Gottfried Böhm bei einem Kaffee in seinem Wintergarten
Gottfried Böhm bei einem Kaffee in seinem Wintergarten
Martin Struck
Martin Struck
Taufbecken in der Kirche Sankt Gertrud
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Kirche Sankt Gertrud in Köln
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Die Wallfahrtskirche "Maria, Königin des Friedens" im Velberter Ortsteil Neviges
Die Wallfahrtskirche "Maria, Königin des Friedens" im Velberter Ortsteil Neviges
Zur Verabschiedung von Josef Rüenauver 2001 kamen Paul und Gottfried Böhm sowie sein Nachfolger Martin Struck.
Zur Verabschiedung von Josef Rüenauver 2001 kamen Paul und Gottfried Böhm sowie sein Nachfolger Martin Struck.

23.01.2020

Kölner Erzdiözesanbaumeister zu Werken von Gottfried Böhm Seine Architektur zeichnet sich durch Menschlichkeit aus

Vor allem die Qualität seiner Bauten, nicht nur im Erzbistum Köln, ist beeindruckend für den Erzdiözesanbaumeister Struck. Manchmal kann der Architekt Gottfried Böhm ein sturer Kopf sein, die Zusammenarbeit ist aber durchaus von gemeinsamer Freude geprägt.

DOMRADIO.DE: Herr Struck, Gottfried Böhm feiert seinen 100. Geburtstag. Ein bedeutsamer Architekt auch für das Erzbistum Köln. Was zeichnet ihn mit seinen sakralen Bauten für das Erzbistum aus?

Martin Struck (Kölner Erzdiözesanbaumeister): Gottfried Böhm hat im Erzbistum 25 Kirchen und Gemeindezentren gebaut. Das ist schon von der Quantität ganz enorm. Außer Bernhard von Rotterdam, der ja in den 50er-Jahren noch mehr Kirchen gebaut hat, gibt es keinen der eine solche Fülle und Vielfalt an Gebäuden im Erzbistum hinterlassen hat. Das ist schon etwas ganz besonderes.

Seine Bauten selbst haben eine extrem hohe Qualität, nicht nur aus meiner Sicht als Architekt, sondern auch in den Gemeinden sind sie hoch angesehen. Ich kenne viele Mitglieder der Gemeinden, die ihre Böhm-Bauten heiß und innig lieben. Architektur wird ja oft als kühl oder kalt wahrgenommen. Bei den Böhm-Bauten ist das nicht der Fall. Sie zeichnen sich durch Menschlichkeit aus.

DOMRADIO.DE: Gehörte da seiner Zeit auch etwas Mut dazu, Böhm-Kirchen bauen zu lassen?

Struck: Das eigenartige ist, dass Böhm nie der hochstilisierte Architekt war. Dennoch hat er 1986 den Pritzker-Preis, also den Nobelpreis für Architektur, wegen der hohen Qualität seiner Bauten bekommen. Die damalige Architekturpresse hat geschrieben, dass Böhm überwiegend historische Elemente verwendete und weniger modern war. Er wollte immer wieder die Tradition fortführen und hat uns dadurch ein Werk hinterlassen, das nie klar modern ist. Moderne Bauten sind klar, meist weiß und kühl und funktionalistisch gestaltet.

Böhms Bauten sind anders und haben etwas Anheimelndes in Form von kleinen Eckchen, in denen man sich gern aufhält. Die Materialqualität der Backsteine ist sehr hochwertig. Die Betonarbeiten mit den Kiesszuschlägen hat außerdem eine gute Haptik. Das ist etwas, was überzeitlich die Qualität ausmacht und Gottfried Böhm und seine Bauten in die Zukunft führt.

DOMRADIO.DE: Sie als Baumeister arbeiten auch mit Böhm zusammen. Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit diesem bedeutsamen Architekten?

Struck: Gottfried Böhm ist eine sehr nette Persönlichkeit, da macht es natürlich Spaß mit ihm gemeinsam zu bauen. Er ist aber auch ein sturer Kopf, der seine Ideen hat, man kennt das ja von Architekten. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Es ist aber auch nicht immer gut, wenn viele Leute ins Werk hineinreden. Dann ist es nicht eindeutig. Deshalb geht es in der Architektur nicht immer demokratisch zu. Wenn man ihm als Bauherr vertraut und seine Vorstellungen des Baus annimmt, wird man mit hoher Qualität belohnt.

Das Interview führte Alexander Foxius.

(DR)

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