Generalvikar Msgr. Markus Hofmann
Generalvikar Msgr. Markus Hofmann
Monsignore Ulrich Hennes
Monsignore Ulrich Hennes

19.09.2019

Kölner Generalvikar zur Amtsenthebung des Düsseldorfer Stadtdechanten "Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht"

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat Ulrich Hennes vom Amt des Düsseldorfer Stadtdechanten entbunden. Generalvikar Markus Hofmann spricht im Interview mit DOMRADIO.DE über die Hintergründe des Falles.

DOMRADIO.DE: Msgr. Hennes ist als Stadtdechant abgesetzt worden, obwohl er durch die Ermittlungen entlastet worden sein soll. Warum?

Generalvikar Msgr. Dr. Markus Hofmann: Richtig ist, dass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen eingestellt worden sind, weil offenbar keine Straftat vorliegt. Auch im kirchenrechtlichen Sinne sprechen wir hier nicht von einer Straftat. Gleichwohl handelt es sich um ein schweres Vergehen. Es liegen glaubwürdige Berichte vor, nach denen Hennes an einem damals 20 Jahre alten Mann, der sich in einem seelsorgerischen Gespräch ratsuchend an ihn gewandt hatte, sexuelle Handlungen vorgenommen hat.

DOMRADIO.DE: Also ein Verstoß gegen den Zölibat?

Hofmann: Nicht nur das. Es ist ja nicht einfach zu einem sexuellen Kontakt gekommen, also etwa durch eine Bekanntschaft aus einem anderen sozialen Zusammenhang. Das besondere Vertrauensverhältnis zwischen einem jungen, ratsuchenden Menschen und einem Priester spielt hier die entscheidende Rolle, nicht der Zölibat.

DOMRADIO.DE: Msgr. Hennes bestreitet, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen ist. Warum glauben Sie ihm nicht? Und warum gilt hier nicht der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“?

Hofmann: Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, sondern die Vorwürfe gründlich geprüft und sind zu der festen Überzeugung gelangt, dass das Geschehen sich tatsächlich so zugetragen hat. Der Betroffene konnte seine Aussage sehr glaubwürdig untermauern. Er war auch bereit, eine eidesstattliche Versicherung zu unterschreiben. Und er konnte fünf Personen benennen, denen er damals zeitnah vom Geschehen berichtet hat. Auch diese fünf Personen sind inzwischen angehört worden, und auch sie haben eidesstattliche Versicherungen unterschrieben. 

DOMRADIO.DE: Stimmt es, dass der Kardinal Hennes ein Angebot gemacht hat: Er könne Priester bleiben, wenn er eine Schuld eingesteht?

Hofmann: Msgr. Hennes bleibt Priester, auch nach der jetzt vom Erzbischof getroffenen Entscheidung, ihn vom Amt des Stadtdechanten zu entpflichten und die Amtsenthebung als Pfarrer einzuleiten. Monsignore Hennes ist in einem persönlichen Gespräch am Mittwoch die Chance gegeben worden, sich zu seinem Fehler zu bekennen, auch in der Öffentlichkeit dafür geradezustehen und Verantwortung zu übernehmen. Das wäre aus unserer Sicht für alle, gerade auch für ihn selbst, die bessere Lösung gewesen. Dass wir in einer Pressemitteilung nun unsererseits der Öffentlichkeit erklären müssen, worum es hier geht, ergibt sich aus seiner Ablehnung, einen Fehler einzugestehen. Er bestreitet, was ihm vorgeworfen wird, das ist sein gutes Recht. Aber wir haben gute Gründe, dem Betroffenen zu glauben und nicht Msgr. Hennes.

DOMRADIO.DE: Die katholische Kirche wird für ihren Umgang mit Homosexualität immer wieder kritisiert. Spielt die sexuelle Ausrichtung in dieser Sache eine Rolle?

Hofmann: Um Homosexualität geht es hier nicht. Hätte ein Priester sich gegenüber einer jungen Frau so verhalten wie Hennes gegenüber einem jungen Mann, wäre der Fall nicht anders bewertet worden. Entscheidend ist hier nicht die Homosexualität, sondern der schwere Vertrauensbruch: Wenn ein Priester dadurch, dass man ihm besonderes Vertrauen entgegenbringt, von einer Zuneigung oder einer sexuellen Neigung erfährt, darf er das nicht ausnutzen. Stellen Sie sich vor, ein Psychotherapeut, der von seinem Patienten intimste Geheimnisse erfährt, nutzt dies in einer solchen Weise aus – ist das nicht ein schwerer Vertrauensbruch, der Folgen haben muss?

DOMRADIO.DE: Der Vorwurf liegt 18 Jahre zurück. Ist es nicht ungerecht, einem Priester das nach all den Jahren noch anzulasten?

Hofmann: Es ist nicht ungewöhnlich, dass Betroffene erst nach vielen Jahren den Mut finden, über das Erlebte zu sprechen. Wir wollen konsequent aufklären, auch wenn Fälle viele Jahre zurückliegen. Der Betroffene im vorliegenden Fall hat sich im Frühjahr nach den ersten Medienberichten über Vorwürfe gegen Msgr. Hennes gemeldet.

(DR)

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