Ursulinenschule: Begegnung mit Obdachlosen
Ursulinenschule: Begegnung mit Obdachlosen
Erzbischöfliche Ursulinenschule Köln
Erzbischöfliche Ursulinenschule Köln

21.11.2019

Kölner Ursulinenschule veranstaltet regelmäßig "Wohlfühl-Morgen" für Bedürftige "Menschen wie du und ich"

An mehreren Samstagen im Jahr öffnet die Erzbischöfliche Ursulinenschule Köln ihre Tore für Obdachlose. Am "Wohlfühl-Morgen" gehe es nicht nur um praktische Hilfe, sondern auch um Begegnung, betont Projektleiter Helmut Loggen.

DOMRADIO.DE: Müssen die Schülerinnen, die vielleicht sonst nichts mit Bedürftigen zu tun haben, nicht erstmal Berührungsängste abbauen?

Dr. Helmut Loggen (Ehrenamtlicher Leiter des Wohlfühlmorgens, Malteser Stadt Köln): Ja, die Schülerinnen werden von ihrer Lehrerin Anja Görner auf den "Wohlfühl-Morgen" vorbereitet. Zuständig ist immer ein Jahrgang - die Klasse 9, die das Ganze dann auch viermal hintereinander begleitet. Und schon nach dem ersten Mal sehen die Schülerinnen, dass Berührungsängste gar nicht angesagt sind. Obdachlose und bedürftige Menschen sind Menschen wie du und ich.

DOMRADIO.DE: Wie läuft denn so ein "Wohlfühl-Morgen" ab?

Loggen: Wir führen die "Wohlfühl-Morgen" in der Schule durch, viermal im Jahr. Wir fangen um halb acht mit dem Aufbau an. Es wird eine Küche aufgebaut, ein kölsches Buffett wird serviert, auch mal eine warme Speise. Das machen wir alles zusammen mit den Schülerinnen. Sie haben verschiedene Funktionen, bis hin zum Spülen. Und so kommen rund 200 Bedürftige und Obdachlose regelmäßig in die Ursulinenschule.

Und es werden nicht nur Speisen angeboten. Die Gäste haben auch die Möglichkeiten zu duschen. Es gibt Friseur- und Fußpflege-Angebote. Sie können sich auch komplett neu einkleiden. Wir haben auch eine Kleiderkammer. Es geht uns aber in erster Linie darum, neben der Grundversorgung mit den Menschen in Kontakt zu kommen, mit ihnen zu sprechen. Viele haben auch ein hohes Kommunikationsbedürfnis. Das nehmen wir dann in unterschiedlicher Form wahr. Teilweise machen es die Schülerinnen, teilweise machen es aber auch die ehrenamtlichen Mitglieder der Malteser, die uns unterstützen..

DOMRADIO.DE: Und es wird auch Seelsorge angeboten?

Loggen: Einer unserer Helfer ist auch Seelsorger, Diakon Knörzer, der auch intensive Gespräche mit den Gästen führt. Es ist ja auch ein Kreis, der sich über viele Jahre kennt. Das ist ja keine Laufkundschaft. Viele kommen ständig zu diesem "Wohlfühl-Morgen".

DOMRADIO.DE: Gibt es denn ein großes Interesse an Seelsorge?

Loggen: Das ist, wie in unserer Gesellschaft, unterschiedlich. Wir haben Menschen, die sehr nach Seelsorge verlangen. Andere sind schon froh, wenn sie nur ein Gespräch führen können. Wir führen ja auch eine Wallfahrt mit den Gästen durch - einmal im Jahr, im Mai, gemeinsam mit den Maltesern. Auch da ist es unterschiedlich. Es sind Gäste mit der hohen Spiritualität dabei, denen es ein großes Anliegen ist, nach Kevelaer zum Gnadenbild der Muttergottes zu fahren. Andere nutzen es aber auch als Ausflug. Auch das ist aber für uns in Ordnung. Es gibt eine Berührung mit Kirche, mit Gott, und das ist uns wichtig.

DOMRADIO.DE: Wie ist es denn mit den Schülerinnen? Was bringt das Projekt denen denn?

Loggen: Die Schülerinnen lernen, sich sozial zu engagieren. Sie machen auch die Erfahrung, dass das auch Freude macht, sich mit Menschen am Rande unserer Gesellschaft zu befassen. Es sind ja Menschen, die irgendwann mal im Leben falsch abgebogen sind, die nicht in einem so privilegierten Umfeld aufgewachsen sind wie die Schülerinnen. Und das zu erkennen, ist für die Schülerinnen ein hohes Gut.

DOMRADIO.DE: Es gibt das Ganze schon seit 2006. Die Zahl der Besucher ist stetig angestiegen. Es hat mit 50 Leuten angefangen - jetzt sind es um die 200 Gäste. Gibt es auch mehr Bedarf für solche Sachen heutzutage in der Gesellschaft?

Loggen: Dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht, ist ja allgemein bekannt. Die Stadt Köln erhebt ja gar nicht, wie viele Obdachlose hier in dieser Stadt leben. Es gibt inoffizielle Zahlen, nach denen sind es 200 Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben. Daneben gibt es aber noch 6.000 weitere Menschen, die als wohnungslos gelten, aber immer wieder irgendwo eine Unterkunft finden. Ich gehe davon aus, dass der Bedarf auf jeden Fall steigt.

DOMRADIO.DE: Wie sollten wir uns als normale Menschen verhalten, wenn wir mit Obdachlosen zu tun haben.

Loggen: Das ist eine schwierige Frage. Es setzt ja auch nicht nur ein gutes Herz voraus, sondern man muss auch sehen, wie man die Menschen anspricht. Für sie ist die Straße ein Stück Privatsphäre. Man kann nicht ohne weiteres auf sie zugehen und fragen: Kann ich etwas für dich tun. Ich denke, mit einer kleinen Spende kann man schon mal ein Signal geben, dass die Menschen nicht vergessen werden. Ansonsten gibt es auch die Möglichkeit, sich über größere Spenden an die Malteser zu wenden. Da sind wir immer dankbar. Der "Wohlfühl-Morgen" muss ja auch finanziert werden.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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