Fan-Andacht im Kölner Dom
Fan-Andacht im Kölner Dom
Bis September noch im Amt: der FC-Vorstand mit Markus Ritterbach, Alexander Wehrle und Toni Schumacher.
Bis September noch im Amt: der FC-Vorstand mit Markus Ritterbach, Alexander Wehrle und Toni Schumacher.
FC-Fans, soweit das Auge reicht.
FC-Fans, soweit das Auge reicht.
Auch die Jüngsten sind gekommen, um ihrem Lieblingsverein die Daumen zu drücken.
Auch die Jüngsten sind gekommen, um ihrem Lieblingsverein die Daumen zu drücken.
Pfarrer Klaus Thranberend
Die eigene Stärke müsse immer in Beziehung gesetzt werden, interpretiert Pfarrer Thranberend die biblische Geißbockgeschichte.
Repräsentanten des Vereins formulieren die Fürbitten.
Repräsentanten des Vereins formulieren die Fürbitten.
Vizepräsident Toni Schumacher betet für die Verstorbenen des Vereins.
Vizepräsident Toni Schumacher betet für die Verstorbenen des Vereins.
Eine einmalige Stimmung in rut wiess…
Eine einmalige Stimmung in rut wiess…
Schaltausch in der ersten Kirchenbank: Markus Ritterbach und Pfarrer Klaus Thranberend.
Schaltausch in der ersten Kirchenbank: Markus Ritterbach und Pfarrer Klaus Thranberend.
Sabine Steiner aus Freudenstadt dreht von diesem für sie einmaligen Erlebnis Kindervideos mit Puppe Laura.
Sabine Steiner aus Freudenstadt dreht von diesem für sie einmaligen Erlebnis Kindervideos mit Puppe Laura.

24.08.2019

Fan-Andacht des 1. FC Köln mit 4.500 Besuchern "Wir sind Gegner, keine Feinde"

Trainerwechsel, Vorstandswechsel, Diskussionen um die Erweiterung des Arreals am Geißbockheim. Da kann himmlischer Beistand nicht schaden. Jedenfalls führt viele FC-Fans seit Jahren der Weg zum ersten Heimspiel im Stadion zunächst über den Dom.

Am Ende hört es sich an wie ein vorweggenommener Sieg. Kaum ist die FC-Hymne verklungen, werden auch schon die vielen Schals durch die Luft gewirbelt. Wie in jedem Jahr. Das ist bereits Ritual. Und die Begeisterung entlädt sich in einem fröhlichen Grölen, als gäbe es in der Fan-Kurve die ersehnte Führung zu bejubeln.

Gefühlt hat die Andacht so lange wie eine erste Halbzeit gedauert. Und auch inhaltlich hatte sie bei ihrer sechsten Auflage einiges zu bieten, das mit der üblichen Kurzweiligkeit und Spannung auf dem Spielfeld durchaus mithalten kann. Ganz abgesehen von der ausgelassenen Stimmung, die ebenfalls kaum zu toppen ist. Schließlich versammeln sich Jahr für Jahr mehrere tausend "Effzeh"-Fans vor dem Anpfiff des ersten Köln-Heimspiels zum gemeinsamen Gebet im Kölner Dom und tauchen die ehrwürdige Kathedrale in ein optisches Meer aus "rut-wiess". Dass der liebe Gott dann zugunsten der Kölner bei der Torbilanz für Rückenwind sorgen und auch den gefürchteten Abstieg verhindern möge, spielt zwar bei den Beweggründen für eine Teilnahme an dieser ökumenischen Feier mit. Die meisten Gottesdienstbesucher aber – das kommt immer wieder zum Ausdruck – wünschen sich faire Spiele, Toleranz gegenüber dem sportlichen Gegner und ein friedliches Miteinander ohne Randale.

"Der Höhepunkt ist die FC-Hymne"

Alexandra und Stefan Conrad sind mit ihrer vierjährigen Tochter Charlotte eigens aus Linz angereist. "Wir lieben diese besondere Atmosphäre im Dom, die Stadt und den Verein", begründen sie ihren Trip nach Köln. Die Ansprachen seien toll, mal nicht – wie sonst in der Kirche üblich – bierernst, sondern auch gespickt mit Witz und Humor. Der Höhepunkt aber sei unbestritten die FC-Hymne am Ende. "Mir stonn zo dir, FC Kölle" – das würden sie aus voller Kehle mitsingen. Dirk Richarz ist mit Sohn Nino aus Bonn gekommen. Für den Elfjährigen ist es die erste Andacht dieser Art. Er hat sofort verstanden, um was es hier geht. Ein sechs zu null gegen Borussia Dortmund – das wäre sein Traum. "Aber die Hauptsache ist doch", meint er, "es wird eine friedliche Partie. Wir sind Konkurrenten und Gegner, keine Feinde", wiederholt er einen der Kernsätze dieses Gottesdienstes.

Das könne gar nicht oft genug betont werden, findet auch Ulrike Hemmersbach, die keine Karte mehr für das abendliche Spiel gegen Borussia Dortmund im Müngersdorfer Stadion ergattern konnte. "Das macht aber nichts. Ich höre mir alles am Radio an. Man entwickelt über einen fesselnden Kommentator und ohne die Bilder sehr viel mehr Vorstellungskraft." Das reiche ihr völlig aus. Im Übrigen liegt auch ihr am Herzen, dass es zu keinen Ausschreitungen auf dem Platz kommt. "Ich halte nichts davon, andere zu verletzten. Da hört jeder Spaß auf. Das ist immer noch Sport, kein Kampf." Auch Pyrotechnik auf dem Rasen lehnt die Kölnerin kategorisch ab.

Die Fürbitten berühren

Ursula Wintges und ihre Freundin Simone Thomé aus Bensberg outen sich wie die vielen anderen weiblichen Besucher auch als "eingefleischte FC-Fans". Sie hätten sich schon so lange einmal vorgenommen, die neue Fußball-Saison im Kölner Dom zu beginnen. Nun habe es endlich geklappt. "Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ist überwältigend", schwärmt Wintges. Auch die Fürbitten, die die Prominenz aus der ersten Reihe – das Vorstandsteam Markus Ritterbach, Alexander Wehrle und Toni Schumacher – vorgetragen haben, hätten sie sehr berührt.

"Das habe ich mir in dieser Dimension gar nicht vorstellen können", schildert Sabine Steiner aus Freudenstadt im Schwarzwald ihre Eindrücke und zeigt sich gleichzeitig doch etwas amüsiert über diese Kölner Gepflogenheit und den Kult, den die Einheimischen um ihren Club betreiben. Eher zufällig habe sie bei ihrer Dombesichtigung am Mittag die auffällig vielen rot-weiß gekleideten Besucher registriert und dann feststellen müssen, dass die Kölner dieses anstehende liturgische Großereignis mit Leidenschaft zelebrieren. Da sie ihren Nichten daheim von überall her selbstgedrehte Videos schickt, in denen eine Puppe namens Laura das Erlebte in kindgerechter Sprache schildert, ist für die 50-Jährige die FC-Andacht nun ein unverhoffter Volltreffer. Erst lässt sie ihre Kamera entlang an der gewaltigen Gewölbearchitektur des Domes fahren, bevor sie Laura dann munter drauflos schwäbelnd in den Mund legt: "Jetzt drück ich den Kölnern voll die Daumen. Let’s go ins Stadion!"

Die Lesung handelt von einer Geißbockgeschichte

"Su simmer all he hinjekumme", hatte Pfarrer Klaus Thranberend in Anlehnung an das Stammbaum-Lied der Bläck Fööss zunächst seinen Willkommensgruß "op kölsch" an alle, für die Fußball die schönste (Neben)Sache der Welt ist, formuliert. Nicht ohne auf den zu verweisen, dessen Aufstieg und Niederlage im Kreuzzeichen sichtbar werde. Er appellierte an die vielen Fans, die auch die Seitenschiffe und Querhäuser des Domes bis auf den sprichwörtlich letzten Platz füllten, sich als Christen und große Fußballfamilie mit diesem Zeichen unter die Kraft eines Höheren zu stellen.

Für großes Schmunzeln sorgte der katholische Geistliche dann, als er eine Lesung aus dem Buch Daniel vortrug, in der ein Widder mit einem Geißbock streitet und letzterer trotz vermeintlicher Schwäche wegen seines einen Horns als Sieger aus dem Kampf hervorgeht, dieses Horn dann aber auf dem Höhepunkt seiner Selbstgewissheit und Überlegenheit abbricht. Diese Geschichte sei hoffentlich nicht die von Hennes IX, merkte Thranberend zunächst launig an, bevor er dann über die Chancen von Sieg und Niederlage, erfahrener Schwäche und erfahrener Stärke sprach. Auch wenn mit dieser 4000 Jahre alten Geschichte der Auf- und Abstieg des Volkes Israels geschildert werde, lehre sie, dass, wer zu sehr auf die eigene Stärke setze und selbstgerecht werde, dem ersten Schritt in den Untergang nahe sei. Vielmehr gelte es, die eigene Stärke zu relativieren, in Beziehung zu setzen, um sie nicht gegen etwas oder jemanden einzusetzen. "Und es geht um die Gewissheit, dass wir diese Kraft und Stärke nicht aus uns selbst haben, sondern von jemand Größerem." Eine solche Kraft sei allerdings immer nur dann gut, wenn sie sich eingebunden wisse und zum Wohl anderer eingesetzt werde. Das sei der eigentliche Schritt zum Aufstieg.

"Es kommt auf die richtige Einstellung zum Spiel an"

Eine ähnliche Botschaft – angelehnt an den 31. Psalm – hielt auch der Kölner Stadtsuperintendent Bernhard Seiger für die vielen andächtigen Zuhörer bereit. "Beim Fußball geht es um Sport, um Gemeinschaft, um Kunst und Kondition, um Können und Freude. Und es gehe um Sieg und Niederlage, unterstrich auch der Vertreter der evangelischen Kirche. "Um siegen zu können, kommt es auf Taktik an und auf die Haltung sowie die richtige Einstellung zum Spiel." Aber letztlich gehe es bei allem, was Fußballfans erlebten, zudem um Vertrauen, um den Umgang mit Freude und Schmerz, wie es auch der Beter im Psalm erlebe, wo es heiße: Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Seiger betonte: "Gott will, dass wir aufrecht gehen. Er will, dass wir voller Vertrauen gehen und den Raum voll ausschreiten, das Spielfeld in der ganzen Breite nutzen, etwas wagen und der Spielfreude Raum lassen."

Beatrice Tomasetti
(DR)

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