Gerhard Ludwig Kardinal Müller mit Weihbischof Kawa (Ukraine), Erzbischof Hranic (Kroatien) und Bischof Aguirre Munoz (Zentrafrikanische Rep.) und Pater Hermann-Josef Hupka
Gerhard Ludwig Kardinal Müller mit Weihbischof Kawa (Ukraine), Erzbischof Hranic (Kroatien) und Bischof Aguirre Munoz (Zentrafrikanische Rep.) und Pater Hermann-Josef Hupka
Werenfried van Straaten - der Speckpater
Werenfried van Straaten - der Speckpater
Jahrgedächtnis für P. Werenfried: Einzug in den Kölner Dom
Jahrgedächtnis für P. Werenfried: Einzug in den Kölner Dom
Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, liest die Lesung
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Pater Hermann-Josef Hupka, geistlicher Assistent bei KIRCHE IN NOT, liest das Evangelium
Pater Hermann-Josef Hupka, geistlicher Assistent bei KIRCHE IN NOT, liest das Evangelium
Kardinal Müller predigt auf der Kanzel
Kardinal Müller predigt auf der Kanzel
Kardinal Müller mit Mitzelebranten beim Jahrgedächtnis für P. Werenfried
Kardinal Müller mit Mitzelebranten beim Jahrgedächtnis für P. Werenfried

27.01.2019

Pontifikalamt und Podium zum Jahrgedächtnis für Pater Werenfried "Ein Mann praktischer Intelligenz"

Sein 1947 gegründetes Hilfswerk "Kirche in Not" wirkt heute weltweit. Zum Todestag von Pater Werenfried versammeln sich seine Unterstützer traditionell in Köln. In diesem Jahr hielt Kardinal Müller die Erinnerung an den Ordensgeistlichen wach.

Wenn sie ihr erstes eigenes Geld verdiene, so hatte es sich Maria Bielak immer vorgenommen, wollte sie einen Teil davon für "Kirche in Not" spenden. Denn schon als Jugendliche hat sich die gebürtige Polin, die heute als Kinderärztin in Essen arbeitet, für die Arbeit dieses katholischen Hilfswerks interessiert.

Als sie noch deutsch-polnische Integrationstreffen "zur Vertiefung des Glaubens" organisierte, wie die heute 33-Jährige erklärt, habe sie immer auf die finanzielle Unterstützung durch "Kirche in Not" zählen können. Nun will die junge Frau etwas davon wieder gut machen. Daher bleibt sie dabei, sich weiterhin für diese Initiative zu engagieren. Es sei so etwas wie eine Familientradition, sagt sie. Alle zuhause machten mit.

"Es gab wirklich nichts damals"

Denn nur allzu gut weiß die junge Frau aus den Erzählungen ihres Vaters, dass "Kirche in Not" in Breslau, der Heimatstadt ihrer Eltern, mit Lebensmittel- und Medikamentenpaketen zur Stelle war, als dort 1981 Kriegszustand herrschte und die Menschen nicht das Nötigste zum Leben hatten. "Es gab wirklich nichts damals. Und als diese Pakete kamen, habe ich selbst in unserer Kirchengemeinde bei der Verteilung geholfen", erinnert sich der Vater, Dr. Leslaw Bielak, an diese für Polen schwere Zeit.

Maria Burger hat eine vergleichbare Motivation an diesem Tag aus dem süddeutschen Elzach nach Köln geführt, um hier zunächst im Pontifikalamt mit Gerhard Kardinal Müller aus Rom dem Gründer von "Kirche in Not", Pater Werenfried van Straaten, zu seinem 16. Todestag zu gedenken und später bei der Veranstaltung im Maternushaus zu hören, wie viel Not tatsächlich dieses Hilfswerk lindert – und in welchen Ländern weltweit es Hilfsprojekte unterhält. "Schon meine Oma war begeistert von diesem Ordensmann, den alle damals nur 'Speckpater' nannten. Und mein Onkel, ein Pfarrer, hat unzählige dieser Kinderbibeln verteilt."

Heute führe sie aus Überzeugung deren Engagement weiter. Dass in Köln zu diesem Anlass viele Menschen mit derselben Gesinnung zusammenkämen und sie aus dieser Tatsache für ihren Glauben wieder Kraft schöpfen, tue ihr einfach gut. "Dass Kirche da ist, wo Menschen für Christus leiden", formuliert es Bernhard Scharfenberger, der schon einige der Kongresse von "Kirche in Not" besucht hat, stimme ihn optimistisch. Der 74-Jährige findet: "Das ist ermutigend."

Er bettelte für die verhassten Deutschen

Aus eigenem Erleben kennt Pater Rudolf Chrysostomos Grill noch den niederländischen Prämonstratenserpater, der angesichts des Elends von 14 Millionen deutschen Heimatvertriebenen damals in Belgien mit flammenden Appellen die Bevölkerung dazu brachte, Speck zu spenden, dieses haltbare Lebensmittel – in Zeiten, in denen Geld nichts wert war.

Er bettelte um Hilfe für die zutiefst verhassten Deutschen, die Heimat, Hab und Gut verloren hatten. Für ihn zählte allein das christliche Gebot der Feindesliebe, um in den Trümmern des Nachkriegseuropas "die Liebe wiederherzustellen", wie er das nannte.  Er sei ein Mann des Glaubens und von großem Eifer gewesen, würdigt Grill den Mitbruder, dessen Schüler er damals in Königsstein gewesen war. Wie heute erinnere er sich daran, dass er 1954 zum ersten Mal einen dieser sogenannten Kapellenwagen gesehen habe, mit denen van Straaten Kirche zu den Menschen brachte, die keine Gebäude mehr hatten, in denen sie Messe hätten feiern können.

Und er weiß noch aus eigener Anschauung, wie van Straaten, der "Bettler für Gott", immer mehr Menschen für seine Sache gewinnen und schon bald vor allem auf viele katholische Priester setzen konnte, ebenfalls Heimatvertriebene aus den deutschen Ostgebieten, die sich seiner Sache anschlossen. Pater Werenfried van Straaten löste eine riesige Hilfsaktion aus, die in die Gründung des Hilfswerkes "Ostpriesterhilfe" mündete. Aus dieser Organisation entstand das weltweit tätige Werk "Kirche in Not", das heute jährlich über 100 Millionen Euro Hilfsgelder an die Kirche in über 140 Länder verteilt.

Kardinal Müller würdigt Pater Werenfried

Dieses einzigartige Engagement würdigte auch Kardinal Müller in seiner Predigt. Zunächst aber stellte er mögliche Kriterien für die Nachfolge im Apostelamt auf, indem er auf das Fest der Heiligen Timotheus und Titus einging. Allen Menschen sei aufgetragen, "die Frohe Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden und ihnen Anteil zu geben an der Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott in Gnade und Wahrheit", sagte er. Dazu bedürfe es weiterhin der "Mitarbeit von Menschen, denen Jesus Anteil an seiner messianischen Weihe und Sendung gibt".

Um den Auftrag dieses apostolischen Amtes in der Kirche aber richtig zu erfassen, sei es der falsche Weg, hier an bürokratische Kategorien und politische Muster anzuknüpfen. "Der persönliche Gesandte Jesu ist kein Funktionär oder – biblisch gesprochen – der Mietling, dem an den Schafen nichts liegt, der sich schnell in Sicherheit bringt, bevor der Wolf auch sein Leben bedroht", sagte der Kardinal wörtlich. Er dürfe auch nicht der faule Knecht sein, dem die Bequemlichkeit näher liege, als mit den anvertrauten Talenten zu arbeiten.

"Unser Maßstab ist Christus. Jesus ist gekommen, um uns mit seinem Leben als Lösegeld aus der Sklaverei der Gottverlassenheit und der Menschenverachtung freizukaufen. Und so, wie er sich liebvoll um uns kümmert wie der gute Hirte, der sich seiner Schafe annimmt, so sollen sich die Apostel und ihre Nachfolger selbst als Diener Christi und Verwalter von Geheimnissen Gottes betrachten."

"Leuchtendes und motivierendes Beispiel"

Die Kirche bleibe apostolisch und missionarisch – nicht im Sinne eines Machtanspruchs oder als "Zwangsbeglückung durch elitäre Ideologen, die immer besser wissen, was für das Volk gut ist als die Menschen selbst". Vielmehr durch das Zeugnis von der Frohen Botschaft der Liebe Gottes zu allen Menschen und im Erkennen von Christus in jedem Armen, Verfolgten, Verachteten und Unterdrückten, führte Müller weiter aus. Zu diesem Zeugnis und zur Mitarbeit am Aufbau des Reiches Gottes sei jeder Getaufte aufgerufen – aufgrund seiner besonderen Charismen und natürlichen Fähigkeiten. "So wenig ein Christ die Hände in den Schoß legen darf, so wenig darf er auch die Gottesgabe des Verstandes einrosten lassen."

Als "ein leuchtendes und motivierendes Beispiel dafür" führte der Kardinal Pater Werenfried van Straaten an. Dieser habe sich den Ehrentitel des "Speckpaters" verdient, weil er nach dem Zweiten Weltkrieg unter der niederländischen Landbevölkerung Speck sammelte, um den Erlös unter den Flüchtlingen zu verteilen. Das sei praktische Intelligenz gewesen, so Müller. Er habe die Kirche zu den heimatvertriebenen Katholiken in der Diaspora gebracht, wenn er auf dem Deck eines Lastwagens oder in Zelten die Heilige Messe gefeiert, gepredigt, Beichte gehört und Seelsorgegespräche geführt habe.

Abschließend betonte der ehemalige Bischof von Regensburg und bis 2017 Präfekt der römischen Glaubenskongregation: "Die Kirche ist in Not, wo Christen verfolgt und benachteiligt werden wie damals und heute in kommunistischen Ländern oder auch in nicht wenigen Staaten, die eine traditionelle Religion oder eine modische Ideologie zum alleinigen Kriterium erheben und als Mittel einer absoluten Herrschaft von Menschen über Menschen missbrauchen." So werde das fundamentale Menschenrecht auf Religions- und Gewissensfreiheit mit den Füßen getreten. Auch sei Kirche in Not, "wenn Christen ihren Brüdern und Schwestern nicht zu Hilfe kommen und sich für sie schämen". Noch einmal wiederholte Müller mit Nachdruck vor den mehreren hundert Zuhörern im Dom: Hier sei das Zeugnis für Christus und zugleich die praktische Intelligenz einer konkreten Hilfe gefragt.

Beatrice Tomasetti

(DR)

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