Sankt Clemens Kirche am Rheinufer in Köln-Mülheim
Sankt Clemens Kirche am Rheinufer in Köln-Mülheim

17.03.2019

Gemeindeleben kreativ neu denken in Köln-Mülheim Wenn jeder mitmachen darf

Priestermangel und weniger Menschen in den Gottesdiensten – viele Gemeinden sind davon betroffen. Wie kann man da noch Menschen für die Gemeinearbeit neu begeistern? In Köln-Mülheim hat man dafür kreative Ideen!

DOMRADIO.DE: Angefangen hat das alles vor etwas mehr als einem Jahr. Da haben Sie Ihre Gemeindemitglieder in Köln-Mülheim befragt. Und seitdem ist Ihr Gemeindeverband voller Leben und sehr aktiv. Was für Wünsche sind bei der Befragung damals denn rumgekommen?

Brigitte Hoffmanns (Pfarrgemeinderatsvorsitzende Köln-Mülheim): Aufgrund der geringen Priesteranzahl hatten wir das Problem, dass Messen und Gottesdienste reduziert werden mussten. Das ist in der Gemeinde auf Widerstand gestoßen. Da haben wir dann Interviews geführt, um die Gemeindemitglieder zu fragen, was sie denn gerne möchten. Und rauskam, dass tatsächlich alle Kirchen bespielt werden sollten. Das haben wir dann mit der Gemeinde in der Vollversammlung besprochen und haben uns ein Konzept ausgedacht, dass wir alle Kirchen rotierend bespielen, weil wir natürlich nicht jeden Sonntag alle schaffen können. Das ist sehr gut angekommen – gerade in einigen Kirchen ist es wieder zu einer guten Anzahl von Gottesdienstbesuchern gekommen.

DOMRADIO.DE: Das heißt, die Wünsche sind erfüllt worden. Was haben Sie denn realisiert?

Hoffmanns: Durch die rotierende Gottesdienstordnung hat zum Beispiel die Kirche St. Elisabeth, die ganz rausgefallen war, wieder einen Gottesdienst im Monat. Wir haben auch realisiert, dass die Jugend wieder eine Jugendmesse im geliebten St. Clemens am Rhein bekommen soll. Wir versuchen die Gottesdienste nach den Wünschen der Gemeindemitglieder zu gestalten, indem wir sie festlicher, lockerer, poppiger gestalten – mit viel Engagement von Kindergärten, Jugendlichen und den Kommunionkindern. Und ich glaube, das passt ganz gut. Die älteren Leute haben sich mehr klassische Dinge gewünscht – auch das wird immer wieder umgesetzt. Wir versuchen das abzuwechseln und positiv zu gestalten.

DOMRADIO.DE: Hat sich das Projekt nach ungefähr einem Jahr bezahlt gemacht? Sind die Kirchen immer noch alle voll besucht?

Hoffmanns: Voll besucht sind Kirchen ja nirgends – das kann man wirklich nicht sagen. Aber es wird angenommen, es wird auch von der Jugend angenommen. Wir müssen darüber diskutieren, weil natürlich auch bei uns die Hauptamtlichen nicht mehr werden. Wir werden das Thema auf unserer nächsten Vollversammlung im Mai besprechen. Aber wir wollen auch die Gemeindemitglieder mehr einbeziehen, damit die sich Gedanken machen, wie es weitergeht.

DOMRADIO.DE: Wer ist denn das, der sich da in den Gemeinden engagiert?

Hoffmanns: Mülheim, Buchheim und Buchforst sind Kölner Stadtteile mit sehr schwerem sozialen Charakter. Dort gibt es sehr viele Ehrenamtliche, aber auch Pastoral- und Gemeindereferenten, die sehr engagiert sind.

DOMRADIO.DE: Was machen Sie mit denen zusammen?

Hoffmanns: Wir beginnen heute eine zweiwöchige Veranstaltung unter dem Titel "Zu guter Letzt". Da behandeln wir alles, was mit Trauer zu tun hat. Das heißt, wir haben einen Letzte-Hilfe-Kurs, wir sprechen mit einem Bestatter und mit jemandem, der sich um Nachlassfragen kümmert. Wir haben Lesungen, Konzerte und auch einen Koffer für Grundschulen – es werden also nicht nur die älteren Leute angesprochen. Dazu gibt es eine Filmvorführung für Kinder "Willi wills wissen" zum Thema Tod und Trauer. Ich denke, damit sprechen wir viele Generationen an, aber eben gerade auch die Älteren, die daran sehr interessiert sind.

DOMRADIO.DE: Und dann gibt es bei Ihnen ja auch ein Obdachlosenfrühstück.

Hoffmanns: Das ist auch eine sehr interessante Geschichte in St. Antonius. Das war bisher eine Kirche, die ein bisschen zurückgesetzt war. Da beginnen wir jetzt aber mit sehr viel Caritas-Arbeit. Wir haben die Lebensmittelausgabe, eine Kleiderstube und das Obdachlosenfrühstück. Und dazu haben wir die Obdachlosen mit einem Flyer eingeladen – da sind Menschen drauf wie du und ich, damit die sich gewertschätzt fühlen. Und ich glaube, das kommt ganz gut an.

DOMRADIO.DE: Was ist denn konkret bei Ihnen im Gemeindeverbund anders als in anderen Verbänden oder Pfarreien? Wie würden Sie den Unterschied da beschreiben?

Hoffmanns: Ich glaube, wir haben uns mehr Gedanken über die individuelle Einbeziehung der Menschen gemacht. Wir versuchen, die Jugend mit einem Engelgottesdienst, mit elektronischer Musik und Lichtgestaltung in der Kirche zu gewinnen. Wie gesagt, die Themen der älteren Leute werden gesondert berücksichtigt. Wir haben Kindergärten, die in die Gottesdienste einbezogen werden. In Zukunft denken wir noch weiter.

Das Interview führte Katharina Geiger.

(DR)

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