zur Unabhängigkeit der neuen Studie.

135 Betroffene und 87 Beschuldigte in Köln

Die Erhebung knüpft an die Missbrauchsstudie an, die die Bischofskonferenz im Herbst 2018 vorgelegt hatte. Danach fanden sich in den Kirchenakten der Jahre 1946 bis 2014 Hinweise auf bundesweit 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute.

Für Köln verzeichnete die Untersuchung 135 Betroffene und 87 Beschuldigte. Daraufhin gab Woelki die weitere Expertise in Auftrag, um Fehler von Verantwortlichen sowie systemische Defizite aufzudecken. Die Anwälte sollten dabei auch prüfen, ob gegen staatliches und kirchliches Recht verstoßen wurde.

Der Kölner Generalvikar Markus Hofmann hatte angekündigt, dass die Kanzlei Namen nennen werde. Erwartet werden zudem Handlungsempfehlungen für den weiteren Umgang mit Fällen von sexualisierter Gewalt. Wenn sich persönliche Schuld herausstelle, könne er Forderungen nach Rücktritten verstehen, so Hofmann. Aber es sei zu differenzieren. Bei Fällen, die aus heutiger Sicht falsch behandelt worden seien, könne auch nach damaliger Kenntnislage kein schuldhaftes Vorgehen vorgelegen haben.

Untersuchungen reichen in Amtszeit von Kardinal Frings zurück 

Der Untersuchungszeitraum reicht zurück bis in die Amtszeiten der Kölner Kardinäle Josef Frings (1887-1978), Joseph Höffner (1906-1987) und Joachim Meisner (1933-2017). Auf den Prüfstand kommen auch die jeweiligen Generalvikare als Leiter der Kirchenverwaltung und die Personalchefs, darunter Norbert Feldhoff.

Aber auch die Arbeit seiner Nachfolger, des heutigen Kölner Weihbischofs Dominikus Schwaderlapp und des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße, sind Gegenstand der Untersuchung. Im Auftrag des Bistums Münster hat die dortige Universität eine ähnliche Studie gestartet. Erste Zwischenergebnisse werden am Mittwochabend präsentiert.


Quelle:
KNA
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