Weihbischof Schwaderlapp begrüßt ein Kind
Weihbischof Schwaderlapp begrüßt ein Kind

11.10.2019

Weihbischof Schwaderlapp über das richtige Firmungs-Alter Eine Frage der Reife

Bischof Oster hält es für "ehrlicher", junge Katholiken erst ab 16 Jahren zu firmen. Das hat er in der aktuellen Ausgabe der "Herder Korrespondenz" noch einmal bekräftigt. Der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp sieht das nicht so streng.

DOMRADIO.DE: In dem Wort "Firmung" steckt Stärkung schon drin. Können Sie erklären, warum die Firmung für Katholiken als Sakrament so wichtig ist?

Weihbischof Dr. Dominikus Schwaderlapp (Domkapitular und Weihbischof im Erzbistum Köln): Es gehört zu den drei Sakramenten, die den Christen in die Kirche eingliedert. Beginnend mit der Taufe, dann die Firmung, die das Ganze verstärkt und noch einmal besonders Sendung befähigt. Das dritte ist die Heilige Eucharistie. In unserer Hemisphäre ist es üblich, dass Heranwachsende die Firmung gespendet bekommen. In der Orthodoxie und in orientalischen Kirchen ist es zum Beispiel so, dass die Firmung direkt mit der Taufe gespendet wird, weil deutlich werden soll: Die Eingliederung in die Kirche gehört zusammen. Deshalb wird auch einem Baby schon die Heilige Kommunion durch ein Löffelchen gereicht.

DOMRADIO.DE: Firmung ist also etwas, womit man bewusst seinen Glauben bestätigt. Ist das richtig?

Schwaderlapp: Die Erstkommunion zum Beispiel soll in dem Alter sein, wo man eine normale Speise und die Heilige Kommunion als den Leib des Herrn schon unterscheiden kann. Und die Firmung wird in einem Alter gespendet, wo man tatsächlich auch schon in der Lage ist, sich selbst zu entscheiden. Natürlich spielen bei den Jugendliche in dem Alter verschiedenen Einflüsse eine große Rolle.

Das sind etwa die Eltern, die Großeltern, aber auch die "Peergroup" (Gruppe von etwa gleichaltrigen Kindern oder Jugendlichen, die als primäre soziale Bezugsgruppe neben das Elternhaus tritt, Anm. d. Red.) und andere Dinge. Aber die Jugendlichen sind schon in einem Alter, in dem sie selbst entscheiden können und junge Leute legen auch darauf Wert.

DOMRADIO.DE: Der Passauer Bischof Stefan Oster hat jetzt erneut eine Debatte über ein Firmungsalter mit 16 ins Gespräch gebracht. Wie sieht es eigentlich im Erzbistum Köln aus? Da gibt es keine konkrete Altersgrenze?

Schwaderlapp: De facto ist es zwischen 15 und 18. In Einzelfällen, wenn schon mal Geschwister dabei sind, ist ein Jugendlicher vielleicht auch schon mal erst 14. Aber wenn man sich das Schwerpunkt-Alter anschaut, würde ich sagen, liegt es bei uns bei 16 Jahren. Ich glaube, in den bayerischen Diözesen ist dies etwas jünger. Es gibt für jedes Firmalter ganze Bibliotheken darüber, weshalb das nun das Richtige ist. Ich bin da relativ leidenschaftslos.

Ich habe auch mit 14-Jährigen schon gute Glaubens-Gespräche geführt und erlebt, dass sie sich tatsächlich frei und entschieden zu diesem Sakrament bekennen. Bei manchen 16-Jährigen ist das noch nicht der Fall. In diesem Alter ändert sich ja bei den jungen Leuten viel. Die Hormone spielen auch noch verrückt. Man muss sicherlich auch noch Rahmenbedingungen mitbedenken. Etwa mit 16 oder 17 Jahren machen einige auch den Schulabschluss. Man muss da Verschiedenes miteinander abwägen.

DOMRADIO.DE: Sie haben schon die Gespräche angesprochen, die Sie mit den Jugendlichen führen. Kommt es auch mal vor, dass Sie sagen: "Du bist zu jung, komm  in zwei Jahren nochmal."

Schwaderlapp: Nein, das überlasse ich den Seelsorgebereichen. Aber es ist tatsächlich so: Ich wüsste nicht, dass ich schon mal - zumindestens bei den deutschsprachigen Gemeinden - einen gefirmt habe, der jünger war als 14 Jahre. 14 ist schon die absolute Ausnahme.

Ich bin aber auch bei uns für die sogenannte internationale katholische Seelsorge zuständig. Da gibt es in den anderen Ländern, bei den Katholiken anderer Muttersprache auch andere Traditionen, die ich dann auch respektiere. Zum Beispiel habe ich in der vietnamesischen Gemeinde Firmung gehabt, da waren auch 12-Jährige dabei.

Das Interview führte Renardo Schlegelmilch.

(DR)

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