Delegation chinesischer Bischöfe zu Besuch in Köln
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24.07.2019

Chinesische Bischöfe zu Besuch im Erzbistum Köln "Man konnte alle Fragen stellen"

Die Kirche in China wächst. Davon konnte sich der Kölner Weihbischof Rolf Steinhäuser bei einem Besuch vor zwei Jahren selbst ein Bild machen. Nun waren Bischöfe aus dem Reich der Mitte zur Visite in der Domstadt. Mit nachhaltigem Eindruck?

DOMRADIO.DE: Herr Weihbischof Steinhäuser, Sie waren vor gut zwei Jahren in China zu Besuch. Nun waren jüngst fünf Bischöfe aus dem Reich der Mitte zu Gast im Erzbistum Köln. Am vergangenen Sonntag haben diese mit Ihnen die Heilige Messe im Dom gefeiert. Woher kommen denn die Bischöfe genau?

Weihbischof Rolf Steinhäuser (Weihbischof in Köln): Zwei kommen aus der Umgebung von Shanghai, ein anderer aus der Inneren Mongolei und verschiedene aus dem Norden des Landes. Die chinesischen Katholiken wohnen an verschiedensten Orten im Land. Die Bischöfe kamen aus für unsere Verhältnisse sehr kleinen Bistümern - also Bistümern von 20.000 bis 50.000 Katholiken.

DOMRADIO.DE: Haben Sie mit den Bischöfen sprechen können, wie diese die Messe im Kölner Dom erlebt haben?

Steinhäuser: Ich habe nach der Messe mit ihnen zusammen Mittag gegessen. Sie waren bereits am Samstag schon in Köln und haben den Dom angeschaut sowie ein Kölner Brauhaus besucht. Der Dom ist natürlich für sie ein höchst beeindruckendes Bauwerk. Und in dieser Weise im Dom Eucharistie zu feiern, ist schon etwas ganz besonderes.

DOMRADIO.DE: Im kommunistisch-atheistischen China gibt es keine echte Religionsfreiheit. Die Kirche ist auch zwischen der offiziellen Staatskirche und einer Untergrundkirche gespalten, die Rom und dem Papst die Treue hält. Wie sind die Bischöfe, die jetzt zu Gast in Köln waren, da einzuordnen?

Steinhäuser: Eine Reiseerlaubnis erhält derzeit nur jemand, der zur registrierten Kirche gehört. Ich würde aber nicht generell sagen, dass die einen Rom-treu sind und die anderen nicht. Ich glaube nicht, dass es da nur Schwarz und Weiß gibt, sondern viele Zwischentöne.

Die registrierte Kirche ist bereit, in einer bestimmten Weise mit den öffentlichen Stellen zu kooperieren. Die anderen lehnen das ab. Zu Besuch waren jetzt Leute, die zur Kooperation bereit sind. Die kennen auch nur die Zahlen der offiziellen Kirche und sprachen nicht von zehn oder mehr, sondern nur von sechs Millionen Katholiken in ihrem Land. Das ist seit Jahrzehnten die offizielle Zahl. Aber es gibt sicher noch einmal die doppelte Zahl von Sympathisanten.

Man weiß zum Beispiel auch, dass die evangelischen Freikirchen in China rasant wachsen. Aber das sind eher Wohnzimmer-Gemeinden, die sich der Kontrolle entziehen. Die katholische Kirche hingegen braucht Räume für den Gottesdienst. Sie ist damit fassbarer und auch verwundbarer.

DOMRADIO.DE: Der Vatikan hat im Jahr 2018 in einem Abkommen mit Peking auch die Staatsbischöfe anerkannt und den Bischöfen empfohlen, sich registrieren zu lassen. Das sei aber eine Gewissensentscheidung der Bischöfe, heißt es da weiter. Entspannt sich dadurch die Situation?

Steinhäuser: Ich weiß nicht, wie die Ernennung der fünf Bischöfe, die mit im Gottesdienst im Kölner Dom waren, im Einzelnen zustande gekommen ist. Sicher ist, dass von denen niemand ohne eine staatliche Genehmigung Bischof geworden ist. Der Papst hat schon vor vielen Jahren eine ganze Reihe der so zustande gekommenen Bischofsernennungen akzeptiert.

Es gab vormals einen harten Kern von - glaube ich - sechs Bischöfen, die offiziell exkommuniziert waren. Das ist seit November anders. Alle chinesischen Bischöfe leben jetzt in Gemeinschaft mit Rom. Das ist auch der Fixpunkt, auf den man sich in jedem Gespräch beziehen kann, also die Verbundenheit mit dem Heiligen Vater und die Treue zum Heiligen Vater.

DOMRADIO.DE: Das heißt, der Vatikan wünscht sich schon die Einheit der Kirche in China und setzt auf Entspannung?

Steinhäuser: Der Vatikan versucht vor allen Dingen Lebensbedingungen zu schaffen, die es möglich machen, dass Katholiken in China ihren Glauben leben und als Kirche wirken können.

Am Sonntag sagte mir einer der Bischöfe, dass man in China 60 Bischöfe und 98 Bistümer habe. Die vordringliche Aufgabe sei es nun, für diese 38 übrigen Bistümer neue Bischöfe zu finden.

Ich glaube, unter dem Druck sieht sich auch Rom, die Herde nicht ohne Hirten zu lassen. Die Qualität der vatikanisch-chinesischen Vereinbarungen wird sich daran zeigen, ob es gelingen wird, einvernehmlich diese Bischofsstühle zu besetzen.

DOMRADIO.DE: Wie frei können und dürfen die chinesischen Bischöfe sich denn äußern? Da muss man sicherlich sehr diplomatisch sein, oder?

Steinhäuser: Die Aufseher saßen mit am Tisch. Diese fünf Bischöfe wurden von einem Priester begleitet, der im Büro der patriotischen Kirche arbeitet. Das ist sicher ein Vertrauensmann des Staates. Zudem war noch ein Mitarbeiter des Religionsministeriums mit dabei.

DOMRADIO.DE: Im Moment hat man das Gefühl, dass die chinesische Regierung etwas strenger wird und auch strenger hinschaut, was die Religionsfreiheit betrifft. Spricht man denn sowas auch an oder ist das schwierig, weil die Aufpasser direkt daneben sitzen?

Steinhäuser: Die Aufseher haben sich völlig raus gehalten und haben teilweise auch andere Interessen. Der Mann aus dem Religionsministerium hatte offenbar vorrangig das Interesse, im Kölner Souvenirhandel ein Liebesschloss zu erstehen und dies an der Hohenzollernbrücke anzubringen.

Man kann den Bischöfen alle Fragen stellen, aber man bekommt nicht auf alle Fragen eine schlüssige und befriedigende Antwort.

DOMRADIO.DE: Was nehmen Sie von der Begegnung mit?

Steinhäuser: Ich glaube, dass die chinesischen Bischöfe sehr froh waren, hier zu sein. Das hat ihnen manche Dinge nochmal anders eröffnet. Die Rolle von Kirche und Gesellschaft ist ja in China eine völlig andere als bei uns.

Von Köln aus sind sie auch nach Maria Laach gefahren. Sie wollten benediktinisches Leben vor Ort sehen. Es gibt noch einzelne Benediktiner in China, aber eben nicht in einem klösterlichen Verbund.

Sie haben einfach insgesamt viele Fragen - auch ganz praktischer Natur. Beispielsweise haben sie gesagt, dass sie für den Fall wieder neue Bischöfe zu bekommen, auch die Bischöfe aus Europa und der ganzen Welt benötigten. Diese müssten ihnen sagen, wie man ein guter Bischof wird. Man muss sich vorstellen, dass sie in der absoluten Vereinzelung leben. Für sie ist einfach die Gemeinschaft mit der Weltkirche ein zentraler Wunsch - unabhängig davon, ob sie das eins zu eins zuhause umsetzen können.

Insofern ist es für sie sicherlich etwas Besonderes, nach Köln zu kommen und hier mit uns Gottesdienst zu feiern und auch zu spüren, dass sie akzeptiert sind. Sie sind bisher primär von der eigenen Partei und Staatsführung unterstützt worden und im eigenen Land höchst umstritten. Das wird sich auch jetzt nicht von Grund auf geändert haben. Aber immerhin steht jeder dieser Bischöfe jetzt wieder in Verbindung mit der Gesamtkirche.

Das Interview führte Johannes Schröer.

(DR)

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