Aschermittwoch der Künstler in Köln
Aschermittwoch der Künstler in Köln
Die ehemalige Kölner Dombaumeisterin Schock-Werner fesselt mit ihrem Vortrag über Notre Dame
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Künstlerseelsorger Prälat Josef Sauerborn begrüßt die mehreren hundert Künstlerinnen und Künstler
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Rainer Maria Kardinal Woelki
Rainer Maria Kardinal Woelki
Die Textilkünstlerinnen Veronika Moos und Traudel Lindauer sowie die Aktionskünstlerin Ingrid Scheller, ehemals Präsidentin des GEDOK-Bundesverbandes
Die Textilkünstlerinnen Veronika Moos und Traudel Lindauer sowie die Aktionskünstlerin Ingrid Scheller, ehemals Präsidentin des GEDOK-Bundesverbandes

27.02.2020

Ehemalige Dombaumeisterin spricht beim "Aschermittwoch der Künstler" "Unsere Kirchen dürfen nicht zu kommerziellen Räumen werden"

Für die einen sind Europas Kathedralen nur Touristenziel, für die anderen Abbild des himmlischen Jerusalems. Doch alle trifft es, wenn eine Kirche wie Notre Dame in Paris brennt. Nach den tieferen Gründen dafür fragte Barbara Schock-Werner.

Als am Abend des 15. April 2019 die Bilder der brennenden Pariser Kathedrale Notre Dame um die Welt gehen, steht nicht nur Frankreich unter Schock. Diese erschütternde Nachricht erreicht in Kürze alle Kontinente. Zuerst ist es nur eine Rauchwolke, die via Twitter gesendet wird. Doch nur wenige Minuten später folgt um 18.50 Uhr der offizielle Alarm: Notre-Dame brennt.

Die Feuerwehr mobilisiert 400 Einsatzkräfte aus dem Großraum Paris, während Fernsehkameras gnadenlos zeigen, wie die Flammen oben auf dem Dach wüten und sich rasend schnell ausbreiten. Ein dichter, graugelber Rauch steigt über der Île de la Cité auf, dem ältesten Teil der französischen Hauptstadt. Die Flammen fressen sich durch den Dachstuhl. Fassungslos verfolgen weltweit die Menschen, wie schließlich der kleine Spitzturm, der im 19. Jahrhundert auf das Mittelschiff gebaut wurde, zusammenbricht und alle Rettungsversuche zu spät kommen. Die große Anteilnahme an diesem Unglück macht deutlich: Notre-Dame ist für viele nicht einfach nur eine Kirche, sondern ein Symbol, das nun lichterloh in Flammen aufgeht.

Erst am nächsten Morgen kann die Feuerwehr endlich Entwarnung geben: Das Feuer ist eingedämmt, Notre-Dame vor der kompletten Zerstörung gerettet. Ein paar Stunden später kommen die ersten Schadensaufnahmen. Der mittelalterliche Dachstuhl, die originale Eichenkonstruktion aus dem 13. Jahrhundert: verloren. Teile der Gewölbekuppeln: eingestürzt. Ebenso der hölzerne Vierungsturm aus dem 13. Jahrhundert. Auch das Mauerwerk ist schwer mitgenommen. Gerettet werden konnte das Gebäude in seiner Gesamtstruktur, ebenso wichtige Kunstschätze wie eine als Dornenkrone Jesu Christi verehrte Hauptreliquie und – wie durch ein Wunder – die gotische Madonna am nordöstlichen Vierungspfeiler aus dem Jahr 1340.

Victor Hugo setzt Notre Dame 1831 ein literarisches Denkmal

Der Platz vor der Kirche gilt den Franzosen als "Punkt null", als das Zentrum ihres Landes, von dem aus die Entfernungen aller Orte Frankreichs zu Paris vermessen werden. In der Kathedrale hat sich einst Napoleon selbst gekrönt, hier wurde nach den Weltkriegen der Frieden gefeiert. Mit seinem 1831 erschienenen Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" verewigte Victor Hugo die Kathedrale in der Literatur und widmet der Beschreibung ihrer ursprünglichen Schönheit im Mittelalter, aber auch ihrem baulichen Wandel während der Folgejahrhunderte in einen mehr als beklagenswerten Zustand ein ganzes Kapitel in seinem weltbekannt gewordenen Werk. Als "Königin unserer Kathedralen", als "ungeheure steinerne Symphonie" und als ein "Menschenwerk fruchtbar wie Gottes Schöpfung", das nicht die geniale Idee eines Einzelnen, sondern ganzer Völker ist, rühmt er sie.

Es ist der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, der die kollektive Betroffenheit einer ganzen Nation als erster in Worte fasst: "Wie alle meine Mitbürger bin ich an diesem Abend traurig, diesen Teil von uns brennen zu sehen." Noch am Unglücksort verspricht er, dieses Herzstück nationaler Identität in nur fünf Jahren wiederaufzubauen und Notre Dame in noch größerem Glanz als zuvor erstrahlen zu lassen.

Schock-Werner koordiniert Wiederaufbauhilfe Deutschlands

Was sich an dem Beispiel von Notre Dame lernen lasse, beschäftigte beim diesjährigen "Aschermittwoch der Künstler" die ehemalige Kölner Dombaumeisterin, Prof. Barbara Schock-Werner. In ihrem Vortrag "Touristenziel oder himmlisches Jerusalem?" fragte sie nach dem Kern dessen, was die Menschen Mitte April des vergangenen Jahres weltweit in ihrer Trauer um die Zerstörung dieses einmaligen Kulturdenkmals geeint hatte, und damit nach der grundsätzlichen Bedeutung von Kathedralen in heutiger Zeit. Dafür listete sie zunächst noch einmal das Ausmaß des entstandenen Schadens auf. Denn bereits zwei Wochen nach dem verheerenden Brand hatte sie auf Bitten von Kulturstaatsministerin Monika Grütters die Koordination für die deutsche Wiederaufbauhilfe Notre Dames übernommen und sich einen ersten Überblick am Ort selbst verschaffen können.

Wiederholte Besuche in Paris ließen sie schnell zu dem Ergebnis kommen, dass jede aktuelle Prognose zur kompletten Wiederherstellung von Notre Dame unseriös sei. Der Bau sei stark verrußt, von hoher Bleibelastung aufgrund der geschmolzenen Dachkonstruktion, teilweise einsturzgefährdet und vor allem durchnässt, so dass das Austrocknen des Mauerwerks noch viele Jahre in Anspruch nehmen werde, erklärte die Expertin. Sie macht sich zurzeit dafür stark, dass ein Teil der 40 ausgebauten Fenster in deutschen Glaswerkstätten – unter anderem in der Kölner – wieder in Stand gesetzt und dafür die deutschen Spendengelder verwendet werden.

"Kathedralen sind für viele schützenswerte Orte"

Doch mehr noch ging es Schock-Werner darum zu betonen, dass Kathedralen wie Notre Dame oder der Kölner Dom als Weltkulturerbestätten eben nicht nur reine Touristenziele seien und bei Besuchern aus aller Welt so beliebt, weil sie berühmt, groß und alt seien, sondern sie darüber hinaus als wichtige Identifikationsmerkmale gelten würden. "Kathedralen sind für Gläubige, Nichtgläubige und Andersgläubige besondere und daher schützenswerte Orte", stellte sie fest.

Nicht zuletzt zeigten das die mitunter 20.000 Besucher pro Tag im Kölner Dom oder die unzähligen Menschen, die vor der Schmuckmadonna eine Kerze in einem bestimmten Anliegen anzündeten. Auch die vielen Messbesucher an den hohen Feiertagen seien nicht einfach so abzutun, erklärte Schock-Werner. "Der Glaube und der Kirchenraum hängen miteinander zusammen." Bemerkenswert sei in diesem Zusammenhang außerdem, dass der Zentraldombauverein mit seinen derzeit 18.000 Mitgliedern trotz rückläufiger Zahlen von Gläubigen immer noch einen Zuwachs verzeichne, sich also selbst viele Nichtkirchgänger um den Dom und seine Pflege sorgten.

Auch das in Köln geläufige besitzanzeigende Fürwort "unser" vor dem Dom sei letztlich Ausdruck einer starken Verbundenheit der Kölner mit dem Herzstück ihrer Stadt. "Kathedralen sind Orte für Geist und Seele", unterstrich die Referentin, "Orte, in denen das Alltägliche unwichtig wird, und Räume, die über sich selbst hinausweisen." Was Victor Hugo einst über die Erhabenheit von Kathedralen geschrieben habe, sei heute aktueller denn je. Nicht umsonst seien Kathedralen für die Menschen des Mittelalters, die diese Baukunst ja erdacht hätten, ein Abbild des Himmels gewesen, den sie zu erreichen glaubten, wenn sie ein gottesfürchtiges Leben führten. Umso wichtiger, so der abschließende Appell der ehemaligen Dombaumeisterin, in Kölns Kathedrale auch zukünftig keinen Eintritt zu erheben. "Wir müssen damit zeigen, dass unsere Kirchen Gotteshäuser sind. Sie dürfen nicht zu kommerziellen Räumen werden."

Sehnsucht nach dem Himmel

In seinem Schlusswort ging auch der Gastgeber dieser traditionellen Aschermittwochsveranstaltung, Rainer Maria Kardinal Woelki, auf die Bedeutung von Kathedralen, in denen sich der Mensch als klein und begrenzt erlebe, ein. "Sie bringen die Sehnsucht des Menschen zum Ausdruck, sich selbst zu überschreiten. Ich bin davon überzeugt, dass solche Orte eine Wirkung ausstrahlen. Sie konfrontieren den Menschen mit dem, was sein Leben ausmacht." Eine Kathedrale schenke der großen Menschheitsfamilie die Erfahrbarkeit von Geborgenheit. Denn im Letzten sehnten sich die Menschen nach dem Himmel und danach, getragen, geliebt, umfangen zu sein, sagte der Kölner Erzbischof. "Kathedralen sind der Einbruch von Transzendenz; ein Einbruch des Himmels auf die Erde."

Beatrice Tomasetti
(DR)

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