Kirche auf dem Weg
Kirche auf dem Weg
Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Gregor Stiels, Vorsitzende des Katholikenausschusses
Stadtdechant Msgr. Robert Kleine, Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Gregor Stiels, Vorsitzende des Katholikenausschusses

16.01.2020

Kölner Stadtdechant über eine Kirche auf dem Weg "Es geht um eine Vision von Kirche"

Pastoraler Zukunftsweg im Erzbistum Köln, Synodaler Weg auf Bundesebene: Bischöfe und Laien sind in diesen Tagen ordentlich unterwegs. Der Kölner Stadtdechant Robert Kleine über Kreuzungen und Weggabelungen.  

DOMRADIO.DE: Beim jüngsten Dreikönigsempfang in Köln, zu dem traditionell das katholische Stadtdekanat Köln und der Katholikenausschuss (KA) einladen, gab es neben der Rede der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker auch aktuelle Positionsbestimmungen von Ihnen und dem Vorsitzenden des KA, Herrn Gregor Stiels. Sie beide gingen dabei auch auf die aktuellen Herausforderungen der katholischen Kirche ein, die derzeit auf dem Synodalen Weg von Deutscher Bischofskonferenz (DBK) und Zentralkomitee der Katholiken (ZDK) aber auch auf dem Pastoralen Zukunftsweg des Erzbistum Kölns behandelt werden. Manche sagen ja, der Weg ist das Ziel. Welches Ziel ist es denn in Ihren Augen?

Msgr. Robert Kleine (Kölner Stadtdechant): Beim Synodalen Weg, das habe ich auch in meiner Rede offen angesprochen, geht es darum, nach den furchtbaren Missbrauchsfällen und dem daraus folgenden Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust der Kirche die – auch von der Missbrauchsstudie benannten - Themen miteinander zu diskutieren, damit die Kirche neu, kraftvoll und vor allem glaubwürdig ihrer eigentlichen Berufung folgen kann. Die Kirche ist ja kein Selbstzweck; sie steht nicht für "etwas" sondern für Jesus Christus.

Und auch auf dem Kölner Pastoralen Zukunftsweg geht es um ein gemeinsames und solidarisches Nach-vorne-Schauen der Gläubigen als Getaufte und Gefirmte. Es geht um eine konkrete gemeinsame Perspektive für die Kirche im Erzbistum Köln im Jahr 2030 und darüber hinaus. Es geht um eine Vision von Kirche, Glaubensleben und Gemeinde vor Ort.

DOMRADIO.DE: Die Kirche, so hat das der Vorsitzende des Katholikenausschusses, Gregor Stiels, am Montag formuliert, habe ein massives Imageproblem und sei weit weg von der Sprache und von den Themen der Menschen. Die Strukturen würden von vielen als rückschrittlich und intransparent angesehen, so Stiels. Ist das so?

Kleine: Einige Formulierungen von Herrn Stiels kann ich nicht unterschreiben, die sind mir zu plakativ. Und manches halte ich auch für nicht richtig. Mit Schwarz-Weiß-Zeichnen kommt man doch nicht weiter. Für mich haben die beiden "Wege", die gerade auf Landes- und Bistumsebene gegangen werden, doch genau das Ziel, in einem Miteinander-Diskutieren und auch einem Miteinander-Ringen die Fragen, die die Menschen innerhalb und außerhalb unserer Kirche bewegen, zu beraten und zu Ergebnissen und Entscheidungen zu kommen, durch die das Vertrauen in die Kirche wieder zunimmt, durch die die Kirche Glaubwürdigkeit zurückgewinnt und die Frohe Botschaft nicht verdunkelt, sondern glaubhaft und froh verkünden kann.

Dabei muss allen klar sein, dass es keine "deutsche Nationalkirche" gibt; grundsätzliche Entscheidungen müssen in der Gemeinschaft der Weltkirche diskutiert werden. Aber es kann doch ganz hilfreich und zielführend sein, wenn in verschiedenen Regionen zu einzelnen Themen Vorschläge erarbeitet und Voten nach Rom geschickt werden. Und manches kann sicherlich auch für den Bereich der Deutschen Bischofskonferenz oder beim Pastoralen Zukunftsweg konkret für unser Erzbistum angeregt oder beschlossen werden.

DOMRADIO.DE: Beim Synodalen Weg werden in Foren einige "heiße Eisen" angepackt. Ein Thema lautet "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag".  

Kleine: Jesus hat vor seiner Himmelfahrt gesagt: "Macht alle Völker zu meinen Jüngern!" Das ist unverändert der Auftrag der Kirche. Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Gedanken des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen neu betont. Deshalb sind alle Getauften und Gefirmten berufen, am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken – unter der Leitung des Bischofs von Rom und des jeweiligen Ortsbischofs. In dessen Auftrag handeln die Geistlichen vor Ort.

Aber das sind ja alles keine absolutistischen Herrscher, dem Amtsverständnis nach sollen es Diener des Evangeliums sein. Vielleicht muss das noch einmal deutlicher werden. Der Heilige Augustinus hat einmal gesagt "Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ." Die katholische Kirche kann keine Demokratie – das widerspricht ihrem Auftrag und Selbstverständnis. Aber es gibt Beteiligungsmöglichkeiten, gerade auch in unserem Erzbistum. Auf dem Synodalen Weg sind neben den Mitgliedern der Bischofskonferenz auch paritätisch Frauen und Männer als Mitglieder berufen beziehungsweise gewählt worden.

Und im Rahmen des Pastoralen Zukunftswegs gab es drei große Regionalforen, an denen sich alle beteiligen konnten. Der von Erzbischof Woelki neu aufgestellte Diözesanpastoralrat ist ja auch bewusst ein Gremium, in dem die unterschiedlichsten Gruppen von Gläubigen in unserem Erzbistum miteinander ins Gespräch kommen. Wobei unser Erzbischof dort von Anfang an auch ganz klar gesagt hat, dass das ein Beratungsgremium ist, kein Entscheidungsgremium. Die Leitungsverantwortung liegt immer klar beim Bischof, aber er ist sicherlich gut beraten, wenn er sich gut beraten lässt und zuhört.

DOMRADIO.DE: Vermutlich sehr lebendig wird es sicherlich auch beim Forum "Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche" zugehen?

Kleine: Viele Menschen außerhalb, aber auch innerhalb der Kirche verstehen nicht, dass bestimmte Aufgaben und Ämter Frauen vorenthalten werden. Die Frage von Weiheämtern kann natürlich nur auf weltkirchlicher Ebene entschieden werden; mit der Frage des Diakonats der Frau beschäftigt sich ja eine von Papst Franziskus eingesetzte Kommission. Wichtig scheint mir, dass einerseits keine falschen Hoffnungen mit dem Synodalen Weg verbunden werden, nach dem Motto: Wenn es ein Mehrheitsvotum für diese oder jene Veränderung oder Neuerung gibt, sind wir einen großen Schritt weiter. Wie gesagt, es ist ein Thema der Weltkirche – und in vielen Regionen der Welt zurzeit kein Thema…

Aber die Sache ist ja auch vielschichtiger: Wo und wie können Frauen ihre Kompetenzen und Charismen in der Kirche einbringen? Manche haben jenseits der Weiheämter den Eindruck, die katholische Kirche sei eine "Männerkirche". Seit Jahren gibt es in der Bischofskonferenz ein Mentoring für Frauen in kirchlichen Führungspositionen. Unter Kardinal Woelki wurden wesentliche Stellen in der Bistumsleitung mit Frauen besetzt. Aber sicherlich ist da noch viel mehr drin. Und zwar nicht als – wie manchmal abschätzig formuliert wird - "Quotenfrauen". Leider mache ich die Erfahrung, dass sich für Leitungspositionen wenig Frauen bewerben. Hier in Köln war das zum Beispiel im Bereich der Rendantur und des Caritasverbandes so. Und bei der Caritas stand am Ende des Auswahlverfahrens eine Frau.

Aber auch in Gremien ist noch viel Spielraum nach oben. Im Kölner Katholikenausschuss beispielsweise gab es bei der letzten Wahl nur männliche Kandidaten für den Vorsitz und die drei Stellvertreter.

DOMRADIO.DE: Was erhoffen Sie sich für die nun laufenden Prozesse?

Kleine: Zum einen, dass wir in unserer Kirche miteinander reden und nicht übereinander. Und das ohne "Brandreden". Zum anderen, dass wir uns alle an den Apostel Paulus halten: "Löscht den Geist nicht aus! Verachtet prophetisches Reden nicht! Prüft alles und behaltet das Gute!"

(DR)

Die neue Bibel-Nacht

Ein in Deutschland einmaliges Nachtprogramm: Jede Nacht sind in der Zeit von 23 Uhr bis 6 Uhr verschiedene Kapitel aus dem Neuen Testament zu hören.

Weihbischof Puff: täglicher Impuls und Fürbitten

Messenger-Gemeinde

Im Video: Täglicher Gottesdienst

Sehen Sie hier den täglichen Gottesdienst aus dem Kölner Dom. An Werktagen ab 9 Uhr, an Sonn- und Feiertagen ab 12 Uhr in der Mediathek.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Jeden Morgen von Montag bis Freitag on Air und Online: Schwester Katharina Hartleib aus Olpe begleitet Sie mit spirituellen Impulsen in den Tag.

Der gute Draht nach oben!

Tageskalender

Radioprogramm

 27.02.2020
06:30 - 10:00 Uhr

DOMRADIO - Der Morgen

  • Wie gehen die Kirchen damit um? Erster Coronavirus-Fall in NRW
  • Angebote der Kirchenzeitung im Erzbistum Köln für die Fastenzeit
  • Berlinale – ein Zwischenbericht
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Fastenbier als Ausnahme in der Fastenzeit?
  • Seelen-Sehnsucht? Fastenpredigtreihe in Bonn
  • Kinotipp
10:00 - 15:00 Uhr

DOMRADIO Der Tag

  • Fastenbier als Ausnahme in der Fastenzeit?
  • Seelen-Sehnsucht? Fastenpredigtreihe in Bonn
  • Kinotipp
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Buch "Phrase Unser" über die Sprache der Kirchen
  • "Vertrauenskrise" in der katholischen Kirche?
  • "Königlich, Menschlich, Göttlich" – Ausstellung im Essener Dom
15:00 - 19:00 Uhr

DOMRADIO Der Nachmittag

  • Buch "Phrase Unser" über die Sprache der Kirchen
  • "Vertrauenskrise" in der katholischen Kirche?
  • "Königlich, Menschlich, Göttlich" – Ausstellung im Essener Dom
19:00 - 22:00 Uhr

DOMRADIO Der Abend

  • Corona-Virus in Heinsberg
  • Endspurt auf der Berlinale
  • Gläubige verlieren Glauben an die Kirche
22:00 - 22:30 Uhr

DOMRADIO Nachtgebet

Passionsspiele 2020

Berichte, Bilder, Interviews und Videos aus Oberammergau.

DOMRADIO.DE auch auf Alexa

Gottesdienste, Nachrichten und das Evangelium – jetzt täglich auch auf Ihrem Echo und Echo Show!

Wort des Bischofs

Der geistliche Impuls von Kardinal Woelki. Jeden Sonntag neu.

Wochenkommentar

Der DOMRADIO.DE Chefredakteur blickt auf die Woche.

Kostenlose Radio-App für iPhone und Android

Nehmen Sie Ihr DOMRADIO.DE mit wohin Sie wollen und wann immer Sie Lust haben. Funktionen: Nachrichten, Podcasts, Mediathek, Wecker, Sleep-Timer, Bluetooth, Chromecast, AirPlay, CarPlay, Android Wear…