Pfarrer Regamy Thillainathan
Pfr. Regamy Thillainathan

22.05.2019

Pfarrer über seine Erlebnisse bei kirchlichen Trauungen Ein Ring in der Heizung statt am Finger

Der Wonnemonat Mai ist der Hochzeitsmonat schlechthin. Da soll der wichtigste Tag im Leben in Erinnerung bleiben. Viele Brautpaare wünschen sich etwas Besonderes. Pfarrer Regamy berichtet von seinen Erlebnissen mit kirchlichen Trauungen.

DOMRADIO.DE: Bei Hochzeiten gibt es immer wieder ausgefallene Ideen: Unterwasserhochzeit im Taucheranzug. Im Heißluftballon über den Wolken. In der Kirche zur Musik von Helene Fischer. Was war die außergewöhnlichste Hochzeitsanfrage, die Sie erlebt haben?

Pfarrer Regamy Thillainathan (Leiter der Diözesanstelle für Berufungspastoral im Erzbistum Köln): Mit den Jahren im Dienst hat man schon einiges erlebt. Es gibt tatsächlich viele Anfragen, wo man am Anfang irgendwie irritiert ist. Ist das jetzt ernst gemeint oder eher ein Scherz? Aber die meisten meinen das dann tatsächlich Ernst.

Zum Beispiel hatte ich schon eine Anfrage, ob ich bereit wäre, sie in ihrem Garten zu trauen, weil sie dort am liebsten wären. Ich gehe schon immer ernsthaft auf die Anfragen ein. Vieles kann man im Gespräch klären und vielleicht auch deutlich machen, wieso ich vielleicht eine andere Position habe als das Brautpaar.

Aber ich glaube, das wichtigste ist, und das haben die Brautpaare verdient, sie erst einmal ernst zu nehmen. Es geht um ihren Tag und für sie ist das gefühlt der wichtigste Tag ihres Lebens. Und dann haben sie auch ein Recht darauf, an diesem Tag gut begleitet zu werden. Und da gibt es vieles, was möglich gemacht werden kann. Aber es gibt halt auch Grenzen, was Würde und Ort betreffen. Andererseits gibt es auch Dinge, die bei näherer Klärung vielleicht auch doch nicht so einfach sind.

DOMRADIO.DE: Im Garten heiraten geht demnach nicht?

Regamy: Nein. Aber, ich habe denen unsere Kirchen gezeigt. Ich war mit denen an einem Nachmittag in allen sechs Kirchen unserer Pfarrgemeinde und habe sie ihnen gezeigt. Dann haben sie sich direkt in eine Kirche verliebt.

DOMRADIO.DE: Der Ort sollte also eine Kirche sein?

Regamy: Ja, das hat auch mit der Bedeutung und Wichtigkeit des Sakramentes zu tun, dass das auch ein Ort ist, wo das zum Ausdruck kommt.

DOMRADIO.DE: Und wie ist es mit der Kleidung? Es stand noch keiner im Taucheranzug vor Ihnen?

Regamy: Nein, das habe ich noch nicht erlebt. Trotz all dieser bizarren Dinge, haben die meisten Leute was Trauung in der Kirche angeht, kaum eine klassische Vorstellung.

DOMRADIO.DE: Welche Musik darf man denn bei der Trauung spielen? Hatten Sie schon einmal den Wunsch, Helene Fischer vor dem Altar zu spielen?

Regamy: Ich hatte auch schon weltliche Musik in der Trauung. Da bedarf es aber eines genauen Hinschauens. Welche Lieder überhaupt passen und wie die Texte sind. Ich schaue mir die Texte immer mit dem Brautpaar zusammen an und frage sie, ob ihnen bewusst ist, was da gesungen wird.

Manchmal ist es dann so, dass gerade bei englischen Texten, die Leute überrascht sind, was das für Texte sind. Zum Beispiel bei dem berühmten Lied von Leonard Cohen "Halleluja". Es gibt Texte, die sehr fragwürdig sind. Und wenn man dann mit denen die Texte durchgeht und sie sich zum ersten Mal auch des Inhalts bewusst werden, merkt man schon selbst, wie peinlich berührt sie manchmal sind, weil ihnen das vorher gar nicht aufgefallen war.

DOMRADIO.DE: Fremdsprachen helfen aber manchmal weiter?

Regamy: Genau! Sich ehrlich auseinanderzusetzen und auch mit Wohlwollen seitens der Seelsorge die Auseinandersetzung mit dem Brautpaar zu suchen. Denen zu sagen: Das geht nicht, finde ich erstens nicht fair und zweitens auch den Brautleuten gegenüber unverschämt.

Daher sage ich immer, ich nehme mir die Zeit und das mehrmals, um mit dem Brautpaar gemeinsam anzuschauen, wie kommt es eigentlich zu dieser Geschichte, dass sie genau dieses oder jenes wollen. Und was wollen Sie damit bezwecken? Was ist die Botschaft dahinter? Und kriegen wir es irgendwie rein? Deswegen: Ich achte darauf, welche Lieder im Rahmen einer Trauung gespielt werden. Auch mit dem Brautpaar zusammen. Was passt und was passt nicht? Die seltsamen Dinge sind eher die Nebensächlichkeiten oder die Nebenbaustellen, die sich eigentlich am Ende als Fallen darstellen.

DOMRADIO.DE: Zum Beispiel?

Regamy: Ich hatte einmal erlebt, dass das Brautpaar es schön fand, wenn der Neffe der Braut die Ringe nach vorne bringt. Der Neffe war zwei Jahre alt und hat einfach während der Trauung einen Ring verloren. Das ist einfach nicht aufgefallen. Und als dann der Ring mit feierlicher Begleitung nach vorne gebracht wurde, fiel dann auf, dass ein Ring fehlte. Und dann können sie sich vielleicht vorstellen, dass erst mal das große Suchen begann, weil man nicht mehr genau wusste, wo dieser Ring zuletzt gesehen wurde.

Ich habe auch schon mal erlebt, dass die Ringe erst später nach vorne gebracht werden sollten und auf einem Tablett lagen. Dann hat sich einer der Ringe verselbstständigt und ist in die Lüftungsschlitze der Heizung hineingekullert. Der Küster musste rauskommen und dann dieses Gitter entfernen.

Seit diesen ersten Trauungen weiß ich auch ziemlich sicher, dass die Ringe vorher auf dem Altar liegen müssen. Da musste ich als Berufsanfänger meine ersten Erfahrungen sammeln. Danach habe ich gesagt: Das mache ich nicht mehr mit!

DOMRADIO.DE: "Anfänger" ist auch ein schönes Stichwort, weil da kommen ja oft auch Leute, Besucher, Verwandte, Freunde, die vielleicht noch nie in der Kirche waren und gar nicht so genau wissen, was sie da machen sollen? Zum Beispiel dieser berühmte Fall, dass ein Onkel oder Freund kommt, da mit dem Handy steht und mit der Kamera wirklich direkt in die Nasenlöcher filmt. Was sagen Sie denn, wenn Sie solche Leute in der Kirche haben?

Regamy: Das passiert bei mir gar nicht, weil ich vor der Trauung aus der Sakristei raus in die Kirche gehe und die Leute begrüße. Ich heiße sie erst mal Willkommen. Ich freue mich ja, dass sie da sind. Ich freue mich ja auch, dass so viele Menschen diesen wichtigen Tag des Brautpaares mit ihnen teilen wollen. Erst mal willkommen heißen.

Und dann gebe ich Ihnen mal so zwei, drei technische Hinweise: Erstens, dass es offizielle Fotografen gibt und dass sie bitte dann davon Abstand nehmen sollen, selber zu fotografieren. Die zweite Bitte ist, zu schauen, ob sie ihr Handy lautlos gestellt oder ausgeschaltet haben, damit nicht später in der Trauung eine peinliche Szene stattfindet. Und da merkt man immer wieder, dass viele Leute tatsächlich dann anfangen, ihre Handys auszuschalten oder lautlos zu stellen.

DOMRADIO.DE: Und welches war bislang Ihre außergewöhnlichste Hochzeit?

Regamy: Die außergewöhnlichste Hochzeit war, glaube ich, eine Trauung in Nizza von einer jungen Frau, die ich jahrelang begleitet habe, die ich mehr oder weniger aufgezogen habe. Und das war einfach deswegen noch faszinierend, weil da noch ein koptischer Geistlicher mit dabei war und es die zusätzlichen Riten gab. Erwähnen muss ich auch ein wenig das Luxuriöse, was diese Familien mitgebracht haben. Angefangen von den Autos bis dahin, wie die Kirche geschmückt war. Das war schon eine der außergewöhnlichsten Hochzeiten, die ich hatte.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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