Bei den "Adventsmomenten" trat auch schon mal ein Gebärdenchor auf.
Bei den "Adventsmomenten" trat auch schon mal ein Gebärdenchor auf.
Marianne Komp ist Engagementförderin in Zülpich.
Marianne Komp ist Engagementförderin in Zülpich.
Die Veranstaltung zum Thema "Glück" fand große Resonanz.
Die Veranstaltung zum Thema "Glück" fand große Resonanz.
Der Schauspieler Peter Millowitsch bei der Veranstaltung "Schwade im Jade".
Der Schauspieler Peter Millowitsch bei der Veranstaltung "Schwade im Jade".
Pfarrer Guido Zimmermann und Engagementförderin Marianne Komp mit der katholischen Jugend auf dem Straßenmarkt.
Pfarrer Guido Zimmermann und Engagementförderin Marianne Komp mit der katholischen Jugend auf dem Straßenmarkt.
Bei den "Adventsmomenten" trat auch schon mal ein Gebärdenchor auf.
Bei den "Adventsmomenten" trat auch schon mal ein Gebärdenchor auf.

15.02.2020

Was macht eine Engagementförderin? "Das Wichtigste sind Anerkennung und Wertschätzung"

Jahrelang hat sie Seminare für Manager abgehalten. Seit einiger Zeit macht sie Menschen fit fürs kirchliche Ehrenamt – mit großem Erfolg. "Weil es Spaß macht, neue Wege bei der Glaubensgestaltung zu gehen", sagt Marianne Komp über ihre Arbeit.

DOMRADIO.DE: Frau Komp, Sie kommen ursprünglich aus einem ganz anderen beruflichen Bereich und haben bis zu Ihrer ersten Anstellung in der Kirche an einer Business School als Projektleiterin Fortbildungen für Manager konzipiert und durchgeführt. Nun aber haben Sie Feuer gefangen für ein neues Aufgabenfeld innerhalb der katholischen Kirche. Was genau hat Sie an dem Thema Ehrenamtsentwicklung bzw. Engagementförderung angesprochen?

Marianne Komp (Engagementförderin im Seelsorgebereich Zülpich): Eigentlich fing alles mit meiner Arbeit im ökumenischen Kirchengarten der Landesgartenschau 2014 an. Pfarrer Zimmermann kannte mich bereits als Kommunionkatechetin und wollte mich hier für eine Mitarbeit gewinnen. Zu dieser Zeit habe ich noch Manager-Seminare gegeben. Doch die Option von Gestaltungsmöglichkeiten mit 80 Ehrenamtlern, die wir für das Projekt Kirchengarten gewinnen konnten, war hochspannend für mich. Denn hier habe ich gesehen, dass diese Menschen für etwas brannten, gleichzeitig aber auch Suchende waren. Viele von ihnen lebten förmlich die Überzeugung: Wir haben eine Frohe Botschaft. Und die wollen wir weitertragen. Es hat mich sehr beeindruckt, dass es hier Leute gab, die Spaß daran hatten, diese Haltung mit Ideen anzureichern. Vor allem waren viele mit dabei, die nicht unbedingt etwas mit Kirche zu tun hatten, aber für dieses niederschwellige Projekt empfänglich und überhaupt grundsätzlich bereit waren, neue Wege zu gehen, um sich an der Mitgestaltung von Glauben zu beteiligen. Mit diesen Menschen konnte man etwas bewegen.

Und danach ging es dann weiter. 2015 wurde im Erzbistum ein Projekt ins Leben gerufen, bei dem sich sogenannte Ehrenamtskoordinatoren im Umfang einer halben Stelle um die Arbeit von Frei­willigen küm­mern sollten. Relativ zeitgleich erreichte Deutschland die Flüchtlingswelle, und viele Menschen boten hier ohne Zögern ihre Hilfe an. Da man im Bistum aber schnell erkannte, dass auch hier eine Koordination erforderlich war, setzte es für ein Jahr Koordinatoren in der Flüchtlingsar­beit ein, die alle Einsätze bündeln sollten. Und ein weiterer Bereich, in dem sich zu diesem Zeitpunkt viele Ehrenamtliche engagier­ten, war der der Lotsenpunkte bei der Caritas. Dies sind Anlaufstellen für Menschen, die in Not geraten sind und ein offenes Ohr und Un­terstützung benötigen. Zwei Jahre später wurden dann diese drei Initiativen zu einem gemeinsamen Projekt unter der Überschrift "Förderung von Engagement und Ver­antwortung" bzw. "Engagementförderung" zusammengefasst, wofür ich mich sofort begeistern konnte und woran ich dann hängen geblieben bin.

DOMRADIO.DE: Das heißt, Sie haben sich zur Ehrenamtskoordinatorin ausbilden lassen. Was haben Sie bei dieser Schulung ganz praktisch gelernt?

Komp: Das klassische Handwerkszeug in der Kommunikation mit ehrenamtlichen Mitarbeitern oder Getauften und Gefirmten, wie Kardinal Woelki sie gerne nennt. Vom Erstgespräch bis zur Verabschiedung von Menschen, die sich ehrenamtlich in der Gemeinde engagiert haben und nach der Beendigung ihres Dienstes nicht einfach sang- und klanglos verschwinden sollen, haben wir alles durchgespielt. Auch um jeden Einzelnen und seine Motivation zu verstehen, was gerade in ländlichen Strukturen – wie hier im Sendungsraum Zülpich-Veytal – besonders wichtig ist, weil man sich auf jeden individuell einstellen können muss. Was wiederum mit den jeweiligen Bedingungen am Ort zu tun hat. Dabei geht es immer um eine Kommunikation der Wertschätzung – auch in Krisensituationen. Um das zu üben, gab es eine ganze Palette an sehr unterschiedlichen Methoden: Rollenspiele in Kleingruppen, aber vor allem auch geistliche Impulse. Denn gerade die spirituellen Anregungen waren ein total wichtiges Kernthema dieser Ausbildung. Sie tun gut, auch damit man sich selbst reflektiert: Warum bin ich eigentlich hier?

DOMRADIO.DE: Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe?

Komp: Ich bin Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen aus 21 Gemeinden, die ich begleiten, unterstützen, stärken und fördern will. Ich gebe ihnen das nötige Rüstzeug mit, um sie für ihren Dienst zu befähigen. Außerdem bin ich ihr Sprachrohr zu den Hauptamtlichen und auch umgekehrt. Wenn man so will, bin ich das Bindeglied zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen. Dabei fällt mir immer wieder auf: Das Wichtigste für Menschen, die sich aus freien Stücken engagieren, sind Anerkennung und Wertschätzung. Sie wollen gesehen werden. Dass diese Menschen für unser Gemeindeleben wichtig und teils unverzichtbar sind, zeige ich ihnen daher in vielen kleinen Gesten: indem ich ihnen vor den großen Ferien einen Reisesegen oder zu Weihnachten einen Gruß sowie regelmäßig einen Newsletter mit den wichtigsten Themen und Terminen schicke – oder in der Advents- und Fastenzeit über Whatsapp einen Tagesimpuls. Es geht um eine Willkommens- und Verabschiedungskultur sowie um ganz viel Netzwerk- und Beziehungsarbeit. Und natürlich haben wir auch alle zwei Jahre ein großes Ehrenamtsfest, bei dem die Hauptamtlichen mal die Ehrenamtlichen bedienen, und auch zwischendurch immer wieder Treffs, die wie "Ideenbörsen" funktionieren, bei denen sich Ehrenamtliche untereinander begegnen können. Die Botschaft, die ich mit all dem vermitteln will, lautet eigentlich immer: Ich sehe, was Du machst, und ich habe immer ein offenes Ohr für Dich.

DOMRADIO.DE: Sie gehören zu den 60 offiziellen Engagementförderern, die das Bistum 2017 für vier Jahre eingestellt hat und deren Arbeit zurzeit evaluiert wird. Im Moment nehmen Sie an einer neuen Bewerbungsphase teil. Denn im Einzelfall prüft das Generalvikariat gerade, welche Früchte dieses Gesamtprojekt bislang bistumsweit getragen hat, das die Stärkung des ehrenamtlichen Engagements, die Ehren­amtskoordinierung und die Vernetzung von gemeindlichem Leben mit caritati­ver Fachkompetenz in den Caritas- und Sozialverbänden der Stadt- und Kreis­dekanate zum Ziel hat. Was genau machen Sie, und wie fällt Ihre persönliche Bilanz dazu aus?

Komp: Ohne die vielen freiwillig Engagierten in unserer Gesellschaft würde nichts funktionieren. Es würde etwas wegbrechen, was unser Leben maßgeblich beeinflusst und bereichert. Dies betrifft natürlich ganz besonders auch das kirchli­che Leben. Meine Aufgabe besteht darin, möglichst viele Menschen einzubinden und sie dafür zu begeistern, bei uns mitzumachen. Und dann geht es auch darum, Ideen für Veranstaltungen zu entwickeln, die ehrenamtlich getragen werden. Da konnten wir bislang schon eine ganze Menge auf die Beine stellen, indem wir den für die Landesgartenschau entstandenen Kirchenpavillon weiter nutzen. "Schwade im Jade" ist zum Beispiel ein solches Format, das von Anfang an erfolgreich angelaufen ist. Immer ist ein prominenter Gast eingeladen, der zu einem bestimmten Thema auftritt, wie in der Vergangenheit der Politiker Wolfgang Bosbach, der Schauspieler Peter Millowitsch, der Kabarettist Konrad Beikircher oder demnächst der Bestatter Christoph Kuckelkorn.

Mit dieser Talkrunde im Kirchengarten zweimal im Jahr erreichen wir immer auch viele, die sonst mit Kirche nicht unbedingt in Kontakt kommen. Gleichzeitig aber liegt dann stets kirchliches Info-Material aus, mit dem ich für das werbe, was Kirche auch sonst noch so macht. Es ist eben eine Möglichkeit, an die 90 Prozent der Kirchenfernen heranzukommen, die sonntags nicht im Gottesdienst zu finden sind.

Und dann haben wir auch noch viele weniger spektakuläre Angebote: zum Beispiel die "Kleine Pause mit Gott", eine Art Andacht mit Tagesevangelium, Taizémusik und Stille, die Aktion "HERReinspaziert", mit der wir in besonderer Weise zum Betreten unserer Kirche St. Peter einladen, die Gesprächsreihe "Himmel un Ääd" in der Kneipe oder "Adventsmomente". Bei allen diesen Einheiten zeigt die Gemeinde mit sehr konkreten Menschen sprichwörtlich ihr Gesicht. Auch zu solchen Veranstaltungen kommen Besucher von überall her. Und sie nehmen wahr, dass hier Kirche gelebt wird und lebendig ist. Das ist für mich "Evangelisierung", wie Kardinal Woelki sie meint.

DOMRADIO.DE: Ein auf das persönliche Bedürfnis zugeschnittenes Ehrenamt finden – das bedeutet ja zunächst einmal, wie eine Personalagentur auf die individuellen Fähigkeiten des Bewerbers zu schauen, sehr unterschiedliche Charismen zu erkennen und sie dann auch für die Sache gewinnbringend einzusetzen…

Komp: Die meisten Menschen haben ziemlich genaue Vorstellungen, wie und wobei sie sich engagieren wollen. Ob sie eher mit alten Menschen oder mit Kindern arbeiten wollen, im Caritasausschuss, im Familienausschuss oder bei kulturellen Themen. Viele kommen wirklich sehr entschieden. Bei anderen sehe ich selbst manchmal ein großes Potential, das noch geweckt werden will, und spreche sie dann gezielt an. Viele, die bei der Bewältigung der Flüchtlingswelle halfen, wollten danach weiter beim Lotsenpunkt mitmachen oder haben sich dann für die Seniorenarbeit interessiert. Gut ist dann, wenn man einfach viele Leute kennt und bei der Vermittlung an die richtige Stelle weiterhelfen kann. Es geht eben auch viel um Mutmachen und Motivierung. Außerdem ist wichtig, Ehrenamtler nicht ausschließlich als Arbeitskräfte zu sehen, sondern sich auch dann um jemanden zu kümmern, wenn er aufgrund von Krankheit oder der des Partners ausfällt. Wie gesagt, man muss Freude an Beziehungsarbeit haben und gerne mit Menschen zu tun haben.

DOMRADIO.DE: Welche Projekte haben Sie bislang angestoßen, die sofort durch die Decke gegangen sind, bei denen Sie also eine tiefe Befriedigung empfunden haben? Und wo gibt es noch offene Wünsche?

Komp: Mit unserem Magazin "Zhoch3", das eine Art alternativer Pfarrbrief ist, Titel wie "Glück", "Anders", "Adieu" oder "Frei" trägt und monothematisch ausgerichtet ist, erreichen wir viele Kirchenfernstehende, eben weil nicht gleich groß drauf steht, dass es von der katholischen Kirche kommt, und sich die Geschichten dieses Heftes mit lebensrelevanten Fragen befassen. Hierauf bekommen wir sehr viel positive Resonanz. Außerdem freue ich mich immer extrem, wenn jemand aus Lust am Gestalten mit einer eigenen Idee auf mich zukommt und fragt: Können wir da etwas gemeinsam auf die Beine stellen? Da gibt es viel, was für die Zukunft Mut macht.

Aber natürlich gibt es auch Themen, bei denen noch Luft nach oben ist. Ich würde zum Beispiel gerne ein "Mobilitätsprojekt" starten, um alte Menschen am Sonntag zur Kirche abzuholen. Oder wenn ich von einer bestimmten Gruppe, die auf den ersten Blick nicht unbedingt sichtbar ist, erfahre, dass es da nicht gut läuft, konzentriere ich mich erst einmal darauf, hier personell Entlastung zu schaffen. Dann träume ich noch von einem Raum mitten in der Stadt als eine Art "Begegnungscafé", in das die Menschen von der Straße mit allen ihren Themen kommen können, damit Kirche mitten im Leben Präsenz zeigt. Auch eine mobile Bücherei wäre denkbar, um Menschen, die nicht mehr aus dem Haus kommen, mit Lektüre zu versorgen, oder ein kleiner Bus, der die vielen Fahrten für die Senioren übernehmen könnte. Und natürlich treibt mich um, für die Zukunft Teams von Verantwortlichen für jede Form kirchlichen Lebens aufzubauen, wenn es dauerhaft immer weniger Hauptamtliche in der Seelsorge geben wird und damit ein Teil kirchlichen Lebens wegzubrechen droht.

DOMRADIO.DE: Nun frage ich einmal bewusst provokativ: In Ihrem Seelsorgebereich floriert das Ehrenamt ja geradezu. Ist es da für die Kirche nicht auch eine bequeme und kostengünstige Lösung, weite Arbeitsbereiche der Gemeinde ehrenamtlich abzudecken?

Komp: Als Christin ist es mir ein Bedürfnis, mich für Jesus Christus zu engagieren. Hierfür setze ich alle meine Kraft ein. Ich kann Kirche mitgestalten – mit meiner persönlichen Note. Das bedeutet mir persönlich viel. Und ich gehe davon aus, dass es anderen genauso ergeht. Natürlich sind ehrenamtliche Mitarbeiter in unseren Kirchengemeinden unverzichtbar, und ihre Vielfalt bereichert Kirche am Ort ungemein. Aber Ehrenamt darf auch nicht überstrapaziert werden oder verpflichtend werden. Dass jemand einen Beitrag aus einer tiefen inneren Freude am Mitmachen heraus leistet, ist ganz wichtig. Sonst funktioniert es auch nicht. Ehrenamt darf nicht Bürde oder Last, sondern muss Lust sein.

Und Ehrenamt ist ein Geben und Nehmen. Ich bin lediglich dafür da, am Ort die Rahmenbedingungen abzustecken, damit Ehrenamt gelingt. Und da ist meines Erachtens auch unerheblich, ob es schon mal Frust über die eine oder andere Entwicklung in der Kirche gibt, der von manchen auch immer mal wieder ins Feld geführt wird. Ich sage immer: Ich arbeite nicht primär für den Pastor oder die Institution Kirche, sondern für Jesus Christus. Er ist es, der mir am Herzen liegt.

Beatrice Tomasetti
(DR)

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